LKW

Fahrzeuglogistik im Gegenwind: Branche kämpft mit Rückgängen und Unsicherheit

Mehr als die Hälfte der Unternehmen meldet sinkende Transportvolumina – Investitionsbereitschaft geht zurück – ECG fordert Vertrauen in die Branche

Autoterminal Bremerhaven: Umschlagplatz für hunderttausende Fahrzeuge im internationalen Seehafenverkehr. (Foto: BLG)

Die europäische Fahrzeuglogistik steht unter Druck. Laut einer Pressemeldung des Verbands der Europäischen Fahrzeuglogistik (ECG) verzeichneten 51 Prozent der Unternehmen im ersten Quartal 2025 rückläufige Transportvolumina. Noch im zweiten Quartal 2023, als die Branche mit einer akuten Kapazitätskrise kämpfte, lag dieser Wert bei lediglich fünf Prozent. Eine rasante Verschlechterung der Marktlage, die sich auch in der Erwartungshaltung der Unternehmen widerspiegelt: Für die kommenden sechs Monate rechnet die Mehrheit nicht mit einer Besserung.

Die Gründe für diese Entwicklung seien vielschichtig, teilt der Verband mit. Er verweist auf Handelskonflikte, Inflationsrisiken und eine zunehmende politische Unberechenbarkeit als Unsicherheitsfaktoren, die die Investitionsfreude in der Branche dämpfen. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Während im Herbst 2024 noch 91 Prozent der Unternehmen neue Investitionen in Schiffe, Waggons und Lkw planten, sank dieser Anteil innerhalb von drei Quartalen auf nur noch 75 Prozent. Hauptursache ist laut dem Verband der rückläufige Optimismus in Bezug auf das künftige Transportaufkommen.

„Die Volumina gehen zurück und der Markt wird für Unternehmen zunehmend unsicher“, erklärt Wolfgang Göbel, Vorsitzender des ECG. „Wir müssen dringend das Vertrauen in die Branche wiederherstellen – insbesondere angesichts der anhaltenden geopolitischen Spannungen und Handelskonflikte.“

Der Verband warnt vor einem zunehmenden Pessimismus in der Branche. Erwarteten Anfang 2023 nur drei Prozent der Unternehmen eine negative Geschäftsentwicklung, liegt dieser Wert 2025 bereits bei 36 Prozent. Parallel dazu geraten auch die Automobilhersteller unter wirtschaftlichen Druck. Eine gewisse Entlastung verspricht die Entscheidung der EU, den Herstellern einen zeitlichen Aufschub bei der Erreichung der CO2-Emissionsziele für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge zu gewähren. Die Frist für die Umsetzung wurde um drei Jahre verlängert.

Als Reaktion auf die wirtschaftliche Gesamtlage hat die Europäische Kommission mehrere politische Initiativen auf den Weg gebracht. ECG nennt in seiner Mitteilung unter anderem den „Kompass für Wettbewerbsfähigkeit“, den „Deal für eine saubere Industrie“ und das sogenannte „Omnibus-Vereinfachungspaket“. Für Göbel ist jedoch klar:

„Der geschäftliche Optimismus unter unseren Mitgliedern ist auf einem historischen Tiefstand angekommen. Diese politischen Rahmenwerke können nur wirken, wenn die Unternehmen Vertrauen in sie haben und das Gefühl bekommen, tatsächlich unterstützt zu werden.“

Im Zentrum der ECG-Generalversammlung und Frühjahrstagung, die am 22. und 23. Mai in Cascais (Portugal) stattfindet, steht daher die Effizienzsteigerung in der Fertigfahrzeuglogistik. Insbesondere der Einsatz künstlicher Intelligenz soll helfen, Prozesse stabiler, widerstandsfähiger und kosteneffizienter zu gestalten.

Auch das Thema Klimaschutz bleibt auf der Agenda. Die Branche verfolgt weiterhin das Ziel der CO2-Neutralität. ECG hebt in diesem Zusammenhang das Potenzial eines „Green Cost Calculators“ hervor. Dieses Instrument soll CO2-Einsparungen transparenter machen und die Nachhaltigkeit von Investitionsentscheidungen besser messbar gestalten.

Trotz der angespannten Lage gibt sich der Verband kämpferisch. Die Branche sei sich der Herausforderungen bewusst, heißt es in der Mitteilung, wolle aber aktiv an Lösungen mitwirken – technologisch wie politisch. Entscheidend sei, dass die Unternehmen nicht den Glauben an die Zukunftsfähigkeit des Sektors verlören.