LKW

Farizon: Europäischer Marktausbau mit E-Vans

In immer mehr Märkten drängt die Geely-Tochter als neuer Player in den dicht besetzten Transportermarkt. Wie die Wettbewerber verspricht das Unternehmen niedrige Kosten, zuverlässige Technik und hohe Raum- und Energieeffizienz.

In Spanien erfolgte der Launch der beiden Modelle V6E (links) und SV bereits. | Foto: Farizon

Noch nimmt die Geely-Tochter Farizon nicht in Deutschland Fahrt auf, aber in immer mehr Euro-Märkten geht die neue Nutzfahrzeugmarke im Konzern an den Start. Die will vom Kleintransporter bis zum schweren Lkw ein alternativ angetriebenes, zumeist batterieelektrisches, aber im Truckbereich auch mit Methanol-Range Extender-Antrieben bestücktes Portfolio weltweit ausrollen.

Zur Birmingham Commercial Vehicle Show (29.4.-1.5.) sollen weitere Details zum Markteintritt folgen. Jüngst gaben die Chinesen etwa den Launch in der Tschechischen Republik, Serbien sowie in UK und in Spanien bekannt. Eine etwaige Überschneidung mit dem Portfolio oder Interessen der weiteren Geely-Nutzfahrzeugtochter LEVC (London Taxi) und deren ambitionierten Vanplänen wird vom Hersteller nicht thematisiert. Plausibel wäre, dass sich LEVC auf Personentransport und hier auch auf das wachsende Segment der Luxus-Shuttles fokussiert, mit Modellen wie dem L380.

Losgehen soll es bei Farizon jedenfalls gleich mit zwei Modellen in den populären Segmenten bis 2,8 und 3,5 Tonnen der Midsize und Large Vans, dem V6E und dem SV. Der V6E ist laut tschechischer Pressemitteilung ein Kompaktvan mit 2,7 Tonnen Gesamtgewicht, der trotz reinem E-Antrieb eine Nutzlast von 1.070 Kilogramm und ein Ladevolumen von sechs Kubikmeter bieten soll. Die Innenmaße des Kastenwagens liegen bei 2.800×1.730×1.320 mm (LxBxH), was von guter Raumausnutzung zeugt.

Hinterradantrieb im kleinen Van, kompakter Akku

Dafür soll auch ein platzsparender Hinterradantrieb sorgen, der sich aus einer kleinen 42-kWh-LFP-Batterie vom chinesischen Akkugiganten CATL versorgt. Die Reichweite beträgt damit laut WLTP 195 Kilometer sowie 265 Kilometer im WLTP City. So viel Vertrauen hat man in das Setup, dass man eine Garantie über 300.000 Kilometer und sechs Jahre gewährt, in der Tschechischen Republik.

Ausgestattet ist der E-Van mit einem Antirutschboden aus Aluminium, halbhoher Seiten- sowie Deckenverkleidung, standardmäßig 270 Grad öffnenden Hecktüren, in der Kabine einem 10-Zoll-Touchscreen mit Rückfahrkamera, einer Smartphone-Schnittstelle zum Datentransfern und beheizten sowie belüfteten Sitzen und Lenkrad. In der Tschechischen Republik startet das Modell bei etwas 29.000 Euro, ungefähr das Niveau eines Kia PV5 oder Ford E-Transit Courier, also durchaus eine Ansage.

Supervan kommt in sechs Karosserievarianten

Höher sortiert sich dann der als erstes Modell schon 2023 avisierte "Supervan" SV ein, der als klassischer 3,5-Tonner fungiert. Dieser wurde gestatet vom Renault Trucks Designer Hervé Bertrand und soll speziell für europäische Kunden zugeschnitten sein. In Sachen Sicherheit reklamiert der Hersteller schon mal einen Bestwert in Form des EuroNCAP Platinum-Rankings für das Fahrzeug. Der N1-Transporter soll eine breite Palette von Varianten bei Karosserie und Batterie bieten und die besten Nettonutzlastwerte seiner Klasse erreichen. So sind sechs Versionen erhältlich (L1-L3 und H1-H3) mit einer Außenlänge von 5 bis 6 Meter und Ladevolumina von 6,7 m³ bis 13 m³. Beim Supervan setzt man anders als im kleinen Modell auf Frontantrieb. Die Nutzlast soll von 1.480 kg (6,7 m³) bis 1.070 kg (13 m³) reichen, ein hoher Wert für ein vollelektrisches Fahrzeug. 

LFP- und NCM-Akkus

Das Gewicht will man durch fortschrittliche Batterietechnologie (LFP und NCM) und die sogenannte Drive-by-Wire-Plattform reduziert haben, bei der herkömmliche hydraulische und mechanische Systeme (etwa Lenkung, Bremsen und Drosselklappensteuerung) durch elektrische Drähte ersetzt werden. Dieser Ansatz soll die Anzahl der beweglichen Teile und das Gewicht erheblich reduzieren, nebenbei die Lenkpräzision und die Gesamteffizienz erhöhen. Man verspricht dadurch 15 Prozent weniger Energieverbrauch im Vergleich zu einer konventionellen Konstruktion.

Fünf Akkugrößen zur Wahl

Eine dichte Staffelung von Batterieoptionen soll die verschiedensten Anwendungen abdecken. Das Spektrum reicht von 49 über 66/67 kWh über 83 kWh bis hin zu einem langstreckentauglichen 106 kWh-Akku. So soll nicht nur der Stadteinsatz, sondern auch Überlandverkehr abgedeckt werden. Die Reichweite nach WLTP liegt je nach Batteriekapazität zwischen 200 und 359 km und zwischen 262 und 551 km in der Stadt, was umgerechnet jetzt noch nicht für übermäßige Effizienz des Antriebs spräche. 

Die allgemeine Garantie für das SV-Modell beträgt 5 Jahre oder 200.000 km, während die Garantie für die Batterie 8 Jahre oder 200.000 km beträgt. Im Interieur will man gemäß dem Geely-Anspruch hohe Qualität bieten und zudem praktische Gestaltung mit zahlreichen Ablagemöglichkeiten. 

Üppige Ausstattung

Zur Ausstattung gehören Ledersitze mit Heizung und Belüftung, ein beheizbares Multifunktionslenkrad und ein 7-Zoll-Instrumentendisplay. Die Mittelkonsole ist mit einem hochauflösenden 12,3-Zoll-LCD-Smart-Display ausgestattet, das Multimedia-Wiedergabe, Bluetooth, Smartphone-Verbindung und Schnelleinstellungen von Fahrzeugfunktionen unterstützt. Darüber hinaus ist ein AVM-Panoramamonitor vorhanden, der vier Videobilder zu einer Gesamtansicht kombiniert. Der Verkaufspreis des Fahrzeugs mit dem Laderaum von 6,9 m³ ohne Mehrwertsteuer beginnt bei knapp 41.000 Euro in der Tschechischen Republik. 

Nicht zuletzt verspricht der Hersteller die niedrigsten Gesamtbetriebskosten im Wettbewerb. Aber das versprechen neue Player wie Kia, Flexis oder Maxus auch, ganz zu schweigen von elektrisch bereits etablierten wie Ford. Entscheidend für den Erfolg dürfte ohnehin der Aufbau eines Service- und Vertriebsnetzes sein.