Energiewende im Transport: Bio-LNG dominiert deutschen Markt
Im ersten Halbjahr 2025 stammten 98 Prozent des an deutschen LNG-Tankstellen verkauften Flüssiggases aus erneuerbaren Quellen. Nach Angaben des Verbandes Die Gas- und Wasserstoffwirtschaft handelt es sich dabei um verflüssigtes Biogas, sogenanntes Bio-LNG. Damit hat der klimafreundliche Kraftstoff fossiles LNG im Schwerlastverkehr nahezu vollständig verdrängt.
Stagnierender Absatz trotz Ausbau der Infrastruktur
Zwischen Januar und Juni 2025 wurden 85.917 Tonnen LNG abgesetzt. Dieser Wert entspricht nahezu dem Vorjahresniveau, als im gleichen Zeitraum rund 90.000 Tonnen verkauft wurden. Bio-LNG ist inzwischen an mehr als 190 Tankstellen bundesweit verfügbar. Durch den Einsatz des Kraftstoffs konnten in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres laut Verband über 230.000 Tonnen CO₂-Äquivalente im Vergleich zu Diesel eingespart werden.
"Die Speditionsbranche ist bereit, in nachhaltige Antriebe zu investieren - doch sie braucht Planungssicherheit und endlich Gleichbehandlung mit anderen klimaneutralen Antrieben", erklärt Dr. Timm Kehler, Vorstand des Verbandes Die Gas- und Wasserstoffwirtschaft. "Die Politik darf nicht länger tatenlos zusehen, wie funktionierende, klimafreundliche Lösungen mit lokaler Wertschöpfung ausgebremst werden."
Kritik an politischen Rahmenbedingungen
Trotz dieser Entwicklung sieht der Verband unzureichende politische Unterstützung für Bio-LNG. Vorstand Dr. Timm Kehler erklärte, die Branche sei bereit, in nachhaltige Antriebe zu investieren, benötige dafür jedoch Planungssicherheit und eine Gleichbehandlung mit anderen klimaneutralen Technologien. Besonders kritisch bewertet der Verband die aktuelle Mautregelung, nach der Bio-LNG-Lkw die gleiche Gebühr zahlen wie Diesel-Fahrzeuge.
Forderungen für bessere Wettbewerbsbedingungen
Als wirksame Maßnahmen nennt der Verband gezielte Mautermäßigungen oder -befreiungen für emissionsarme Antriebe sowie steuerliche Erleichterungen, wie sie batterieelektrische Fahrzeuge erhalten. Auf europäischer Ebene kritisiert die Organisation, dass Bio-LNG in den CO₂-Flottengrenzwerten nicht angemessen berücksichtigt werde. Eine technologieoffene Regulierung sei erforderlich, um den tatsächlichen CO₂-Fußabdruck bei der Fahrzeugbewertung abzubilden.
Perspektiven für den Markthochlauf
Darüber hinaus fordert der Verband, die Treibhausgasminderungsquote ambitionierter weiterzuentwickeln und eine langfristige Förderperspektive für Biokraftstoffe über 2030 hinaus zu schaffen. Bio-LNG werde fast ausschließlich von deutschen Erzeugern im ländlichen Raum produziert und trage damit zur regionalen Wertschöpfung und zur Energieunabhängigkeit bei. Laut Kehler ist eine klare politische Weichenstellung nötig, um das Potenzial dieser Antriebsform im Schwerlastverkehr voll auszuschöpfen.
"Wer Bio-LNG ignoriert, lässt eine funktionierende Klimaschutzlösung für den Transportsektor einfach links liegen. Dazu kommt: Das Bio-LNG fast ausnahmslos von deutschen Erzeugern im ländlichen Raum produziert wird - angesichts der ambitionierten Klimaziele und dem klaren Wunsch nach mehr Energieunabhängigkeit sollten wir diese Lösung für den Schwerlastverkehr nicht ignorieren", warnt Kehler. "Die Branche hat geliefert - doch die Politik bleibt zu passiv. Wer es mit den Klimazielen und Resilienz im Schwerlastverkehr ernst meint, muss jetzt handeln."
(av)