Bosch stellt neue Radar für ADAS vor – mehr Reichweite, KI-Funktionen und Systemintegration
Zwei neue Chips, viele neue Möglichkeiten
Mit den System-on-Chips SX600 und SX601 erweitert Bosch sein Portfolio im Bereich Radar-Halbleiter. Die beiden neuen Bausteine richten sich an Anwendungen für Fahrerassistenzsysteme auf SAE-Level 2+ und bieten Rechenkapazität für Funktionen wie automatische Notbremsung, adaptive Geschwindigkeitsregelung oder Spurwechselassistenz.
Der Entwicklungsfokus lag auf verbesserter Umfeldwahrnehmung, insbesondere im Zusammenspiel mit neuronalen Netzen. So soll etwa die Unterscheidung zwischen Fußgängern und Objekten zuverlässiger funktionieren.
„Bosch blickt bereits auf 25 Jahre Erfahrung im Bereich Radarsensoren zurück. Mit unseren fortschrittlichen SoCs leisten wir einen Beitrag für ein komfortables und vor allem auch sicheres Fahren“, erklärt Peter Wolfangel, Executive Vice President des Geschäftsbereichs Mobility Electronics bei Bosch.
Technologie auf 22-Nanometer-Basis
Gefertigt werden die SoCs in 22-nm-RF-CMOS-Technologie, was eine kompakte Integration bei niedrigen Kosten erlaubt. Eine vollständig digitale PLL (Phase-locked Loop) sorgt für flexible Signalverarbeitung bei gleichzeitig hoher Präzision.
Im Vergleich zu marktüblichen Sensorlösungen bieten die Chips laut Bosch eine um 30 % gesteigerte Reichweite. Das mmWave-Frontend, kombiniert mit einem leistungsstarken digitalen Signalprozessor, stellt die Schnittstelle zur realen Welt dar – und liefert die Rechenbasis für klassische wie KI-basierte Auswertung.
Speicher, Schnittstellen, Sicherheit
Beide Chips arbeiten im 77-GHz-Frequenzband und verfügen über vier Sende- sowie vier Empfangskanäle. CAN XL und Ethernet sind als Kommunikationsschnittstellen an Bord.
Beim Thema Sicherheit setzt Bosch auf hardwarebasierte Verschlüsselung und Sicherheitsbeschleuniger, um unbefugten Zugriff zu verhindern. Der SX600 zielt auf kostensensitive Anwendungen, während der SX601 mehr Speicher und Rechenleistung bereitstellt.
Upgrade leicht gemacht
Dank identischer Architektur sind beide SoCs untereinander austauschbar („drop-in-kompatibel“), was System-Upgrades vereinfacht. Für Anwendungen mit noch höheren Anforderungen kann eine kaskadierte Lösung aus zwei Chips eingesetzt werden. Muster des SX601 stehen bereits weltweit für Entwickler zur Verfügung.
Marktumfeld und Verfügbarkeit
Bosch sieht sich mit dem Launch gut positioniert: Laut S&P Global Mobility wächst der Markt für Radarhalbleiter derzeit mit rund 12 % pro Jahr – schneller als der übrige Automotive-Halbleitermarkt. Die SoCs sind direkt über Bosch für OEMs und Distributoren verfügbar.
Was bedeutet das?
Mit SX600 und SX601 setzt Bosch auf Trends wie anspruchsvollere ADAS-Funktionen, KI am Fahrzeugrand und modulare Chips. Der flexible Ansatz bietet Entwicklern Spielraum – von simpel bis komplex. Offen bleibt, ob Bosch sich gegen Spezialisten durchsetzt, die Hard- und Software aus einer Hand liefern. Klar ist: Weniger Abhängigkeit, mehr Eigenprofil. (av)