KEP-Dienste: Pakete mit immer kleinerem Fußabdruck
Die Kurier-, Express- und Paketdienste in Deutschland haben ihre Klimabilanz in den vergangenen Jahren deutlich verbessert – das zeigt die aktuelle Nachhaltigkeitsstudie 2025, die der Bundesverband Paket- und Expresslogistik (bpex) am 9. April in Berlin veröffentlicht hat. Trotz eines anhaltenden Sendungswachstums sei es der Branche gelungen, die Treibhausgasemissionen je Sendung seit 2016 um 22 Prozent zu senken, teilt der Verband mit. Das Wachstum sei damit vom CO₂-Ausstoß pro Sendung entkoppelt worden.
Laut bpex steigt die Zahl der transportierten Pakete weiter – allein seit 2016 um über 35 Prozent. Gleichzeitig konnte der verkehrliche Aufwand je Sendung – gemessen in Fahrzeugkilometern – um etwa 20 Prozent gesenkt werden. Dies sei ein Resultat effizienterer Fahrzeugnutzung, aber auch sinkender Paketgewichte. Derzeit wiegt ein durchschnittliches Paket 4,6 Kilogramm. Nur rund 2,5 bis 3,5 Prozent der Sendungen bringen mehr als 20 Kilogramm auf die Waage. Diese Entwicklung reduziert laut dem Verband nicht nur den Kraftstoffverbrauch, sondern verbessere auch die CO2-Bilanz jedes einzelnen Transports.
Elektrifizierung auf der letzten Meile schreitet voran
Die größten Potenziale zur Emissionsreduktion sehen die Vertreter der KEP-Branche im Hauptlauf sowie auf der ersten und letzten Meile. Insbesondere auf der letzten Meile machen sich demnach Fortschritte bemerkbar: Mittlerweile fährt laut bpex fast jeder vierte Pakettransporter elektrisch – ein deutlicher Unterschied zum bundesweiten Durchschnitt, bei dem der E-Anteil bei unter drei Prozent liegt. Diese Umstellung sei, so heißt es, ein zentraler Baustein auf dem Weg zur angestrebten Klimaneutralität bis 2050.
Neben Investitionen in die Flotte setzt die Branche auf automatisierte Sortiertechnik und nachhaltige Gebäudekonzepte. Zudem werden alternative Zustelllösungen und eine engere Abstimmung mit den Empfängerinnen und Empfängern dazu beitragen, Wege und Emissionen zu verringern. Nach Angaben des Verbands lassen sich durch die Nutzung anbieteroffener Paketautomaten im Vergleich zur erneuten Haustürzustellung rund 20 Prozent CO2 einsparen.
Kritik an politischen Vorgaben
Der Vorsitzende des bpex, Marten Bosselmann, betont die Fortschritte der Branche:
„Der Paketmarkt wächst und gleichzeitig wird deutlich klimaeffizienter geliefert.“
Schon bis 2030 könne die Branche ein Drittel weniger Treibhausgasemissionen pro Sendung erreichen. Damit sei ein wesentlicher Beitrag zur Erreichung der Klimaziele des Verkehrssektors möglich.
Bosselmann fordert von der Politik jedoch bessere Rahmenbedingungen:
„Die neue Bundesregierung muss sicherstellen, dass wir diese Rolle weiterhin erfüllen können. Praxisferne Vorschriften – etwa willkürliche Vorgaben zu Paketgewichten – bremsen die unternehmerische Initiative der Branche.“
Stattdessen brauche es gezielte Unterstützung, etwa in Form einer Förderung der Leasingrate für E-Fahrzeuge.
Hintergrund zur Studie
Die vom Beratungsunternehmen KE-Consult Kurte&Esser im Auftrag des bpex erstellte Nachhaltigkeitsstudie beleuchtet die aktuellen Entwicklungen innerhalb der deutschen KEP-Branche. Im Fokus stehen dabei Strategien zur Emissionsminderung sowie der Fortschritt auf dem Weg zur Klimaneutralität.
Der Bundesverband Paket- und Expresslogistik vertritt rund 4.000 Unternehmen der Branche. Diese erwirtschaften derzeit einen Jahresumsatz von 26,5 Milliarden Euro, beschäftigen über 260.000 Menschen und transportieren jährlich mehr als vier Milliarden Sendungen.