Junge Forschung liefert Lösungen für sichere Straßen
Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) hat am 23. Juni 2025 im Rahmen des Forums „Wie gestalten wir den ‚Arbeitsplatz Straße‘ sicherer?“ in Berlin die Preisträgerinnen und Preisträger des 16. Förderpreises „Sicherheit im Straßenverkehr“ bekannt gegeben. Der Preis würdigt Abschlussarbeiten, die sich mit aktuellen Fragestellungen der Verkehrssicherheit befassen und konkrete Lösungsansätze im Sinne der Vision Zero entwickeln. Insgesamt wurden vier Arbeiten ausgezeichnet.
Crashsimulationen mit E-Scootern im Fokus
Den ersten Preis erhielt Till Krebs von der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW) für seine Bachelorarbeit zur Simulation von Unfällen mit Elektrokleinstfahrzeugen. Seit der Zulassung von E-Scootern im Jahr 2019 ist ein deutlicher Anstieg von Unfällen zu verzeichnen. Krebs analysierte insbesondere die Verletzungsrisiken bei Kollisionen zwischen E-Scootern und anderen Verkehrsteilnehmenden, wobei Kopf- und Halswirbelsäule als besonders gefährdet identifiziert wurden.
Mithilfe der Software MADYMO simulierte er typische Unfallszenarien und leitete daraus sicherheitsbezogene Empfehlungen ab. Dazu zählen unter anderem die Einführung einer Helmpflicht, Anreizsysteme zur freiwilligen Helmnutzung, Geschwindigkeitsbegrenzungen per Geofencing in sensiblen Bereichen sowie der Ausbau der Infrastruktur für Zweiräder.
Lösungsansätze für Engstellen in Ortsdurchfahrten
Svenja Weber von der Hochschule Darmstadt erhielt den zweiten Preis für ihre Masterarbeit über Engstellen in Ortsdurchfahrten. In vielen ländlichen oder historisch gewachsenen Gemeinden führen bauliche Engstellen zu Problemen im Verkehrsfluss und zu erhöhten Unfallrisiken. Anhand mehrerer Fallstudien in hessischen Kommunen untersuchte Weber die Ursachen und mögliche Gegenmaßnahmen.
Zu den geprüften Lösungen gehören unter anderem die Installation von Lichtsignalanlagen, Einbahnstraßenregelungen und bauliche Trennungen verschiedener Verkehrsarten. Ihre Arbeit mündet in einem praxisorientierten Zehn-Punkte-Plan für Kommunen, der unter anderem Aspekte wie Netzplanung, Bürgerbeteiligung und nachhaltige Mobilitätsstrategien umfasst.
Sicherheit älterer Verkehrsteilnehmender verbessern
Ein dritter Preis ging an Christin Thürigen von der Hochschule der Sächsischen Polizei. Ihre Bachelorarbeit befasst sich mit der Verkehrssicherheit älterer Menschen in Deutschland und vergleicht dabei Maßnahmen aus verschiedenen europäischen Ländern.
Im Mittelpunkt steht das Beispiel Spaniens, wo seit Jahren eine umfassende Strategie zum Schutz älterer Verkehrsteilnehmender verfolgt wird. Dazu zählen regelmäßige Eignungsuntersuchungen, ärztliche Mobilitätsberatung, kostenfreie Fahrverhaltensbeobachtungen sowie technische Assistenzsysteme. Thürigen leitet aus den Erkenntnissen Empfehlungen für vergleichbare Maßnahmen in Deutschland ab.
Belastungen von Einsatzkräften bei Einsatzfahrten
Ebenfalls mit dem dritten Preis ausgezeichnet wurde Liane Jenke von der Akkon Hochschule für Humanwissenschaften in Berlin. Ihre Bachelorarbeit untersucht die Belastungswahrnehmungen von Einsatzkräften der Berliner Feuerwehr während Einsatzfahrten mit Sonderrechten. In Interviews mit Feuerwehrkräften und Fachpersonen identifizierte sie zentrale Belastungsfaktoren wie unvorhersehbares Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer, Müdigkeit und Schwierigkeiten bei der Navigation. Die Ergebnisse sollen zur Weiterentwicklung von Aus- und Fortbildungsmaßnahmen beitragen, um die Handlungssicherheit der Einsatzkräfte und damit auch die Verkehrssicherheit insgesamt zu verbessern.
Ausblick auf den Förderpreis 2026
Für die nächste Ausschreibungsrunde können Abschlussarbeiten bis zum 28. November 2025 eingereicht werden. Der DVR will mit dem Förderpreis auch weiterhin wissenschaftliche Impulse zur Verbesserung der Straßenverkehrssicherheit in Deutschland unterstützen.