LKW

Transportbarometer: Mehr Ware, weniger Laderaum

Die Transportmengen steigen, doch der Platz auf der Straße wird knapp. Der Elvis-Bericht zum ersten Quartal 2025 offenbart die strukturellen Engpässe im Güterverkehr. Steigenden Preisen und ein labilen Gleichgewicht im Straßengüterverkehr.

Stau im System: Trotz anhaltender wirtschaftlicher Unsicherheit und knapper Kapazitäten im Güterverkehr steigt der Transportbedarf. (Foto: Pixaby)

Trotz saisonaler Belebung im ersten Quartal 2025 bleibt der Straßengüterverkehr in Deutschland von strukturellen Engpässen und konjunktureller Unsicherheit geprägt. Das geht aus dem aktuell veröffentlichten Marktreport der Europäischen Ladungs-Verbund Internationaler Spediteure (Elvis) AG hervor. Dass sich die deutsche Wirtschaft auch zu Jahresbeginn nicht entscheidend erholen konnte, spürt der Einschätzung zufolge auch die Transportbranche.

Das Bruttoinlandsprodukt stieg gegenüber dem Vorquartal um lediglich 0,2 Prozent, lag aber noch immer 0,2 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Belastend wirken weiterhin die schwachen Produktionszahlen in der Industrie sowie die anhaltende Flaute am Immobilienmarkt. Dagegen verzeichnete der Onlinehandel deutliche Zuwächse, auch das Baugewerbe profitierte leicht vom milden Frühjahr. Elvis-Vorstand kommentiert die Lage so: „Die anhaltende Stagnation der deutschen Wirtschaft im ersten Quartal verlangt von den Unternehmen Flexibilität und vorausschauende Planung, um auch in schwierigen Zeiten handlungsfähig zu bleiben.“

Im Baugewerbe machten sich laut dem Marktreport erste Effekte angekündigter staatlicher Infrastrukturmaßnahmen bemerkbar. Im März stieg die Bauproduktion im Monatsvergleich um 2,1 Prozent. Demgegenüber stand ein Rückgang in der Chemieproduktion um 2,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Auch die Automobilindustrie zeigte nur verhaltene Dynamik: Die Produktion von Kraftwagen und Kraftwagenteilen legte lediglich um 1,5 Prozent zu. Die Einschätzung der Unternehmen bleibt insgesamt verhalten. Der ifo-Index fiel im April im Jahresvergleich um 2,5 Prozent. „Dieser Rückgang signalisiert deutlich, dass die deutsche Wirtschaft weiterhin von großer Unsicherheit geprägt ist“, so Grabowski.

Trotz dieser Ausgangslage erlebte der Transportmarkt im März eine spürbare saisonale Belebung. Die Gesamtfahrleistung stieg gegenüber dem Vormonat um 9,4 Prozent. Gleichzeitig verknappte sich das Verhältnis von Fracht zu verfügbarem Laderaum im innerdeutschen Spotmarkt deutlich: Laut Elvis-Transportbarometer nahm der Index im April gegenüber März um 22,1 Prozent zu. Grabowski zieht daraus den Schluss: „Diese aktuellen Daten aus den Osterwochen verdeutlichen, wie schnell verfügbare Kapazitäten ausgelastet sein können und der Markt an seine Grenzen stößt.“

Die ifo-Konjunkturperspektiven für den Bereich „Güterbeförderung im Straßenverkehr“ trübten sich im April ebenfalls ein. Insbesondere die Geschäftserwartungen verschlechterten sich im April 2025 deutlich – sie sanken im Vergleich zum Vormonat um 30,1 Prozent. Dahingegen fiel eine interne, nicht-repräsentative Umfrage unter Elvis-Mitgliedsunternehmen positiver aus. Sie ergab, dass rund zwei Drittel der befragten Speditionen ihre Geschäftserwartung für die kommenden vier Wochen als unverändert einschätzten.

Gleichzeitig steigen die Anschaffungskosten für Fahrzeuge. Im Vergleich zum Vorjahresquartal legten die Preise für Lkw um 2,5 Prozent, für Sattelzüge um 9,4 Prozent zu. Die Gründe dafür sieht Grabowski in der zunehmenden Verbreitung teurerer Elektro-Lkw. „Angesichts der um bis zu 30 Prozent rückläufigen Zulassungszahlen gehen wir davon aus, dass die gestiegenen Preisindizes vor allem auf die hohen Anschaffungskosten von Elektro-Lkw zurückzuführen sind, die den durchschnittlichen Fahrzeugpreis nach oben treiben“, erklärt er. Die Preise für konventionelle Dieselmodelle blieben dagegen stabil, die Dieselkraftstoffpreise lagen im März 2025 unter den Vorjahres- und Vormonatswerten.

„Die Entwicklungen des ersten Quartals bestätigen unsere Prognosen aus vorherigen Marktreports: Trotz moderatem Mengenwachstum waren die verfügbaren Transportkapazitäten nahezu sofort ausgelastet“, resümiert Grabowski. Gründe dafür seien unter anderem Insolvenzen sowie verkleinerte Fuhrparks. Ein signifikanter Ausbau der Flotten sei angesichts der wirtschaftlichen Unsicherheit derzeit nicht zu erwarten. Umso wichtiger sei eine frühzeitige und präzise Abstimmung zwischen Verladern und Speditionen – gerade bei saisonalen Schwankungen. „Möchte der Kunde Laderaum-Garantien, muss er auch bereit sein, dafür zu zahlen“, so Grabowski abschließend.