LKW

Wie wird sich der Seefrachtverkehr 2025 entwickeln?

Lena von Fritschen, Director Market Intelligence bei Transporeon, kommentiert die aktuelle Entwicklung.

Derzeit bevorzugen die Reedereien wegen der anhaltenden Instabilität im Roten Meer weiterhin die Kaproute, die längere Transitzeiten bedeutet. Allerdings dürften alle Allianzen für den Fall, dass sich die Lage bessert, alternative Fahrpläne durch den Suezkanal vorbereitet haben. (Foto: Pixabay/Erich Wirz)

„Ende Januar ist ein entscheidender Zeitpunkt im Seeverkehr. Mit dem chinesischen Neujahrsfest und dem Start der neuen US-Regierung sind mögliche Störungen zu erwarten. Während das chinesische Neujahrsfest in der Regel einige Leerfahrten und einen vorübergehenden Rückgang des Volumens mit sich bringt, senken die großen Containerreedereien die Tarife im Kampf um Marktanteile. Die tatsächliche Auswirkung? Es ist mit einer eingeschränkten Verfügbarkeit von Schiffen für Exporte sechs bis acht Wochen später zu rechnen, vor allem in Europa, mit Verzögerungen gegen Ende März und Anfang April aufgrund der längeren Routen über das Kap.

Schwankungen bei Transitzeiten und Routings möglich

Das chinesische Neujahrsfest ist auch der Auslöser für die Neugestaltung von Schifffahrtsallianzen. Der übliche Rückgang der Volumina ist eine gute Gelegenheit für die Reedereien, ihre Schiffe umzuplanen, die Fahrpläne anzupassen und die internationalen Schifffahrtsdienste neu auszurichten. Diese Neuausrichtung kann zu kurzfristigen Schwankungen bei den Transitzeiten und der Routings führen, da die Reedereien ihre Abläufe feinabstimmen. Die positiven Auswirkungen werden sich erst mit der Zeit bemerkbar machen.

Suez oder Kap der guten Hoffnung?

Und dann ist da noch der Suezkanal. Derzeit bevorzugen die Reedereien wegen der anhaltenden Instabilität im Roten Meer weiterhin die Kaproute, die längere Transitzeiten bedeutet. Allerdings dürften alle Allianzen für den Fall, dass sich die Lage bessert, alternative Fahrpläne durch den Suezkanal vorbereitet haben. In diesem Fall sollten die Verlader mit einem zweischneidigen Effekt rechnen: kürzere Transitzeiten, aber auch ein intensiver Wettbewerb um das Volumen, der die Frachtraten möglicherweise nach unten drückt. Sobald die Verschiebung eintritt, müssen sie mit einem drei bis vier Monate andauernden Chaos rechnen, da die Fahrpläne und Hafenumläufe überarbeitet werden.

Komplexere Handelsspannungen zwischen China und den USA möglich

In der Zwischenzeit sorgen die anhaltenden Handelsspannungen zwischen China und den USA für ein neues Maß an Komplexität. Mit der neuen US-Regierung könnte sich ein geringeres Handelsvolumen sowohl auf die Preisgestaltung als auch auf die Kapazitäten auswirken, insbesondere wenn die USA der staatlichen chinesischen Reederei neue Beschränkungen auferlegen, was sich auf die Ocean Carrier auswirken und auch Europa in Mitleidenschaft ziehen könnte.

Proaktiver Ansatz nötig

Da auch in 2025 mit weiteren Störungen zu rechnen ist, sollten Verlader einen proaktiven Ansatz verfolgen, um sich besser an veränderte Marktbedingungen und Routenänderungen anpassen zu können. Beispielsweise kann die Umsetzung flexibler operativer Maßnahmen dazu beitragen, die Preisvolatilität zu bewältigen und Kapazitäten zu sichern. Durch anpassungsfähige strategische Planung und Preisbildungsmechanismen können Verlader Risiken mindern und die Stabilität in einem unvorhersehbaren Markt aufrechterhalten.“

Über Transporeon

Transporeon betreibt das größte globale Frachtnetzwerk bestehend aus mehr als 1.400 industriellen Verladern und Einzelhändlern sowie mehr als 150.000 Spediteuren und Logistikdienstleistern. Jeden Tag führt das Trimble-Unternehmen mehr als 110.000 Transporte auf seiner Plattform durch und bucht mehr als 100.000 Zeitfenster zum Be- und Entladen. Im Laufe eines Jahres werden über seine Plattform rund 55 Milliarden Euro an Fracht abgewickelt. Transporeon hat seinen Hauptsitz in Ulm und unterhält 20 Regionalbüros weltweit mit mehr als 1.400 Mitarbeitern in 25 Ländern.