LKW

BWVL: Neue Bundesregierung muss dringend in Straßengüterverkehr investieren

Der BWVL fordert von der neuen Bundesregierung klare Weichenstellungen. Massiv soll sie in den Straßengüterverkehr investieren. Da könnte allerdings zu Lasten der Schiene gehen und wirft Fragen nach der Finanzierung auf.

Maut als Finanzierungsquelle: Der BWVL fordert eine vollständige Zweckbindung der Mauteinnahmen für den Straßengüterverkehr. (Foto: Toll Collect)

Die wirtschaftlichen Herausforderungen in Deutschland sind enorm, und der Güterverkehr steht als eine der tragenden Säulen der Wirtschaft unter Druck. Auch der Bundesverband für Eigenlogistik & Verlader (BWVL) hat daher ein umfassendes Forderungspapier vorgelegt, das bereits jetzt die neue Bundesregierung adressiert. Darin skizziert der Verband dringende Maßnahmen, die aus seiner Sicht erforderlich sind, um die Wettbewerbsfähigkeit der Branche und damit den Wirtschaftsstandort Deutschland zu sichern.

Erhalt und Ausbau der Infrastruktur

Im Bereich Infrastruktur fordert der BWVL eine verlässliche, langfristige Finanzierung, die sich nicht an jährlichen Haushaltsentscheidungen orientiert. Die Einnahmen aus der Lkw-Maut sollten vollständig für den Straßengüterverkehr eingesetzt werden – insbesondere für die Sanierung von Brücken, den Ausbau von Lkw-Stellplätzen sowie die klimafreundliche Transformation.

Zudem spricht sich der Verband für eine einheitliche Mautpflicht ohne Ausnahmen aus. Demnach sollen zukünftig auch Pkw und Busse zahlen.

Weitere zentrale Forderungen zielt darauf, die bestehende Infrastruktur effizienter zu nutzen. Dazu zählt, dass der Einsatz des Lang-Lkw im grenzüberschreitenden Verkehr ausgeweitert werden soll. Außerdem soll für geeignete Strecken das zulässige Gesamtgewicht schwerer Nutzfahrzeuge auf 44 Tonnen angehoben werden.

Eine bundesweite Umsetzung von Referenzwerten zur „Geräuscharmen Logistik“, wie sie in Nordrhein-Westfahlen bereits gültig ist, soll zudem den Verkehr gleichmäßiger über den Tag verteilen und so Staus reduzieren.

Konsequent umgesetzt, könnte der einseitige Fokus auf den Straßengüterverkehr allerdings zulasten der Schieneninfrastruktur gehen. Zwar spricht sich der BWVL für eine Förderung des Kombinierten Verkehrs aus, doch bleiben die Maßnahmen für die Schiene weit weniger konkret. Eine konsequentere Verlagerung von Transporten auf die Schiene könnte jedoch langfristig einen stärkeren Beitrag zur CO2-Reduktion leisten und außerdem den Verkehr auf der Straße entlasten.

Transformation technologieoffen gestalten

In seinem Forderungskatalog spricht sich der BWVL klar für die Transformation hin zur Klimaneutralität aus. Diese sei essenziell – jedoch müsse sie technologieoffen erfolgen. Unternehmen sollten selbst entscheiden können, welche Antriebstechnologien für sie wirtschaftlich und operativ sinnvoll sind.

Um Investitionen in alternative Antriebe zu erleichtern, fordert der Verband die Verlängerung der Mautbefreiung für emissionsfreie Lkw über 2025 hinaus, steuerliche Anreize für alternative Antriebe und Ladeinfrastruktur sowie eine gezielte Reinvestition der CO2-Mauteinnahmen.

Auch synthetische und biogene Kraftstoffe sollten als Übergangslösung steuerlich begünstigt werden, um die Dekarbonisierung des Verkehrssektors zu beschleunigen. Ergänzend schlägt der BWVL die Einführung eines generellen Tempolimits auf Bundesautobahnen vor. Verbesserungen im Kombinierten Verkehr und der Ausbau von Schieneninfrastruktur sollen zudem dazu beitragen, mehr Transporte auf die Schiene zu verlagern.

Zu diskutieren wäre allerdings, inwieweit der technologieoffene Ansatz tatsächlich dazu führt, dass sich die emissionsfreien Technologien schnell durchsetzen. Kritiker fordern vielmehr, klarere Leitplanken und gezieltere Maßnahmen. Sie halten diese für notwendig sind, um eine zügigere Reduktion der CO2-Emissionen sicherzustellen.

Sozialverträglicher Straßengüterverkehr

Ein weiteres Dauerthema in der Branche sind die Arbeitsbedingungen von Lkw-Fahrern. Der BWVL fordert daher, einen Teil der CO2-Mauteinnahmen gezielt für soziale Maßnahmen zu nutzen, etwa für den Ausbau von Parkplätzen und besseren sanitären Einrichtungen. Zudem setzt sich der Verband für mehr Verkehrssicherheit durch die Förderung von Alkotests in Lkw ein.

Bürokratieabbau zur Entlastung der Unternehmen

Auch an der Bürokratielast im Straßengüterverkehr stört sich der BWVL. Diese hemme die wirtschaftliche Entwicklung. Der Verband fordert daher eine effizientere Zusammenarbeit von Bund, Ländern und Kommunen, den Ausbau digitaler Schnittstellen und eine Fortführung der „Kommission Straßengüterverkehr“ zur kontinuierlichen Reduzierung bürokratischer Hürden. Besonders im Fokus steht eine Vereinfachung von Verwaltungsverfahren für Groß- und Schwertransporte sowie die Fachkräftegewinnung aus dem Ausland durch weniger regulatorische Hürden.

Fazit

Die umfangreichen und aus Sicht der Verlader und der Eigenlogistikunternehmen völlig nachvollziehbaren Forderungen werfen allerdings Fragen nach der Finanzierbarkeit auf. Die Zweckbindung der Lkw-Maut für den Straßenverkehr könnte zulasten anderer Verkehrssektoren gehen. Zudem sind steuerliche Begünstigungen, Investitionszuschüsse und Sonderabschreibungen mit erheblichen finanziellen Aufwendungen verbunden. Solange also Deutschland an der Schuldenbremse festhält, die Gelder über die öffentlichen Haushalte nur schwierig zu organisieren sein. Alternative Finanzierungsquellen oder Umschichtungen werden erforderlich sein.