Bosch und Cariad bringen KI für automatisiertes Fahren in Serie
Bosch und Cariad, die Softwaretochter des Volkswagen-Konzerns, haben ihre Kooperation in der Automated Driving Alliance vertieft. Gemeinsam entwickeln die Partner einen durchgängigen, KI-basierten Software-Stack für automatisiertes und assistiertes Fahren auf Level 2 und 3. Das System soll künftig alle wesentlichen Aufgaben übernehmen – von der Objekterkennung über die Interpretation der Verkehrssituation bis zur Entscheidung und Umsetzung von Fahrmanövern.
Die Besonderheit: Alle Bausteine werden vollständig eigenständig entwickelt, inklusive Quellcode und geistigem Eigentum. Das ermöglicht laut den Unternehmen schnelle Anpassungen, eine hohe Transparenz und die Einhaltung einheitlicher Standards zu Sicherheit, Datenschutz und Nachvollziehbarkeit von Entscheidungen.
End-to-End-KI und multimodale Ansätze
Die Software setzt auf eine End-to-End-KI-Architektur. Dabei kommen modernste Verfahren zum Einsatz, wie sie auch aus generativen KI-Anwendungen bekannt sind. So soll das System nicht nur aktuelle Verkehrssituationen erfassen, sondern auch mögliche Entwicklungen antizipieren – etwa das Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer.
Perspektivisch kann die Lösung auch multimodale KI-Ansätze wie „Vision Language Action“ integrieren, die visuelle und sprachliche Informationen verknüpfen. Ziel ist ein tieferes Verständnis komplexer Verkehrssituationen und eine verbesserte Reaktion auf versteckte Risiken.
Mathias Pillin, CTO bei Bosch Mobility, ergänzt: „Daten und KI sind der Schlüssel, wenn es darum geht, automatisierte Fahrsysteme in großem Maßstab und zuverlässig auf die Straße zu bringen. Wir können diese Herausforderung nur gemeinsam meistern, indem wir auf Augenhöhe zusammenarbeiten und alte Denkmuster aufbrechen. In der Automated Driving Alliance zeigen wir mit CARIAD, wie das erfolgreich funktioniert.“
Testflotten sammeln Daten – weltweit
Bereits heute ist der Software-Stack in Testfahrzeugen wie dem ID.Buzz und dem Audi Q8 unterwegs. Die Fahrfunktionen werden in Europa, Japan und den USA erprobt. Allein 2025 sollen mehrere hundert weitere Fahrzeuge mit umfangreicher Sensorik ausgestattet werden, um qualitativ hochwertige Daten zu sammeln.
Die Entwicklung erfolgt datengetrieben: Neue Erkenntnisse aus den Fahrten fließen mehrfach täglich in den Quellcode ein und werden direkt in die Testflotten eingespielt. So soll die Performance bis zur Serienreife Mitte 2026 kontinuierlich steigen.
Einsatz über den Volkswagen-Konzern hinaus
Die neuen automatisierten Fahrfunktionen sind zunächst für die „Software-defined Vehicle“-Architektur von Volkswagen vorgesehen. Bosch will die skalierbare Lösung jedoch auch anderen Herstellern weltweit anbieten. Die Architektur ist auf den Einsatz in verschiedenen Fahrzeugklassen ausgelegt.
Was bedeutet das?
Mit dem Projekt positionieren sich Bosch und Cariad im internationalen Wettbewerb um Schlüsseltechnologien für das automatisierte Fahren – und setzen bewusst auf Eigenentwicklung statt Zukauf. Die geplante Serienreife 2026 ist ambitioniert, insbesondere angesichts der hohen Sicherheits- und Regulierungsanforderungen. Entscheidend wird sein, ob die Partner die versprochene Skalierbarkeit und Praxistauglichkeit in Millionen Fahrzeugen umsetzen können – und wie gut die KI in komplexen, unvorhersehbaren Verkehrssituationen tatsächlich agiert. (av)