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VDA-Präsidentin warnt: Ohne Infrastruktur scheitern die Klimaziele

Europa will klimaneutral werden, doch die Automobilindustrie warnt: Ohne bessere Rahmenbedingungen und schnelleren Ausbau der Ladeinfrastruktur sind die CO2-Ziele nicht zu halten. Daher fordert der VDA eine Anpassung der Flottengrenzwerte und mehr Investitionen.

VDA-Präsidentin Hildegard Müller: „Laden muss günstiger sein als Tanken.“ (Foto: VDA)

Seit der Festlegung der CO2-Flottengrenzwerte in der Europäischen Union hat sich das wirtschaftliche und geopolitische Umfeld erheblich gewandelt. Die Automobilindustrie sieht sich vor zunehmenden Herausforderungen, insbesondere im Hinblick auf die Transformation zur klimaneutralen Mobilität. In einem Hintergrundgespräch kritisiert Hildegard Müller, Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA), die bestehenden Rahmenbedingungen und fordert Nachbesserungen bei der Regulierung.

Unterschätzte Herausforderungen und mangelnde Infrastruktur

Laut Müller wurde die Komplexität der Transformation zur emissionsfreien Mobilität politisch unterschätzt. Neben geopolitischen Verschiebungen, zunehmendem Protektionismus und wirtschaftlichen Schwächen in Deutschland und Europa fehle es an den notwendigen Rahmenbedingungen, um die ambitionierten Klimaziele zu erreichen. Besonders problematisch sei der schleppende Ausbau der Ladeinfrastruktur.

„In drei von zehn Gemeinden gibt es noch keinen öffentlichen Ladepunkt und mehr als sieben von zehn Gemeinden (71 Prozent) haben noch keinen öffentlichen Schnellladepunkt installiert“, so Müller.

Auch in der EU sei die Verteilung ungleich:

„58 Prozent aller Ladepunkte in der EU entfallen auf die Niederlande, Frankreich und Deutschland. Hamburg hat aktuell mehr Ladepunkte als die Slowakei oder Bulgarien, Hannover mehr als Slowenien.“

Hinzu komme die unzureichende Verfügbarkeit günstiger erneuerbarer Energie.

„Laden muss günstiger sein als Tanken“, fordert die VDA-Präsidentin.

Doch hohe Strompreise und stockender Netzausbau verhinderten eine rasche Elektrifizierung des Straßengüterverkehrs. Spediteure, die auf Elektro-Lkw umsteigen wollten, müssten mit jahrelangen Wartezeiten für Netzanschlüsse rechnen.

Kritik an der EU-Regulierung

Die Automobilindustrie hat Milliarden in Forschung und Entwicklung investiert, um klimaneutrale Fahrzeuge auf den Markt zu bringen.

„Um auch in Zukunft die besten, sichersten, effizientesten, digitalsten und klimafreundlichsten Autos zu bauen, investieren unsere Unternehmen in den Jahren 2025 bis 2029 global 320 Milliarden Euro allein in die Forschung und Entwicklung. Hinzu kommen etwa 220 Milliarden Euro in Sachinvestitionen, insbesondere in die Werke“, erklärt Müller.

Dennoch sieht sie eine massive Benachteiligung europäischer Hersteller im internationalen Wettbewerb.

„Eine Regulierung, die dazu führt, dass das Geld von Unternehmen möglicherweise aus Europa nach China und in die USA abfließt, damit hier eine Regulierung eingehalten wird – so etwas fällt einem nur in Europa ein.“

Müller fordert daher, dass die Flottengrenzwerte nicht isoliert betrachtet werden.

„Es reicht nicht, Elektroautos zu bauen, sondern es braucht gleichzeitig eine Stärkung des Verbrauchervertrauens, insbesondere durch eine geeignete Ladeinfrastruktur.“

Statt nur ambitionierte Ziele zu setzen, müsse die Politik für die notwendigen Rahmenbedingungen sorgen.

Forderungen der Industrie

Um die Transformation erfolgreich zu gestalten, spricht sich der VDA für eine pragmatischere Herangehensweise aus:

  • Die Überprüfung der CO2-Flottenregulierung für Pkw und Nutzfahrzeuge soll auf 2025 vorgezogen und regelmäßig politisch überprüft werden.
  • Ein schrittweises Einführen der Grenzwerte („Phase-In“) soll kurzfristige Belastungen für die Industrie reduzieren.
  • Strafzahlungen müssen in der aktuellen Marktlage vermieden werden, um Investitionen in Innovationen nicht zu gefährden.
  • Eine langfristige Technologieoffenheit sei essenziell, etwa durch die Anerkennung von Plug-in-Hybriden (PHEV) über 2035 hinaus und die Berücksichtigung erneuerbarer Kraftstoffe.
  • Carbon Neutral Fuels sollen als CO2-frei eingestuft werden, um alternative Antriebe zu fördern.
  • Eine Anpassung der Renewable Energy Directive, der Energy Taxation Directive und des Emissions Trading System 2 sei erforderlich, um CO2-Reduktionen realistisch zu steuern.

Fazit

Grundsätzlich, das betonte Müller ausdrücklich, seht die Automobilindustrie Klimaneutralität, sieht sich allerdings durch unzureichende Rahmenbedingungen ausgebremst. Ohne einen raschen Ausbau der Ladeinfrastruktur, eine bezahlbare Energieversorgung und flexiblere Regulierungen könnte Europa allerdings den Anschluss im globalen Wettbewerb zu verlieren – mit all den negativen Folgen die das nach sich ziehen würde. Die Politik sei also gefordert, so Müller, eine „Politik der Ermöglichung“ umzusetzen, statt die Industrie durch starre Vorgaben und Sanktionen weiter zu belasten.