Schwertransport: Rhenus entwickelt Schubleichter für Windenergieprojekte
Die Rhenus Gruppe hat in Zusammenarbeit mit dem Windkraftanlagenhersteller Enercon ein neues Binnenschiff entwickelt, das speziell auf den Transport überlanger Rotorblätter ausgelegt ist. Mit dem Bau des Schubleichters „Rhenus Berlin 1“ wollen die beiden Unternehmen den Transport schwerer Projektladungen von der Straße auf die Wasserstraße verlagern und so Engpässe auf überlasteten Verkehrswegen vermeiden.
Wie Rhenus mittteilt, handelt es sich um eine Maßanfertigung, die auf die Anforderungen von Enercon zugeschnitten wurde. Das Schiff besteht aus einem dreiteiligen Leichter und einer separat gekoppelten Antriebseinheit. Diese Kombination soll nicht nur eine flexible Handhabung, sondern auch die Passage durch begrenzte Schleusenkammern erleichtern – ein wichtiger Aspekt für den Einsatz im norddeutschen Kanalgebiet.
Mit einer Außenlänge von 100 Metern und einer nutzbaren Laderaumlänge von 92 Metern bietet der Prototyp den Angaben zufolge ausreichend Raum für zwei Rotorblätter der neuesten Enercon-Generation mit einer Länge von bis zu 86 Metern. Der erste Einsatz ist im Rahmen von Lieferungen des neuen Windanlagentyps E-175 EP5 geplant, der mit einem Rotordurchmesser von 175 Metern zu den größten Onshore-Anlagen Europas zählen dürfte.
David Schütz, Senior Project Manager bei der Deutschen Binnenreederei, einem Unternehmen der Rhenus Gruppe, sieht im Projekt eine direkte Antwort auf die Anforderungen des Marktes:
„Unsere jahrzehntelange Erfahrung in der Binnenschifffahrt und der Schwergutlogistik ist die Grundlage für dieses Projekt. Gleichzeitig zeigt es, wie schnell wir mit maßgeschneiderten Lösungen auf Kundenanforderungen reagieren können.“
Schütz verweist auf die hohe Auslastung der Straßeninfrastruktur, unvorhersehbare Sperrungen und die begrenzten Dimensionen vieler Schleusenanlagen. All das mache es notwendig, technische Sonderlösungen zu entwickeln, um die Binnenschifffahrt als verlässliche Transportalternative nutzbar zu machen. Die „Rhenus Berlin 1“ sei ein Beispiel für eine solche Lösung, die über den Einzelfall hinaus Potenzial habe.
Auch auf Seiten von Enercon ist das Projekt Teil einer langfristigen Strategie zur Umstellung der Logistik auf nachhaltige Transportmittel.
„Wenn es auf den Straßen eng wird oder Routen gesperrt werden, wollen wir alternative Transportmittel zur Verfügung haben, damit wir für unsere Kunden jederzeit die fristgerechte Belieferung ihrer Projekte sicherstellen können“, sagte Hendrik Peterburs, Vice President der Enercon Global Logistics.
Der Hersteller bereitet sich derzeit auf den Hochlauf seines neuen Topmodells vor, das in der Windenergiebranche große Erwartungen weckt.
Die Wahl der Wasserstraße ist für Enercon mehr als eine logistische Notlösung.
Peterburs betont: „Wir wollen unsere Lieferkette von der Produktion bis zur letzten Meile möglichst nachhaltig gestalten. Gemeinsam mit Rhenus entwickeln wir die passende Lösung für die anspruchsvollen Vorlauf-Transporte unserer Windenergiekomponenten. Mit dem neuen Schubleichter können wir nicht nur eine höhere Zuverlässigkeit durch weniger stauanfällige Routen gewährleisten, sondern auch die CO2-Emissionen im Vergleich zum Straßentransport senken.“
Der Bau des Schiffes erfolgt derzeit im Werfthafen Stettin. Dort wird aus drei Einzelsegmenten der Leichter zusammengesetzt. Die Fertigstellung ist noch für dieses Jahr geplant. Danach soll das Schiff unmittelbar in den operativen Einsatz gehen.
Für Michael de Reese, Leiter der Division Rhenus Port Logistics, ist die Verlagerung schwerer Transportgüter auf das Wasser ein logischer Schritt:
„Gerade im Bereich der Windenergie braucht es nachhaltige Lösungen entlang der gesamten Lieferkette. Mit unserer jahrzehntelangen Erfahrung im Bereich Schwerlastlogistik und der Anbindung an zentrale Hafenstandorte wie Cuxhaven bauen wir gemeinsam mit Partnern wie Enercon eine leistungsfähige und zukunftsorientierte Transportinfrastruktur für die Windkraftbranche auf.“