PKW

PV-Pilotprojekt am Königssee: Parken und laden unter Panelen

Mit einem zweiten Leuchtturmprojekt der Carport-Photovoltaik mit Ladeinfrastruktur am Königssee nach dem Pilotprojekt im Allgäuer Skyline-Park setzt der Freistaat ein weiteres Beispiel, wie sich vorhandene Fläches doppelt nutzen lassen. So entsteht vor Ort Energie, die von E-Autos verbraucht wird. Und nebenbei Beschattung.

Parken mit Sinn: 273 Pkw-Stellplätze werden von den Solardächern überspannt, an 62 gibt es Ladepunkte für E-Autos. Weitere Expansion ist bereits vorgesehen. | Foto: Watzmann Natur Energie

Im einem Projekt der Watzmann-Natur-Energie (WNE) und der Gemeinde Schönau a. Königssee ist jetzt die dem Vernehmen nach größte „größte Photovoltaik-Carportanlage mit öffentlicher Ladeinfrastruktur in Bayern" eröffnet worden. Erst im April ist zudem an der A 96 bei Bad Wörishofen im Allgäu der „größte Solar-Carport in Bayern“ in Betrieb gegangen. Die gut 22.000 Solarmodule der neuen Anlage dort überspannen sogar 2.160 Stellplätze für den benachbarten Skyline-Park. Beides Symbole eines rasanten Zubaus an Photovoltaik im Freistaat, dessen CSU-FW-Regierung sich ansonsten mit regenerativen Energien und speziell Windkraft ebenso schwer tut wie mit den dazugehörigen Hochspannungsleitungen aus dem Norden. 

Hier hat die energiewendesäumige Regierung von Markus Söder aber mal ein Leuchtturmprojekt vorzuzeigen. Auf fünf Doppelreihen des Parkplatzes Königssee und einer Einzelreihe wurden Carports mit einer Dachfläche von insgesamt 4.700 Quadratmetern errichtet. Darauf sind wiederum hocheffiziente Solarmodule mit einer Gesamtleistung von 550 kWp montiert. Neben angenehmem Schatten bietet das Projekt auch die Möglichkeit das eigene E-Fahrzeug zu laden. Dafür sind insgesamt 62 Ladepunkte mit je 11 kW vorgesehen. 

Der Clou ist die Nutzung bereits versiegelter Parkflächen

Im Vorfeld hatten sich die Gemeinde Schönau a. Königssee und die WNE gemeinsam intensiv Gedanken zum verträglichen und sinnvollen Ausbau der E-Ladeinfrastruktur und der Stromerzeugung durch Photovoltaik im Gemeindebereich gemacht. Der begrenzte und schützenswerte Raum verlangte nach einer besonderen Lösung. Wie kann der steigende Bedarf an regenerativem Strom, vor allem für Ladevorgänge von Gästefahrzeugen, gedeckt und zugleich eine unauffällige Anbringung von PV-Modulen gefunden werden, waren die leitenden Fragen. Der optimale Standort für die sonnenhungrigen Stromerzeuger wurde auf dem Parkplatz Königssee gefunden.

Der Charme dieser Maßnahme: Neben der Mehrfachnutzung von bereits versiegelten Parkplatzflächen, der Gleichzeitigkeit von Stromerzeugung und Stromabnahme, ist die Stromnetzentlastung durch den hohen Eigenverbrauch besonders erwähnenswert. Das Nebenprodukt „Schatten“ sei "ein zusätzliches Zuckerl", so die Verantwortlichen. Um allen Besuchern ein angenehmes Parkerlebnis bieten zu können, wurde auch an die Barrierefreiheit einiger Lademöglichkeiten und Ladepunkte für E-Bikes gedacht.

Strom vor Ort produziert und verbraucht

Strom produzieren die Solarpaneele dort schon seit mehreren Wochen. Ihre Spitzenleistung haben sie laut WNE-Geschäftsführer Anton Poettinger erstmals an Ostern erreicht – und den allergrößten Teil des Stroms gleich an ladende E-Autos abgegeben. Wenn die Sonne scheint, zieht man nicht nur viel Solarstrom, sondern auch Besucher an, erhofftermaßen immer häufiger mit dem E-Auto, wenn es passende Ladeinfrastruktur gibt. Da der Sonnenstrom vor Ort verbraucht wird, wird das Netz nicht belastet. 

Bayern sei Sonnenland Nummer Eins in Deutschland, heißt es von den Mitgliedern der Staatsregierung stets, wobei das absolut gilt, relativ auf die große Fläche des Freistaats gerechnet aber weniger. Das ficht Agrarministerin Michaela Kaniber (CSU) bei der Solarpark-Eröffnung in ihrem Stimmkreis am Königssee nicht an. Ende vergangenen Jahres waren im Freistaat laut Wirtschaftsministerium mehr als 1,1 Millionen Photovoltaikanlagen mit einer installierten Leistung von mehr als 26 Gigawatt in Betrieb. Man habe die solare Stromerzeugung innerhalb von fünf Jahren um rund 37 Prozent steigern können, heftet man sich auf die weiß-blauen Fahnen.