Autohöfe im Umbruch: Was sich bis 2040 ändern dürfte
Von der Transformation im Verkehr bleibt die klassische Autobahntankstelle keineswegs unberührt. Das zeigt eine gerade erst veröffentlichte Untersuchung der Management- und Technologieberatung Bearingpoint. Die Studie „Die Tankstelle der Zukunft“ beleuchtet, wie sich das Angebot an Fernstraßenstandorten künftig entwickeln dürfte – und welche Auswirkungen das auf Nutzerinnen und Nutzer hat. Grundlage sind eine repräsentative Verbraucherumfrage, Interviews mit Branchenvertretern sowie eine Marktanalyse.
Vor allem entlang der Autobahnen erwarten die Studienautoren eine grundlegende Neuausrichtung: Bis zum Jahr 2040 dürften sich demnach die Tankstellen zu hochwertigen Verweilstationen entwickeln, an denen der reine Tankvorgang in den Hintergrund tritt. Im Vordergrund stehen stattdessen Aufenthaltsqualität, gastronomische Angebote und digitale Services. Für Lkw-Fahrer im Schwerlastverkehr dürfte das sowohl Verbesserungen als auch neue Herausforderungen mit sich bringen.
Lkw-taugliche Ladeinfrastruktur wird zur Schlüsselaufgabe
Mit dem Rückgang fossiler Kraftstoffe steigt die Bedeutung von Ladeinfrastruktur – auch für schwere Nutzfahrzeuge. Die Studie zeigt, dass Fernstraßenstandorte künftig Schnellladetechnologie vorhalten müssen, um insbesondere die Anforderungen elektrischer Lkw zu erfüllen. Das stellt Betreiber vor große Investitionen und technische Herausforderungen, ist aus Sicht von Bearingpoint aber unverzichtbar.
„Die Frage ist nicht mehr, ob sich die Tankstelle verändern muss, sondern wie schnell und in welche Richtung“, sagt Nina London, Partnerin bei Bearingpoint.
Ihrer Einschätzung nach werden nur solche Anbieter bestehen, die in Ladeinfrastruktur, digitale Services und neue Geschäftsmodelle investieren – auch mit Blick auf die Anforderungen des gewerblichen Verkehrs.
Mehr Aufenthaltsqualität – aber nicht überall
Der Studie zufolge werden sich Autobahnstandorte zu Orten entwickeln, an denen nicht nur getankt oder geladen wird, sondern an denen die Fahrer bewusst eine Pause einlegen. Bearingpoint nennt unter anderem verbesserte Gastronomieangebote, mehr Komfort im Sanitärbereich und zusätzliche Services wie sichere Stellplätze oder digitale Buchungssysteme.
Ob diese Entwicklung allerdings flächendeckend stattfindet, bleibt fraglich. Die Studie rechnet damit, dass die Zahl der Tankstellen bundesweit bis 2035 deutlich sinken könnte – von derzeit rund 14.400 auf möglicherweise nur noch 11.000. Zwar betrifft das vor allem ländliche Versorgungsstellen, doch auch der Wettbewerb um rentable Autobahnstandorte dürfte zunehmen.
Digitale Services im Fokus – auch für Flotten
Die Digitalisierung an Fernstraßenstandorten nimmt der Einschätzung zufolge ebenfalls zu. Bearingpoint hebt hervor, dass kontaktloses Bezahlen, digitale Preisinformationen oder Rabattsysteme für viele Nutzende immer wichtiger werden. Für den gewerblichen Verkehr bedeutet das: Flottenbetreiber und Fahrer müssen sich auf neue Prozesse einstellen, etwa bei der Abrechnung oder der Nutzung von Bonus- und Buchungssystemen.
Die Studie empfiehlt Betreibern zudem, gezielt neue Zielgruppen wie Flottenkunden oder Mobilitätsplattformen zu erschließen. Das könne durch individuelle Angebote, Telematik-Integration oder digitale Kundenportale geschehen. Voraussetzung sei allerdings eine tiefgreifende Digitalisierung der internen Abläufe – was nicht allen Unternehmen in gleichem Maße gelingt.
Marktverschiebung möglich
Ein weiterer Punkt mit möglicher Relevanz für den Güterverkehr: Die Marktanteile im Tankstellensektor könnten sich verschieben. Während bislang die großen Mineralölgesellschaften den Kraftstoffabsatz dominieren, könnten künftig auch Energie- und Technologieunternehmen stärker auftreten – etwa mit eigenen Schnellladeangeboten oder Mobilitätsplattformen.
Für Flottenkunden im Schwerlastverkehr könnten sich dadurch neue Kooperationsmodelle und Bezahlsysteme ergeben. Gleichzeitig wird eine stärkere Vernetzung zwischen Betreibern und Flotten erwartet – etwa durch digitale Schnittstellen für Reservierung, Abrechnung oder Wartungsservices.
Fazit: Veränderung erfordert Anpassung – auch im Güterverkehr
Für Lkw-Fahrerinnen und -Fahrer dürfte der Wandel der Autobahntankstellen zunächst vor allem eine Veränderung des gewohnten Alltags bedeuten. Neue Lademöglichkeiten, digitalisierte Services und bessere Aufenthaltsqualität bieten Chancen – setzen aber zugleich die Bereitschaft zur Anpassung voraus.
Auch auf Seiten der Unternehmen im Straßengüterverkehr ist laut Bearingpoint ein Umdenken nötig. Die Berater empfehlen: Wer künftig reibungslos tanken, laden oder pausieren möchte, sollte sich frühzeitig mit den neuen Infrastrukturen und Prozessen auseinandersetzen.