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Europ Assistance Mobilitätsbarometer: Langsam dreht sich was - weg vom Auto

Eine Umfrage unter 9.000 Europäern in neun Ländern ergibt einen allmählichen Umstieg auf umweltfreundlichere Verkehrsmittel und multimodalen Verkehr, auch vorm Hintergrund wirtschaftlicher Zwänge und politischer Unsicherheit in Sachen Verkehrswende. Doch noch dominiert das Auto, als Verbrenner.

Das Auto dominiert die Mobilität, aber langsam kommen in ganz Europa Alternativen auf, Rad, Fuß, ÖPNV und Carsharing. | Foto: dpa/Jan Woitas

Die Mobilität in Europa verändert sich grundlegend: So zumindest sehen es die Analysten des Mobilitätsbarometer 2025 von Europ Assistance und dem Marktforschungsunternehmen IPSOS. Demgemäß passen die Europäer ihre Mobilitätsgewohnheiten angesichts der sich abzeichnenden wirtschaftlichen Zwänge und Uneinigkeit in der ökologischen Debatte an. Seit dem Launch des ersten Mobilitätsbarometer 2023 befragt Europ Assistance die Europäerinnen und Europäer zu ihrer täglichen Mobilität und ihrer Einstellung zu alternativen Verkehrsmitteln. Einige wichtige Punkte zur Mobilität der Europäer: 

Privatfahrzeuge: Weiter wichtig

Das eigene Auto bleibt für viele Europäer weiterhin ein wesentlicher Bestandteil ihrer Mobilität (86 % der Europäer besitzen mindestens ein Fahrzeug). Die Vorliebe für elektrische und alternative Antriebe nimmt jedoch zu (13 % im Jahr 2025 gegenüber 10 % im Jahr 2023), wobei Hybrid- und Elektrofahrzeuge in einigen Ländern immer beliebter werden. 

Elektrofahrzeuge und sanfte Mobilität: Immer beliebter

Neben Elektrofahrzeugen werden auch sanfte Mobilitätslösungen immer beliebter. Immer mehr Europäer steigen auf nachhaltigere und kostengünstigere Alternativen wie Elektrofahrräder, öffentliche Verkehrsmittel, Carsharing oder Fahrgemeinschaften um. Bereits 60 % haben ihre täglichen Mobilitätsgewohnheiten umweltfreundlicher gestaltet. 

„Das Mobilitätsbarometer 2025 zeigt eine allmähliche Veränderung der europäischen Mobilitätsgewohnheiten. Zwischen umweltpolitischen Zielen, wirtschaftlichen Realitäten und Vorschriften, die die Akteure der Mobilität zu umweltfreundlicheren Technologien drängen, muss der Mobilitätssektor seinen Teil dazu beitragen, die Auswirkungen der kohlenstoffintensiven Mobilität auf den Klimawandel zu bekämpfen. Er muss Kunden bei der Energiewende begleiten, indem er beispielsweise psychologische Barrieren bei der Nutzung und Einführung von Elektrofahrzeugen abbaut", erklärt Pascal Baumgarten, CEO, Europ Assistance Northern Europe & Mobility.

    Das eigene Auto dominiert, aber es gibt neue Alternativen

    Auch wenn die Nutzung von Privatfahrzeugen weiterhin eine zentrale Rolle spielt, zeigt das Mobilitätsbarometer 2025 eine Veränderung bei den Kaufabsichten von PKW. 

    • Fahrzeuge mit Verbrennungsmotore (ICE) dominieren weiterhin den Markt für Pkw-Markt (86 %), aber Hybrid- und Elektroautos gewinnen in einigen Ländern an Beliebtheit (+ 2 Prozentpunkte bis 2024 für Plug-in-Hybride in Deutschland, Italien, Portugal und Spanien). In Deutschland besitzen 84 % der Befragten mindestens ein Auto, und 85 % wollen auch in Zukunft eines besitzen. Die Nutzung von Autos bleibt weiterhin sehr beliebt. 
    • Alternative Antriebe sind in Italien und der Schweiz besonders beliebt (21% bzw. 16% aller Antriebssysteme) und legen in Österreich und Spanien gegenüber 2024 um drei bzw. vier Punkte zu. 
    • 27 % der Europäer denken über den Kauf eines Elektrofahrzeugs nach (2023 waren es 31 %, 2024 29 %). Der leichte Rückgang deutet auf eine Stagnation des Marktes für Elektrofahrzeuge hin. Nachhaltige Mobilität durch alternative Verkehrsmittel 
    • Nur 14 % der Europäer wollen in Zukunft ihr Auto häufiger nutzen, während 16 % ihre Nutzung reduzieren möchten. 
    • Obwohl das eigene Auto nach wie vor das beliebteste Verkehrsmittel ist (84 % der Europäer nutzen das Auto), gewinnen nachhaltigere Verkehrsmodelle an Beliebtheit. 
    • In Deutschland erfolgt der Umstieg auf alternative Verkehrsmittel vor allem aus wirtschaftlichen Gründen: 40 % der Befragten geben an, dass sie über die Kosten besorgt sind, und 38 % befürchten Einschränkungen, in ihrer täglichen Mobilität. 
    • Die Studie zeigt, dass neben dem Zufußgehen (93 %) das Auto (80 %) an Werktagen zu den wichtigsten Verkehrsmitteln gehört. Zufußgehen und öffentliche Verkehrsmittel werden häufiger genutzt als noch vor fünf Jahren (35 % Zufußgehen, 33 % öffentliche Verkehrsmittel). Dieser Trend ist in Deutschland besonders ausgeprägt, wo das Zufußgehen (95 %) und die Nutzung des privaten Pkw (81 %) weiterhin die beliebtesten Verkehrsmittel an Werktagen sind.
    • In Spanien und Österreich gewinnen öffentliche Verkehrsmittel an Beliebtheit. In Spanien nutzen 59 % (+2 Punkte ggü. 2024) und in Österreich 72 % (+3 Punkte ggü. 2024) der Menschen sie täglich. 
    • In Deutschland sind Umweltgründe, Pünktlichkeit und Verfügbarkeit die Hauptgründe für die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel. Die Trends für 2025 zeigen ein starkes Wachstum bei elektrifizierten Soft-Mobility-Lösungen. 38 % der Europäer nutzen beispielsweise Elektrofahrräder häufiger als noch vor fünf Jahren, besonders in Frankreich, Belgien und Deutschland. 
    • Das wachsende Interesse an Versicherungen und Assistance-Dienstleistungen für Fahrräder und Mikromobilität zeigt die zunehmende Bedeutung dieser neuen Mobilitätsformen im Alltag. Mehr als die Hälfte der Fahrradbesitzer plant, solche Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen.

    „Mit der zunehmenden Verbreitung von Elektro- und Sharing-Mobilitätslösungen steigt die Nachfrage nach entsprechenden Versicherungs- und Assistance-Leistungen. Mehr als die Hälfte der Fahrradbesitzer ziehen Versicherungsoptionen in Betracht, was ein wachsendes Bedürfnis nach Sicherheit und Unterstützung bei der täglichen Mobilität widerspiegelt", analysiert Baumgarten.

    Einführung von Elektrofahrzeugen scheint sich zu verlangsamen: 

    Kosten als Hürde Auch wenn jeder vierte Europäer den Kauf eines Elektrofahrzeugs grundsätzlich in Erwägung zieht, ist das Interesse im Vergleich zum letzten Jahr insbesondere in Frankreich und Portugal leicht gesunken. Dies deutet darauf hin, dass stärkere Anreize und Verbesserungen der Infrastruktur notwendig sind, um die Mobilitätswende voranzutreiben. 

    • Das größte Hindernis für den Kauf eines Elektrofahrzeugs sind die Anschaffungskosten (51 %), gefolgt von Herausforderungen bei Ladestationen (26 %). 
    • E-Fahrzeuge werden hauptsächlich wegen der Kraftstoffersparnis (40 %) und aus Umweltgründen (35 %) gekauft. In Deutschland nannten die Befragten vor allem die Kraftstoffkosten (44%), Umweltgründe (39%), die Notwendigkeit, ein neues Fahrzeug zu kaufen (29%), staatliche Anreize für den Kauf eines Elektrofahrzeugs (26%) und die bessere Zugänglichkeit von Ladestationen (25%) als Hauptmotive. 

    „Unser Barometer zeigt deutlich, dass wirtschaftliche Faktoren die Hauptantriebskraft für Mobilitätsveränderungen sind. Ob sie nun auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen, Elektrofahrzeuge in Betracht ziehen oder sich für Carsharing entscheiden, die Kostenreduzierung bleibt die Hauptmotivation für die europäischen Verbraucher", meint Baumgarten.

    Multimodaler Verkehr: Hybrid- und Carsharing-Fahrzeuge neue Normalität? 

    Im Hinblick auf den Autobesitz zeichnet sich ein Mentalitätswandel ab: Im Jahr 2025 ist jeder dritte europäische Autobesitzer bereit, in Zukunft auf sein eigenes Fahrzeug zu verzichten. Besonders ausgeprägt ist dieser Trend in Spanien (45%, +6 Prozentpunkte gegenüber 2024), Italien (37%) und der Schweiz (38%). Im Jahr 2024 lag dieser Anteil noch bei 30%. Dieser Trend verfestigt sich auf europäischer Ebene und unterstreicht die zunehmende Bedeutung von Shared Mobility und hybriden Lösungen sowie des öffentlichen Verkehrs als praktikable Alternativen zum privaten Autobesitz. Die Studie zeigt einen wachsenden Trend, verschiedene Verkehrsmittel je nach Bedarf miteinander zu kombinieren. 

    • Die meisten Europäer nutzen eine Mischung aus Auto, öffentlichen Verkehrsmitteln und sanften Verkehrsmitteln wie Fahrrad, Roller oder Zufußgehen. 86 % fahren Auto, davon nutzen 54 % auch öffentliche Verkehrsmittel und 48 % das Fahrrad. Multimodale Mobilität ist weit verbreitet in Europa. o 68 % der deutschen Befragten gaben an, ein Fahrrad zu besitzen, 59 % ein konventionelles Fahrrad und 27 % ein Elektrofahrrad. Die Bereitschaft, konventionelle oder elektrische Fahrräder zu nutzen, ist im vergangenen Jahr jedoch gesunken (-10 Punkte für elektrische Fahrräder und -6 Punkte für konventionelle Fahrräder). 
    • Der Ausbau der multimodalen Infrastruktur und Mobilitätsplattformen erleichtert den Wandel. Verbesserte Infrastrukturen sind ein Hauptgrund (32 % der Befragten), um Fahrräder oder Standroller mehr zu nutzen.
    • Fahrgemeinschaften und Carsharing gewinnen weiterhin an Bedeutung, insbesondere in Spanien, Österreich und Portugal. In Portugal liegt der Anteil des Carsharings bei 31 %, was einem Anstieg von 5 Prozentpunkten gegenüber dem Jahr 2024 entspricht. In Österreich liegt dieser Wert ebenfalls bei 31 %, mit einem Wachstum von 4 Prozentpunkten verglichen mit 2024. 

    Methodik der Umfrage

    Die Umfrage wurde von Ipsos, einem internationalen Marktforschungsunternehmen, unter 9.000 Personen in neun europäischen Ländern durchgeführt: Belgien, Frankreich, Deutschland, Italien, Portugal, Spanien, Österreich, Tschechische Republik und Schweiz. Sie liefert wertvolle Erkenntnisse über die Mobilitätsgewohnheiten der Europäer. Der Erhebungszeitraum erstreckte sich vom 17. Dezember 2024 bis zum 13. Januar 2025. Die Entwicklungen (+x Punkte/-x Punkte), die mit den Ergebnissen für das Jahr 2024 präsentiert werden, basieren ausschließlich auf denselben acht Ländern, die sowohl im Jahr 2024 als auch im Jahr 2025 getestet wurden.