Renault Group: François Provost wird neuer CEO
Zum 31. Juli 2025 – dem Tag, an dem Renault nicht nur seine Halbjahreszahlen, sondern gleich auch einen neuen Kapitän präsentiert – übernimmt François Provost offiziell das Steuer als neuer Chief Executive Officer (CEO) von Renault S.A. und wird gleichzeitig Vorsitzender der operativen Renault s.a.s.. Der Verwaltungsrat unter dem wachsamen Blick von Jean-Dominique Senard hat dem Vorschlag des Governance-Ausschusses zugestimmt – mit einem freundlichen Nicken und der Hoffnung, dass François Provost das Ruder mit ruhiger Hand und strategischer Schärfe führt. Fürs Erste gilt das Mandat vier Jahre – je nachdem, wie geschmeidig der Motor läuft.
Mit satten 23 Jahren Renault-Erfahrung im Gepäck – zuletzt als Chief Procurement, Partnerships and Public Affairs Officer – kennt Provost die Gruppe sehr gut und ist bestens vernetzt – aber tat sich bisher noch nicht als emotionaler Car-Guy hervor, sondern eher als besonnener Einkäufer und Mann der ruhigen aber klaren Entscheidungen.
Ob Strategie oder Tagesgeschäft, ob Asien, Europa oder Allianzen mit globalen Playern – Provost hat viele Baustellen, bringt aber strategische Agilität, Partnerschafts-Finesse und Branchen-Spürsinn mit – alles Zutaten, um den Kurs der Gruppe solide zu halten. Von Beschleunigen sind in der Autobranche aktuell alle Marken bis hin zu Porsche her weit entfernt.
Und François Provost selbst erklärte anlässlich seiner Ernennung.
„Ich denke insbesondere an alle Teams, die mich in den letzten 23 Jahren unterstützt haben. Ich werde meine ganze Energie und Leidenschaft einsetzen, um gemeinsam mit unseren 100.000 Mitarbeitenden, dem Handel, den Lieferantinnen und Lieferanten sowie Partnerinnen und Partnern zur Entwicklung unserer Gruppe beizutragen, die seit 127 Jahren eines der Aushängeschilder der französischen Industrie ist. Die Renault Group verfügt über ein starkes Fundament, engagierte Teams, eine herausragende Produktpalette, starke Marken und eine innovative Organisation. Diese sind von unschätzbarem Wert, wenn wir unsere Transformation in einem für unsere Branche zunehmend anspruchsvollen Umfeld vorantreiben. Sie können auf mein Engagement und meine Entschlossenheit zählen, wenn wir gemeinsam das nächste Kapitel in unserer Geschichte aufschlagen.“
Die Zahlen: Auch bei Renault schwächer, aber immerhin solide
Die Renault Group hat im ersten Halbjahr 2025 ein solides Ergebnis hingelegt – kein Quantensprung, aber ein stabiler Kurs. Der Konzernumsatz stieg um 2,5 Prozent auf 27,6 Milliarden Euro, bereinigt um Wechselkurseffekte sogar um 3,6 Prozent. Im Automobilgeschäft fiel das Wachstum mit 0,5 Prozent (bzw. 1,6 Prozent wechselkursbereinigt) etwas verhaltener aus – hier zeigt sich, dass der Markt aktuell eher mit angezogener Handbremse fährt.
Das Betriebsergebnis des Konzerns belief sich auf knapp 1,7 Milliarden Euro, was einer operativen Marge von 6,0 Prozent entspricht. In der Automotive-Sparte lag die operative Marge bei 4,0 Prozent – ein solider, wenngleich ausbaufähiger Wert. Unter dem Strich erzielte Renault einen Nettogewinn von 0,5 Milliarden Euro – wohlgemerkt ohne die Bilanzierung der Nissan-Beteiligung, die das Zahlenbild deutlich trübt. Diese schlägt mit insgesamt minus 11,6 Milliarden Euro zu Buche, wovon der Großteil (9,3 Milliarden Euro) allerdings nicht zahlungswirksam ist, sondern auf eine geänderte Bilanzierung zurückzuführen ist. Der Rest resultiert aus der Neubewertung assoziierter Unternehmen.
Beim Free Cashflow zeigt sich ein eher durchwachsenes Bild: Mit 47 Millionen Euro liegt dieser deutlich unter dem Vorjahreswert von 600 Millionen Euro. Zwar flossen 150 Millionen Euro an Dividenden von Mobilize Financial Services, allerdings wurde das Ergebnis durch eine negative Veränderung des Betriebskapitals in Höhe von 897 Millionen Euro deutlich belastet. Die finanzielle Stabilität bleibt dennoch gewährleistet: Die Netto-Cash-Position der Automotive-Sparte beträgt zum 30. Juni 2025 beachtliche 5,9 Milliarden Euro.
Alpine startet jetzt in die erhoffte Wachstumsphase: +85%
Die Marken der Renault Group konnten ihre Positionen in einem anspruchsvollen Marktumfeld behaupten – und teilweise sogar ausbauen. Renault sicherte sich in Europa den zweiten Platz bei Pkw und leichten Nutzfahrzeugen, mit dem Clio als meistverkauftem Modell der Marke. In Frankreich steht Renault weiterhin an der Spitze – sowohl bei Pkw, leichten Nutzfahrzeugen, als auch bei Elektro- und Hybridfahrzeugen. Auch Dacia bleibt eine feste Größe: Die Marke zählt weiterhin zu den Top 10 in Europa, rangiert bei Privatkunden auf Platz drei und überzeugt mit dem Duster und dem Sandero als Bestseller. Alpine wiederum überraschte mit einem bemerkenswerten Absatzplus von 85 Prozent – ein deutliches Lebenszeichen der sportlichen Submarke.
Der Auftragsbestand in Europa bleibt solide mit einer Vorlaufzeit von rund zwei Monaten, während der Lagerbestand mit 530.000 Fahrzeugen per Ende Juni gut gefüllt, aber nicht überladen ist. Für das Gesamtjahr 2025 hat Renault seine Prognose leicht angepasst: Erwartet wird nun eine operative Konzernmarge von rund 6,5 Prozent sowie ein Free Cashflow zwischen 1,0 und 1,5 Milliarden Euro – ein Zeichen dafür, dass man den Kurs in ruhigere und profitablere Gewässer lenken will.
Was bedeutet das?
Luca de Meo hat bei Renault große Spuren hinterlassen. Nun liegt es an François Provost, diese mutig weiter zu gehen.