DS N°4: Made in Rüsselsheim!
Wir waren erstaunt: Im Werk Rüsselsheim baut Opel den Astra und den DS N°4, der sich in ganz vielen Punkten von seinem Verwandten unterscheidet. Was beide vereint: eine für Deutschland mittlerweile sehr „tiefe“ Fertigungstiefe – bis hin zu einem Presswerk, das auch für andere Stellantis-Marken Blech in Form bringt.
Der DS N°4-Rohbau unterscheidet sich massiv vom Astra
Und wer jetzt meint, der Rohbau wäre weitgehend identisch und der DS N°4 sei nur ein Astra mit anderem „Hut“ – nope! Tatsächlich unterscheiden sich die beiden in den meisten Blechen – dezent identisch sind allenfalls die Anbindungspunkte von Fahrwerk und Antrieb und die Crashbox und der Einsatz hochfester Stähle.
Die Bleche rollen dann ins Roboterballett, in dem 580 Bots mit riesigen Seitenwänden spielen als wären es kleine Legosteinchen. Immer wieder fliegen Funken – Bleche fügen sich zur Karosserie des DS N°4 . Im „Bodyshop“ finden sich auch viele Roboterzellen für das Schweißen von Kleinteilen, wobei manche Bauteile noch manuell eingelegt werden. Für en DS N°4 gibt es hier eine extra Station für die elektrisch ausfahrenden Türgriffe, die einen Zusatzschritt bedeuten. Dazu kommen drei Qualitätsstationen zur Kontrolle der Fugen, Maße und Oberflächen. Und immer wieder werden spontan Rohbauten herausgezogen und extra auditiert. Beim DS als Premiumprodukt übrigens öfter und intensiver als beim Astra. Dazu kommen die üblichen Kameras und Sensoren samt Lichttunnel.
Produktion im Stern
Noch immer zeichnet sich das Rüsselsheimer Werk durch seine platzsparende sternförmige Bauweise aus – oder, wie man intern scherzt: Durch einen Aufbau wie eine Hand mit großem Mittelfinger, den man allen Widrigkeiten entgegenhält. Vorteil dieser Anordnung: Auf den vier „dünnen“ Außensträngen wird nur Vor- und dann wieder endmontiert. Alle Baugruppen laufen im Hauptfinger zusammen bevor die Autos dann über die Seitenarme wieder „ablaufen“ respektive -fahren. Das hat den Vorteil, so erklärt man uns, dass die Wege deutlich kürzer sind als in einem Werk von dem in einer ewig langen Halle von vorn nach hinten gearbeitet wird.
Interessant: Auch beim Astra habe man gegenüber dem Vorgänger wieder „Riesenschritte“ in Sachen Qualität gemacht, wobei der schon nicht groß negativ auffiel. Auch TÜV und Dekra stellten bislang keine drastischen Ausreißer nach unten fest. Womit klar ist, wie hoch das Niveau im Fahrzeugbau mittlerweile ist.
Dann werden die Fahrzeuge lackiert und kommen zum Innenausbau zurück, wo erstmal die Türen wieder demontiert werden, damit die Werker besseren Zugang zum Auto haben. Hier arbeitet man wie in vielen anderen Werken auch auf einem laufenden Band mit Holzboden – der sieht edel aus und lädt sich statsich nicht auf. Die Takte sind kurz und komplex: Die Armaturentafel wird mit einem Gestell ins Auto gehoben und fixiert – nach einer Minute ist das erledigt.
Die Werker: Hochmotiviert hessisch
Interessant ist der immer noch vergleichsweise hohe Anteil an motivierten Werkern in Rüsselsheim. Während man bei Audi oder BMW ein bisschen den bayerischen Stolz gepaart mit vielen Bots spürt und bei Skoda den tschechischen Ehrgeiz des ständigen Aufholens und Besser-Sein-Wollens erkennt, ist Rüsselsheim lauter, herzlicher, hessischer, nicht so verbohrt. Immer wieder rufen sich die Werker gegenseitig zu, scherzen und sind doch stolz auf ihre Arbeit!
Wir kommen zum Herz der Montage, der „Hochzeit“: auf der Verschraubstation, wo bei unserem letzten Besuch noch Zafiras und die letzte Insignia-Generation mit den Antrieben verheiratet wurden, kommt es jetzt zur Vermählung des DS N°4 und Astra mit den Antrieben, was beim Verbrenner immer aufwändiger ist als beim Stromer. Und man ist so flexibel wie einst, als man den Minivan und die Limo respektive den Kombi mischen konnte, zumal der Insignia anfangs auch noch als „Buick“ in die USA und als „Holden“ nach Australien ging – und als Vauxhall nach UK. Jetzt wechseln sich Astra und DS N°4 ab, wobei der Franzose stückzahlenseitig der „Juniorpartner“ ist, der je nach Bestelleingang zwischen 15 und zwanzig Prozent der Fertigung füllt. So oder so sind Antriebsmodul und Karosserie vollautomatisch in 80 Sekunden miteinander verheiratet. Und halten trotz dieser „Turbotrauung“ länger als viele Ehen – ein Autoleben lang nämlich!
Der DS N°4 erhält strengere und häufigere Audits
Und immer wieder gibt es begleitende Kontrollen der Werker samt einem Audit, das beim DS N°4 auch höher aufgehängt ist als beim Astra. Bei der internen Qualitätsprüfung in einer hellen „Garage“ nahe am Montageband treffen wir Michael Lehmann, der uns erklärt:
„Wir nehmen täglich vollkommen willkürlich zwischen zehn und zwanzig Serienfahrzeuge direkt von der Linie – keine Vorserienmodelle oder ausgewählte Exemplare.“
Und die werden dann nochmal extra geprüft auf Optik, Haptik, Spaltmaße, Softwareverhalten, Assistenzsysteme, Geräuschentwicklung. Und wenn etwas auffällt? Gibt Lehmann das an die verantwortlichen der jeweiligen Produktionsprozesse weiter und man überlegt, wie es dazu kommen konnte, oder was man ändern müsste, um das immer auszuschließen.
Bei unseren Exemplaren war erwartungsgemäß alles in Ordnung und sie gingen danach auf die Prüfstrecken. Auch hier gibt es mehrere mit verschiedene Fahrzyklen: Die beginnen bei einem 50-Kilometer-Test und reichen bis hin zu 2000 Kilometern auf öffentlichen Straßen – vor allem bei den Vorserienmodellen. Um eventuelle Fehlerbilder identifizieren, die beim Kunden auftreten könnten.
Bei den ersten Testfahrten kann man Astra und DS N°4 akustisch differenzieren
Alle DS N°4 werden über die kurzen spezifischen Prüfstrecken geschickt – mit unterschiedlichen Untergründen, fiesem Kopfsteinpflaster und bösen Bodenwellen. Was hier schon von außen auffällt: Die DS N°4 absolvieren diese kurzen Marterstrecken leiser als die Astra, denn auch beim Fahrwerk und vor allem bei der Dämpfung legt DS ebenfalls noch mal ein Schäufelchen drauf. Lehmann erklärt uns:
„Wir testen hier nicht nur einmal, sondern mehrfach – auf Klappergeräusche, eventuell lose Teile oer elektronische Auffälligkeiten.“
Aber auch hier finden sich während unseres Aufenthaltes keinerlei Beanstandungen: Die Autos drehen ihre Marterrunden, bei denen in einem Spiegel auch die Beleuchtung nochmal final gecheckt wird und dann geht es schon zum Abstellplatz – auf dem Astra und DS N°4 dann gleich behandelt werden und gemeinsam auf den Transport warten.
Was bedeutet das?
Das Werk Rüsselsheim ist unique – hier atmet stärker als an anderen Standorten noch der alte „Werker-Geist“. Man ist stolz auf das, was man schafft und dass man trotz hessischer Fröhlichkeit auch Premium kann und liebt. Die Älteren erinnern sich noch daran, dass hier einst auch Luxusklasse gefertigt wurde – die der DS N°4 in kompakter Ausführung wieder nach Rüsselsheim zurückbringt. In exklusiven Stückzahlen: Bisher sind laut DS-Presseabteilung rund 62.000 DS 4 gebaut worden.