Bauma 2025: Wenn Baumaschinen zu Bots werden
Baumaschinen als Bots – was noch vor wenigen Jahren wie Zauberei klang, wird mehr und mehr Realität: So am Liebherr-Stand, wo man einmal mehr einen T264-Dumper hinstellte. Diesmal aber elektrisch und autonom fahrend.
Von der Piste in die Grube: Beim T264 ist Williams Advanced Engenineering mit an Bord
Kurzer Exkurs: Seine 3,2 MW-Batterie wurde von Fortescue Zero entwickelt. Bevor Fortescue Zero 2022 ein Teil von Fortescue wurde, adaptierte das zuvor als Williams Advanced Engineering bekannte Unternehmen für das Williams Racing Formula One Team entwickelte Technologien für andere Industriezweige. Die Ladepower? Statisch ist die gigantisch: Mit bis zu sechs Megawatt kann man den T 264 Battery Electric in weniger als einer Stunde vollständig aufladen! Man kann den Dumper aber auch an die „Ladeleine“ respektive –schiene legen und ihn dynamisch während der Fahrt laden, mit Liebherr Power Rail. Anders als bei herkömmlichen Oberleitungen schließt man den T264 dann seitlich an die Stromleitungen an. Das vereinfacht laut Liebherr die Installation und Wartung der Ladeinfrastruktur und soll sichere Kurvendurchfahrten ermöglichen. Der Hauptgrund für die Lösung liegt in Steigungen: Geht es beladen bergab und leer bergauf ist der T264 fast ein Perpetuum Mobilie, da er bergab mit viel mehr Gewicht sehr viel Strom rekuperieren kann, den er bei Bergauffahrt verbrauchen darf. Was aber dezente Umlaufgeschwindigkeiten bedingt. Soll es schneller oder beladen bergan gehen, erhöht das dynamisches Laden die Geschwindigkeit.
Das alles optional ohne Fahrer, denn das Exponat ist mit der Autonomous Haulage Solution (AHS) ausgestattet, einer Technik, die Liebherr mit Fortescue entwickelt – für die „Entwicklung eines emissionsfreien Ökosystems für Mining“. AHS hat ein Energiemanagementsystem, das die stationären Ladevorgänge für die Muldenkipper koordiniert und die optimale Auslastung der Ladeeinrichtung ohne Wartezeiten vor Ort sicherstellt. Die AHS soll laut Liebherr auch die Routen und Geschwindigkeiten der Trucks zu optimieren, um den Energieverbrauch zu reduzieren und sicherzustellen, dass die Trucks so effizient wie möglich eingesetzt werden können.
Der T264 agiert in der „Ultra Class“ – stellt dort aber eher das Baby!
Kurz zu den Fakten: Der T264 bietet bis zu 240 Tonnen Nutzlast und fährt damit in der „Ultra Class“ des Mining-Equipments – ist dort allerdings der „Kleinste“ der Familie – darüber rangieren noch T274 und T284, die aber nicht elektrisch. Der T264 Battery Electric wiegt leer 176 Tonnen und kommt so auf bis zu 416 Tonnen Gesamtgewicht! Zu den Leistungswerten schweigt sich Liebherr beim Stromer aus, aber der dieselelektrische Antrieb fährt 2.013 kW Leistung auf.
Nun ist der T264 während der Messe eher unbeweglich, weshalb wir ein paar Meter weitergehen, wo Liebherr ein „Planquadrat“ für Live-Demos kleinerer Fahrzeuge aufgebaut hat. Die autonom agieren – in dem Fall mit Raupe und Radlader – in dem digital fest abgesteckten Planquadrat kann man kann, was gemacht werden soll – und die beiden Bots in Baumaschinenform dann „schaffen“ lassen.
Man kann der Baumaschine einprogrammieren, was zu tun ist
Baumaschinennutzer aus Fleisch und Blut können aber einer raupe auch eingeben, in welchem Bereich was gemacht werden soll – zum Beispiel eine Böschung mit x Grad Winkel – und die Raupe agiert entsprechend. Womit der oder die Fahrende theoretisch auf die Daten aus einem Planungsbüro verzichten kann und das selbst programmiert – dann aber wissen sollte, was da genau eingegeben wird!
Komatsu zeigt einen mobilen Laderoboter
Wir gehen weiter und stoßen auf weitere derartige Shows und Produkte: Komatsu zeigte in der Halle einen Ladebot für die elektrischen Baufahrzeuge: Der Akku auf vier Rädern kann innerhalb der Baustelle autonom zu den Fahrzeugen fahren, die gerade Ladebedarf anmelden – und sie mit Strom versorgen, ohne dass diese groß zu einer Ladestelle fahren müssten. Womit sich unnötige Wege sparen lassen.
Im Außengelände wurde dann gebaggert: Mann oder frau können beim Baggern mit ihren Komatsus einen Startpunkt eingeben, dann den höchsten Punkt über den man heben muss und dann einen Abladepunkt. Diese Setpoints setzt man beim ersten Mal – ab dann baggert das Gerät allein – man muss nur darauf achten, dass das zu befüllende Fahrzeug, so es eines gibt, dann entsprechend mitzieht.
Und so geht das auch bei Teermaschinen, Rüttlern und Walzen weiter: man kann genau programmieren, wie dicht wo was wie gepackt werden muss und an diversen Parametern fein justieren und die Geräte machen dann einfach!
Auch Hidromek plant Autonomie mit Radladern und Walzenzügen ohne Kabine
Und nachdem es sich auf dem Bau meist um begrenzte, genau vorgegebene Areale handelt, kann man die auch als Datenwolke hinterlegen, damit einem das Gerät auch nur dort arbeitet. Auch bei Hidromek steht je ein Walzenzug HMK130CS und der Radlader HMK630WL ohne Kabine am Stand: Stattdessen sorgt dort geballte Steuertechnik aus Kameras, Lidar und Radar für digitale Rundumsicht. Auf dass uns die auch politisch erhalten bleiben möge!
Was bedeutet das?
Bots auf der Bauma? Ja und zwar nicht zu knapp – da Baustellen und Gruben in der Regel eng eingegrenzte Gebiete sind, kann man hier sehr gut autonom agieren (lassen). Dazu kann man mittlerweile digital exakt programmieren, was wie mit welchem Druck oder welcher Füllung wo gemacht werden soll. Mit KI könnte man eines Tages vielleicht einfach ein den Ort fahren, wo gebaut werden soll – dann eingeben, was wie gebaut werden soll – und dann planen und machen die Maschinen das allein…
Quellen: Bauma 2025, eigene Recherchen, Pressemitteilungen Hersteller