LKW

Grüne Logistik in Wien: Elektro-Lkw revolutionieren den städtischen Lieferverkehr

Im Projekt Zero Emission Transport setzen mehr als 40 Unternehmen auf emissionsfreie E-Fahrzeuge für die Logistik in Wiens Innenstadt. Die Brau Union fährt mit einem 16-Tonnen-Elektro-Lkw.

Harald Raidl, Supply Chain Director der Brau Union, Gastronom Paul Kolarik und Dominic Schmid, Obmann der Sparte Tourismus und Freizeit in der Wirtschaftskammer Wien, mit einem elektrischen Lkw der Brau Union vor der Luftburg. (Foto: Florian Wieser)

Im Rahmen des Projekts „Zero Emission Transport“ (ZET) der Wirtschaftskammer Wien beliefern seit Sommer 2024 mehrere Unternehmen emissionsfrei den ersten und zweiten Wiener Gemeindebezirk. Das Pilotprojekt soll laut Angaben der Wirtschaftskammer Wien die operative Machbarkeit CO2-freier Lieferungen im städtischen Raum erproben und gleichzeitig die Vorteile für Anrainer und Bevölkerung sichtbar machen.

Einer der bislang über 40 teilnehmenden Betriebe ist die Brau Union Österreich. Sie beliefert eigenen Angaben zufolge Gastronomiebetriebe im Stadtzentrum mit einem 16,7 Tonnen schweren Elektro-Lkw. Das Fahrzeug verfügt laut einer Pressemeldung über eine Reichweite von bis zu 200 Kilometern, abhängig von Beladung und Witterung, und wird am Unternehmensstandort Schwechat mit erneuerbarem Strom aus österreichischer Erzeugung geladen.

Dekarbonisierung als strategisches Ziel

Der Einsatz des E-Lkw sei Bestandteil der konzernweiten Nachhaltigkeitsstrategie „Brew a Better World“ des Mutterunternehmens Heineken, so die Mitteilung. Die Brau Union plant demnach, ihre Lieferkette bis 2030 vollständig klimaneutral zu gestalten.

„Elektromobilität ist ein zentraler Baustein auf unserem Weg zu Net Zero in der Supply Chain bis 2030“, erklärt Harald Raidl, Supply Chain Director der Brau Union.

Zusätzlich zur bestehenden Fahrzeugflotte sollen noch im laufenden Jahr sieben weitere E-Lkw in Schwechat in Betrieb genommen werden.

Ein Beispiel für die Anwendung im Gastronomiebereich ist die Belieferung des Restaurants Luftburg – Kolarik im Wiener Prater. Das Unternehmen, das sich selbst als weltweit größtes Bio-Restaurant bezeichnet, bezieht unter anderem das Bio-Bier „Gösser Biostoff“. Paul Kolarik, Betreiber der Luftburg, hebt hervor:

„Seit heuer ist die Luftburg frei von fossilen Energieträgern: Ein Meilenstein für unsere gelebte Nachhaltigkeit.“

Projektziele und Laufzeit

„Zero Emission Transport“ verfolgt mehrere strategische und operative Zielsetzungen. Neben der vollständigen Dekarbonisierung der Fahrten im ersten und zweiten Bezirk – bezogen auf die Fahrten der teilnehmenden Unternehmen – geht es auch um die Verdichtung emissionsfreier Transporte in einem begrenzten geografischen Raum. Dadurch sollen Wirkungen und Optimierungspotenziale für den urbanen Wirtschaftsverkehr genauer analysiert werden können.

Das Projekt startete im Sommer 2024 und ist auf drei Jahre angelegt. Eine wissenschaftliche Evaluierung erfolgt durch die FH des BFI Wien. Bereits vor Beginn wurden die beteiligten Betriebe zu ihren Beweggründen sowie zu Umfang und Art geplanter Maßnahmen befragt.

Struktur und Motivation der teilnehmenden Unternehmen

Die Gruppe der Projektpartner umfasst Unternehmen nahezu aller Branchen, von großen Paketdiensten über Lebensmitteleinzelhändler bis hin zu Handwerks- und Dienstleistungsbetrieben. Die Wirtschaftskammer Wien verzeichnet gemäß eigenen Angaben seit Projektstart einen deutlichen Zuwachs an Teilnehmern. Unternehmen wie GLS Austria, Dachser Austria, Lidl Österreich, die Österreichische Post, REWE, Spar, dm Drogerie Markt, Transgourmet oder Gebrüder Weiss engagieren sich ebenfalls für emissionsfreie Lieferketten in der Innenstadt.

Als Hauptmotive für den Umstieg auf emissionsfreie Fahrzeuge nannten die Unternehmen in der Vorerhebung vor allem Klima- und Umweltschutz sowie nachhaltiges Wirtschaften. Derzeit sind laut Projektträger rund 38 Prozent der in Wien verkehrenden Fahrzeuge der beteiligten Unternehmen emissionsfrei. Bis 2030 soll dieser Anteil auf 80 Prozent steigen.

Ladeinfrastruktur als Schlüsselfaktor

Ein zentrales Anliegen der Projektorganisation ist der Aufbau geeigneter Ladeinfrastruktur im öffentlichen Raum. Teilnehmenden Unternehmen wird die Möglichkeit geboten, in für ihre Logistik besonders relevanten Ladezonen eine Ladesäule errichten zu lassen. Die Umsetzung erfolgt durch Wienenergie. Zum Zeitpunkt der zweiten Pressemeldung existieren drei kombinierte Ladezonen mit Ladesäulen – weitere Standorte sind projektspezifisch in Planung.

Neben direkten Fahrzeugförderungen nennen die Betriebe den Ausbau der Ladeinfrastruktur als entscheidenden Treiber für die Umstellung auf elektrische Transportmittel.

Wissenschaftliche und politische Relevanz

Über den praktischen Nutzen hinaus dient das Projekt „Zero Emission Transport“ als politisch-strategisches Instrument zur Weiterentwicklung städtischer Mobilitäts- und Klimapolitik. Die erzielten Daten und Erfahrungen sollen laut Wirtschaftskammer Wien helfen, notwendige behördliche oder gesetzgeberische Anpassungen zu identifizieren und fundiert vorzubereiten.