CO2-Grenzwerte: Transportbranche will "Technologieoffenheit" und Förderung
Die Weltorganisation für Straßentransport (IRU) drängt gemeinsam mit zwanzig weiteren Organisationen auf eine frühere und technologieneutrale Überarbeitung der CO2-Standards in der Europäischen Union.
Laut einer aktuellen Erklärung, die im Rahmen des Strategischen Dialogs über die Zukunft der Automobilindustrie veröffentlicht wurde, sollte die Europäische Kommission die Reform um ein Jahr vorziehen und dabei sicherstellen, dass alle tragfähigen Technologien berücksichtigt werden.
Kritik an der aktuellen Strategie der EU
Raluca Marian, EU-Direktorin der IRU, äußerte deutliche Kritik an der bestehenden Dekarbonisierungsstrategie der EU.
„Die EU erweist sich mit ihrer aktuellen Dekarbonisierungsstrategie einen Bärendienst. Der Mangel an Technologieoffenheit schränkt die Wahl tragfähiger Technologien ein, um die CO2-Reduktionsziele zu erreichen“, sagte Marian.
Die 21 Verbände, die die gemeinsame Erklärung unterzeichnet haben, vertreten die eine breite Palette von Interessen im Straßenverkehrssektor repräsentieren. Dazu zählen unter anderem Verbände der Automobilindustrie, Hersteller von Nutzfahrzeugen sowie Logistik- und Transportunternehmen.
Die Unterzeichner argumentieren, dass regulatorische Rahmenbedingungen und finanzielle Anreize geschaffen werden müssen, um saubere Fahrzeuge schneller auf den Markt zu bringen. Sie wenden sich gegen gesetzlich vorgeschriebene Kaufmandate für Flottenbetreiber, die nach ihrer Auffassung den marktwirtschaftlichen Grundsätzen der EU widersprechen.
Technologieoffenheit als Schlüssel zur Dekarbonisierung
Die IRU betont, dass ein breiter Ansatz notwendig ist, um die Klimaziele zu erreichen und gleichzeitig die wirtschaftlichen Auswirkungen für Transportunternehmen zu minimieren. Dabei sollten nachhaltige, kohlenstoffarme und erneuerbare Kraftstoffe als alternative Technologien stärker in die politische Strategie einbezogen werden.
Die Forderung nach Technologieneutralität ist dabei eng mit den Interessen der IRU verknüpft. Als globaler Verband des gewerblichen Straßenverkehrs setzt sich die IRU dafür ein, dass Unternehmen die Freiheit haben, die wirtschaftlich und technisch sinnvollsten Lösungen für ihre Flotten zu wählen. Einseitige politische Vorgaben, die beispielsweise ausschließlich auf batterieelektrische oder wasserstoffbetriebene Fahrzeuge setzen, könnten, so die Befürchtung, innovationshemmend wirken und Unternehmen in ihrer Entscheidungsfreiheit einschränken.
Strategischer Dialog als Chance
Der Strategische Dialog über die Zukunft der Automobilindustrie wurde Ende Januar von der Europäischen Kommission ins Leben gerufen. Er soll als Plattform dienen, um die Transformation der Branche gemeinsam mit Industrievertretern und anderen Interessengruppen zu gestalten.
„Dank der Initiative der Europäischen Kommission zur Einleitung des Strategischen Dialogs über die Zukunft der Automobilindustrie haben wir die einmalige Gelegenheit, die Dekarbonisierung des Straßenverkehrs zu beschleunigen. Wir dürfen uns diesen Moment nicht entgehen lassen oder uns vom Tunnelblick aus der Bahn werfen lassen“, betonte Marian.
Ein wirklich technologieoffener Ansatz müsste daher auf einer objektiven Bewertung der Energieeffizienz und Skalierbarkeit der verschiedenen Antriebsformen beruhen.
Eine Frage der Energieeffizienz: Stromer schlägt Verbrenner
Am 5. März soll ein Aktionsplan für die Automobilindustrie vorgestellt werden, der als Grundlage für weitere Maßnahmen zur Emissionsreduzierung und Innovationsförderung dienen wird. Dabei wird sicherlich auch eine Rolle spielen, dass batterieelektrische Antriebe einen deutlich höheren Gesamtwirkungsgrad als Wasserstoff oder synthetische Kraftstoffe haben. Sie in Bereichen, in denen sie praktikabel sind, zu bevorzugen, ist daher aus rein naturwissenschaftlicher Sicht durchaus sinnvoll.
Gleichzeitig sind alternative Energieträger dort unverzichtbar, wo eine direkte Elektrifizierung an ihre Grenzen stößt, weshalb es auch in der Fahrzeugindustrie viele Stimmen gibt, die im Verkehr für eine Bevorzugung von BEV plädieren. Ob also die Europäische Kommission den Forderungen der IRU und anderer Verbände nachkommt, bleibt abzuwarten.