EU-Fahrtenblatt vor dem Aus: bdo fordert digitalen Systemwechsel im Busverkehr
Der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmen (bdo) setzt sich erneut für die vollständige Abschaffung des EU-Fahrtenblatts im grenzüberschreitenden Gelegenheitsverkehr ein. Das seit über 60 Jahren bestehende Dokument gilt aus Sicht des Verbands als bürokratisch, technisch überholt und angesichts fortschreitender Digitalisierung nicht mehr zeitgemäß.
Hoher Verwaltungsaufwand ohne Mehrwert
Das EU-Fahrtenblatt dient bislang als verpflichtendes Kontrollinstrument für Busunternehmen bei internationalen Gelegenheitsfahrten. Die Informationen – etwa zu Fahrtverlauf oder Grenzübertritten – müssen manuell eingetragen werden. Dies führt laut bdo zu erheblichem Verwaltungsaufwand und erhöhtem Fehlerrisiko, ohne dass daraus ein relevanter Kontrollvorteil gegenüber digitalen Systemen entstehe. Zudem könne das Formular leicht fehlerhaft ausgefüllt werden, was regelmäßig zu Sanktionen führe.
Digitale Alternativen längst verfügbar
Der Verband verweist auf bereits vorhandene digitale Systeme, mit denen die im Fahrtenblatt geforderten Daten erfasst werden können. Dazu zählen unter anderem Smart-Tachographen, Fahrerkarten und insbesondere das Binnenmarkt-Informationssystem (IMI-Portal). Letzteres wird seit Inkrafttreten der Richtlinie (EU) 2020/1057 als digitales Nachweissystem für Kabotage und Entsendungen eingesetzt. Der bdo fordert, dass die IMI-Meldung als alleiniger Nachweis anerkannt wird und das Fahrtenblatt in diesem Zusammenhang entfällt.
Neue EU-Verordnung stärkt Digitalisierung
Mit der EU-Verordnung 2024/1258 ist die Europäische Kommission verpflichtet worden, bis spätestens zum 23. November 2025 technische Spezifikationen für digitale Kontrollstrukturen vorzulegen. Ziel ist es, Smart-Tachographen künftig in die Lage zu versetzen, automatisch zwischen Linien- und Gelegenheitsverkehr zu unterscheiden. Die Arbeiten an dieser Durchführungsverordnung sind laut bdo weit fortgeschritten.
Zukünftige Echtheitsprüfung durch Satellitentechnik
Ein weiterer technischer Entwicklungsschritt ist die geplante Integration des Galileo-OSNMA-Dienstes (Open Service Navigation Message Authentication), der eine kryptografisch abgesicherte Positionsbestimmung ermöglichen soll. Obwohl OSNMA aktuell noch nicht flächendeckend verfügbar ist, wird es künftig als manipulationssichere Methode zur Verifizierung von Ort und Zeit im digitalen Tachographen bewertet.
Abschaffung als logischer Schritt
Der bdo sieht in diesen Entwicklungen die Grundlage für den vollständigen Ersatz des papierbasierten EU-Fahrtenblatts durch digitale, fälschungssichere Systeme. Die Einführung moderner Kontrolltechnologien steigere die Nachvollziehbarkeit und Zuverlässigkeit, während manuelle Eingaben überflüssig würden. Aus Sicht des Verbands ist die Pflicht zur Nutzung des Fahrtenblatts damit nicht mehr gerechtfertigt.
Politische Gespräche laufen
Der Verband hat eigenen Angaben zufolge Gespräche mit der Europäischen Kommission sowie mit der Bundesregierung aufgenommen, um die Abschaffung des Fahrtenblatts politisch weiter voranzutreiben. Ziel ist ein schrittweiser Übergang zu vollständig digitalen Nachweissystemen im internationalen