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Aira-Umfrage: Kaum Bewusstsein zu CO2-Preisen - fossile Mobilität kommt teurer

Steigende CO₂-Preise: Heizen und Fahren wird teurer. Doch kaum jemand ist vorbereitet, im Wahlkampf verschlossen die künftigen Regierungsparteien Union und SPD die Augen. Ab 2027 könnte der Spritpreis auf 2,20 steigen, bis 2045 auf drei Euro. Die Strompreise sollen dagegen sinken.

Ahnungslos: Die meisten Deutschen sind schlecht darüber informiert, dass fossile Heizung und Mobilität bald deutlich teurer wird. | Foto: Zukunft Erdgas/Kai Bublitz

Eine repräsentative Umfrage des schwedischen Clean-Energy-Tech-Unternehmen Aira hat jetzt gezeigt, dass viele Menschen in Deutschland bislang nur ein vages Bild davon haben, was die kommenden CO₂-Preisregelungen für ihre Heizkosten bedeuten könnten. Mit der Neuausrichtung des EU-Emissionshandels ETS II steigen ab 2027 die Kosten für fossile Energieträger wie Gas und Heizöl deutlich. Fachleute erwarten einen CO₂-Preis von bis zu 300 Euro pro Tonne – vergleichbar mit den Energiepreisspitzen von 2022. 

Ab 2027 wird der Emissionshandel in der EU auf Gebäude und Verkehr ausgeweitet. Zwar gibt es bereits heute in Deutschland einen festen CO₂-Preis auf Heizöl, Erdgas oder Kraftstoffe – doch künftig wird der Preis nicht mehr staatlich vorgegeben, sondern am Markt durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Als zentrales Instrument der EU-Klimapolitik soll der CO₂-Preis so auf marktwirtschaftliche Anreize statt auf Verbote setzen, um den Ausstoß von Treibhausgasen zu senken. Die mangelnde Vertrautheit mit diesem System könnte es den Haushalten erschweren, sich auf absehbare Mehrkosten individuell vorzubereiten. 

Mobilität: Fossil wird es viel teurer

In der Mobilität hat jüngst das Mercator-Forschungsinstitut vorgerechnet, wie sich fossile Mobilität dadurch verteuern könnte: Der Liter Benzin oder Diesel könnte schon ab 2027 auf 2,20 Euro steigen, bis 2045 dürfte er bei drei Euro liegen. Für einen Haushalt wären das enorme Belastungen, für ein Verbrennerauto würde ein Rentner CO2-Kosten von etwa 7.000 Euro gewärtigen müssen, für Familien wären es 12.000 Euro. Wobei die Zahlen nur eine Orientierung geben können und unter der Voraussetzung gelten, dass die Politik keine weiteren Maßnahmen neben dem CO2-Preis ergreift. 

So könnte sie etwa die Wärmepumpen weiter fördern oder die Flottenziele beibehalten sowie den Strom verbilligen, wodurch die Emissionen sänken und damit auch die Preise für CO2-Zertifikate. Im Koalitionsvertrag findet sich trotz der Ablehnung des Gebäudeenergiegesetzes ein Bekenntnis zur Förderung klimafreundlicher Heizanlagen oder auch zu Vergüngstigung von Strompreisen. Vom kompensatorisch auszubezahlenden Klimageld der Ampel-Koalition ist allerdings keine Rede mehr.

Unzureichend vorbereitet

Die Mehrheit der Bevölkerung ist auf diese Entwicklung unzureichend vorbereitet. Nur 5% der Deutschen schätzen die jährlichen Mehrkosten durch den CO₂-Preis im Rahmen des abgefragten Heizszenarios realistisch ein. Die meisten bleiben deutlich darunter. Rund ein Drittel möchte handeln, hat aber das Gefühl, es nicht zu können – ein Hinweis auf praktische, soziale oder finanzielle Hürden. 

Menschen sind handlungsbereit, aber nicht -fähig

Besonders Menschen mit geringerem Einkommen sind häufiger handlungsbereit, aber fühlen sich eingeschränkt. Knapp 20% können die Kosten gar nicht schätzen – ein Zeichen mangelnden Detailwissens. Viele wissen vom CO₂-Preis – kaum jemand genaues Zwar haben viele Deutsche schon von CO₂-Preisen gehört, aber Detailwissen darüber ist selten. 35% kennen keine Details zur anstehenden Neuausrichtung des CO₂-Preises und 23% haben noch nie davon gehört.

Mehrheit der Deutschen unterschätzt mögliche Mehrkosten 

Die finanziellen Folgen der kommenden CO₂-Bepreisung werden von der Bevölkerung unterschätzt. Ein realistisches Szenario für 2030 – basierend auf einem CO₂-Preis von 200 bis 300 Euro pro Tonne – würde für ein durchschnittliches Einfamilienhaus mit Gasheizung jährliche Mehrkosten von bis zu 1.400 Euro bedeuten. Doch nur 5% der Befragten schätzen diesen Betrag entsprechend ein. Die Mehrheit bleibt deutlich darunter: 23% erwarten weniger als 500 Euro, 33% liegen zwischen 500 und 800 Euro, während sich knapp 20% eine Schätzung gar nicht zutrauen. Zwar bewegt sich das zugrunde liegende Szenario im oberen Bereich wissenschaftlicher Prognosen, es soll jedoch bewusst aufzeigen, welche Belastungen bei ausbleibendem Klimaschutz realistisch möglich sind. 

Politische Weichenstellungen entscheidend

Klar ist: Die tatsächlichen Kosten für Verbraucher:innen hängen auch von politischen Weichenstellungen ab. Entlastungen wie das diskutierte Klimageld oder sozial gestaffelte Ausgleichsmodelle werden zwar erwogen – doch wie genau der Übergang gerecht gestaltet werden soll, ist bislang offen. Klimakosten treffen nicht alle gleich – viele wollen handeln, können aber nicht Viele Menschen sehen zwar grundsätzlich die Notwendigkeit zum Handeln – doch oft fehlt ihnen die Möglichkeit.

Der CO₂-Preis erfordert tragfähige Lösungen 

Die Umfrage zeigt: Trotz wachsender Sensibilität für steigende Klimakosten fehlt es vielen Menschen an konkretem Wissen, realistischen Einschätzungen und umsetzbaren Optionen. Damit der CO₂-Preis seine klimapolitische Wirkung entfalten kann, ohne soziale Schieflagen zu verschärfen, braucht es verlässliche politische Rahmenbedingungen und praxistaugliche Technologien, die dazu beitragen, die Lücke zwischen Wissen, Bereitschaft und Umsetzung zu schließen.