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VM-Fahrbericht BYD Dolphin Surf: Günstig auf der (quietsch)grünen Welle

BYD macht Nägel mit Köpfen und steigt mit dem Dolphin Surf bei den E-Kleinwagen in den Ring. Der chinesische Stromer punktet mit viel Platz und einem echten Kampfpreis. Zumindest am Anfang.

Stadtstromer: In der Basis ist der Radius eher für urbanen Einsatz. | Foto: BYD

Enthusiasmus ist etwas Wunderbares! Da können sich viele Miesepeter eine Scheibe von Maria Grazia Davino abschneiden. „Wir arbeiten ständig ständig, ständig an uns selbst, um uns zu verbessern“, strahlt die BYD-Managerin und fügt hinzu: „Was uns wirklich wichtig ist, dass wir erfolgreich sind und unseren Werten treu bleiben.“ Dieser Duktus kommt in der Unternehmenszentrale in Shenzhen sicher gut an. Vor allem, wenn der BYD Dolphin Surf endlich Geld in die Kassen spült. Denn bislang war die Operation Eroberung des deutschen Marktes für den chinesischen Autobauer nur von überschaubarem Erfolg gekrönt.

Damit sich das ändert, bringt BYD mit dem Dolphin Surf einen Stadtflitzer zum Kampfpreis von 19.990 Euro nach Deutschland, der in China schon als Seagull seine Runden dreht. Ab dem 30. Juni sind es dann mindestens 22.990 Euro. Bei der Top-Version Comfort, die wir gefahren sind, sind es 24.990 Euro beziehungsweise 30.990 Euro. Spätestens dann schwimmt der „Delfin” wieder mit den anderen Stadtstromern wie dem Citroën ë-C3 mit. 

Die Basis ist mehr was für urbane Lieferdienste

Zum Beispiel hat nur die Comfort-Variante LED-Scheinwerfer. Bei den Active und Boost sind klassische Halogen Lichter verbaut. Schnell sein lohnt sich also. Zumal der rollende Meeressäuger vor allem in der Comfort-Variante mit jeder Menge Ausstattung kommt. Bei der Basisversion „Active“ bietet BYD allerdings lediglich eine Batterie mit einer Kapazität von 30 Kilowattstunden und einer daraus resultierenden WLTP-Reichweite von 220 Kilometern an. Der Motor leistet 65 kW / 88 PS. Also eindeutig ein Auto für urbane Lieferdienste.
 

Das BYD-Markenzeichen, der drehbare Monitor, ist bei allen Versionen enthalten. Beim Dolphin ist der Touchscreen 10,1 Zoll groß, was völlig ausreicht. Genauso wie das Fahrer-Display, das alle nötigen Informationen bereitstellt. BYD bietet im Dolphin sogar eine Sprachbedienung an. Wer möchte, kann sein Smartphone mit Apple CarPlay oder Android Auto einbinden. Die V2L-Funktion (Vehicle to Load) ist klasse, da man auch Haushaltsgeräte anschließen kann. Passt also. 

Für einen Vier-Meter-Stromer viel Platz

Das gilt auch für das Schöner-Wohnen-Kapitel. Neben dem unvermeidlichen Hartplastik, das auch bei deutschen Premiumherstellern zu finden ist, bietet das Interieur auch unterschäumte Flächen und vor allem jede Menge Platz. In dem 3,99 Meter langen Stromer finden vier Erwachsene problemlos Platz. Das liegt auch an dem Radstand von 2,50 Metern. Selbst der Kofferraum mutiert mit einem Fassungsvermögen von 388 Litern nicht zu einem besseren Handschuhfach. Legt man die Lehnen der Rücksitze um, wächst das Volumen auf 1.037 Liter. Allerdings entsteht dann eine Stufe, die Ladekante bleibt unverändert hoch und die Ladeluke immer noch ziemlich klein. Apropos: Aufgrund der steil ansteigenden Schulterlinie ist die Übersicht nach seitlich hinten alles andere als gut. Beim Spurwechsel und Abbiegen hilft der gute alte Schulterblick.

Guter Verbrauch

Manchmal will man auch mit einem Stadtstromer auch längere Strecken zurücklegen. Vor allem, wenn er derart geräumig ist. Nur bei der Comfort-Variante ist die 43,2 Kilowattstunden-Batterie mit dem 115 kW / 156 PS Motor kombiniert. Das reicht immer noch für 310 Kilometer mit einer Akku-Ladung gemäß dem WLTP-Zyklus. Bei uns meldete der Bordcomputer nach einer entspannten Fahrt durch Berlin bei einem Ladestand von 90 Prozent noch eine Reichweite von 280 Kilometern. Der Verbrauch pendelte sich bei guten 12,6 kWh/100 km ein. Beim Stromtanken gibt der Dolphin Surf ein zwiespältiges Bild ab. 

Lahm beim Laden

Das verwundert etwas, da der Stromer auf der e-Plattform 3.0 basiert und mit den BYD-Blade-Akkus bestückt ist. Also gelten auch im Reich der Mitte die Gesetze der Marktwirtschaft und man kann nicht wahllos teure Top-Bauteile in ein Auto stecken. Schon gar nicht, wenn es in einem preissensitiven Segment positioniert ist.  Während die AC-Ladeleistung von 11 kW absolut in Ordnung ist, sind die maximal 85 kW bei einer DC-Schnellladesäule doch eher mäßig. Immerhin sind nach 30 Minuten die Energiespeicher von zehn auf 80 Prozent gefüllt. Immerhin bietet der BYD Dolphin Surf in der Basisversion DC-Stromtanken an. Anders als etwa der Renault R5.

Mehr Power braucht kein Mensch

Beim Dolphin Surf stehen drei Fahrmodi zur Auswahl: Eco, Normal und Sport. Wir haben alle durchgetestet und uns im Stadtverkehr meistens mit Eco begnügt. Was völlig ausreichend ist. Kitzelt man mit der Sport-Einstellung alles aus dem Antriebsstrang heraus, sprintet der 1.390 Kilogramm schwere BYD-Stadtfloh in 9,1 Sekunden von null auf 100 km/h und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 150 km/h. Mehr Power braucht kein Mensch. Zumal die Sitze den Fahrer ohnehin nicht besonders entschlossen fixieren. Was aber ok ist, denn der Dolphin Surf ist schließlich kein Sportwagen. Was dagegen schon etwas mehr auffällt, ist das Gripniveau der 16-Zoll-Vorderreifen. 

Traktion gesucht, im Sport-Programm

Wenn man im Sport-Fahrprogramm an der Ampel ambitioniert beschleunigt, suchen die Gummis nach Traktion. Selbst bei trockenem Asphalt und sonnigen 22 Grad. Der BYD-Dolphin ist chinesisch typisch komfortabel abgestimmt. Allerdings reagiert das Fahrwerk bei kurzen Schlägen etwas unwirsch und hölzern. Solche Abstimmungsdetails könnten bald der Vergangenheit angehören, denn BYD plant die Eröffnung eines Entwicklungszentrums für Europa in Ungarn. Dann kann sich Maria Grazia Davino über eine Verbesserung freuen.

Wolfgang Gomoll; press-inform

Datenblatt BYD Dolphin Surf:

Typ: E-Kleinwagen

Motor: E-Motor

Hubraum (cm3): 156 (115)

Höchstgeschwindigkeit (km/h): 150

Beschleunigung 0-100 km/h (sek.): 9,1

Getriebe: Automatik

Antrieb: Vorderradantrieb

Tank (L): 43,2 kWh

Gewicht, Herstellerangabe (kg): 1.390

Abmessungen (L/B/H): 3.990 / 1.720 / 1.590 (L/B/H)

max. Ladevolumen (L): 308 bis 1.037

Preis (Euro): 24.990 bzw. 30.990

Basismodell (Euro): 19.990 bzw. 22.990