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VM-Fahrbericht Voi E-Scooter V8: Besser schweben durch die Stadt

Multimodalität, die über dem Auto steht, das propagiert der Micromobility-Spezialist: Mit der neuen Generation E-Scooter, die gemeinsam mit Segway entwickelt wurde, will der Sharing-Pionier den Nutzerkomfort steigern - und den Anteil der beruflichen Fahrten erhöhen. Wir haben's ausprobiert.

Schweben mit Schweden: Der Micromobilty-Spezialist aus Stockholm hat die neue Generation seine E-Tretroller vorgestellt - und VM-Redakteur Reichel ließ sich die Chance nicht entgehen. Sein Fazit: Der beste V8 für diese Zeit! | Foto: HUSS-VERLAG
Schweben mit Schweden: Der Micromobilty-Spezialist aus Stockholm hat die neue Generation seine E-Tretroller vorgestellt - und VM-Redakteur Reichel ließ sich die Chance nicht entgehen. Sein Fazit: Der beste V8 für diese Zeit! | Foto: HUSS-VERLAG

Der Name ist schon mal sehr verheißungsvoll: V8. Wobei uns dieser V8 in der heutigen Zeit deutlich lieber ist als ein großvolumiges, laut brabbelndes Verbrennermodell. Der V8 von Voi ist flüsterleise und verfügt über einen äußerst "kleinvolumigen" Hinterradnabenmotor. Der bringt das ultraleichte Gefährt sehr flott und nahtlos auf Tempo 20, mehr ist nicht erlaubt für die sogenannten Elektroleichtfahrzeuge, beliebt vor allem bei Sharing-Providern wie dem schwedischen Branchenpionier Voi. Der will Potenziale der Leichtvehikel jetzt noch besser erschließen und launcht neben neuen E-Bikes, erstmals ein City-Pedelec mit kleinen Rädern, vor allem die neue Generation seines E-Tretrollers. Der wurde gemeinsam mit dem chinesisch-amerikanischen Spezialisten und Kickscooter-Pionier Segway entwickelt und soll die Gattung in Sachen Modularität, Nachhaltigkeit, Komfort und Robustheit in eine neue Liga befördern.

Erwachseneres Fahrwerk

Das Fahrwerk jedenfalls wirkt im direkten Vergleich mit dem Vorgängermodell bei unserer kurzen Testtour im Univiertel in München deutlich erwachsener, das Trittbrett breiter, die LED-Blinker besser sichtbar. Ein stabiler Taschenhaken am Hauptrohr erleichtert die Beförderung von Taschen. Auch die Konnektivität wurde verbessert, mit zwei Displays inklusive Infos zu Batteriestand, Geschwindigkeit und Blinkerstatus sowie dem mittigen Handyhalter, der das Smartphone sicher in den Griff nimmt. Das GPS-Tracking mit dem neuen IoT-Modul ist zentimetergenau und zeigt einem im Display an, wenn man sich in einer "Nichtabstellzone" befindet. In München wie in anderen Städten gibt es immer häufiger markierte Abstellbereiche, in die man die E-Mobile platzieren muss, sonst ist eine Rückgabe nicht möglich. Schäfer sieht dadurch zwar die Flexibilität des "Free Floating" leicht beeinträchtigt, aber die Ordnung und letztlich Akzeptanz deutlich steigert.

Bis zu 110 Kilometer Reichweite

Der erste Fahreindruck: Viel stabiler steht und schwebt man über den Dingen, speziell auch auf Kopfsteinpflaster macht das vorn weiterhin mit Federgaben ausstaffierte Leichtmobil eine steifere und komfortablere Figur, auch dank des vergrößerten Unterflurakkus und der breiteren und größeren 12-Zoll-Bereifung, die das Modell deutlich ruhiger auf der Bahn liegen lässt. Die Rekuperation hilft Energie zu sparen. Technisch vertrüge dieses Modell locker Tempo 25. 

Und: Es soll bis zu 110 Kilometer weit kommen, sprich, der Akku muss seltener getauscht werden, was Aufwände reduzieren soll. Generell sind die E-Scooter mit den winzigen Rädern eher ein Fall für kurze Strecken auf möglichst glattem Asphalt. Wer weite Strecken fährt und hier auch Kopfsteinpflaster passiert, der wählt besser eines der Voi-Pedelecs, die ebenfalls deutlich verbessert wurden. Abstellen geht auch leichter, der breitere Ständer lässt sich leichter ein- und ausklappen und bietet viel mehr Aufstandsfläche.

 

Erste und letzte Meile im Blick

Für Kurzstrecken, gerne auch die "erste und letzte Meile" zum ÖPNV taugen die E-Tretroller in jedem Fall bestens. Und der Anbieter verzeichnet eine stetige Zunahme der "professionellen" und eine Abnahme der reinen "Spaßfahrten", wie uns Voi-PR-Manager und Sprecher Tim Schäfer vor Ort erklärt. Er sieht grundsätzlich E-Scooter und E-Bikes auf dem Weg zu einer "ernsthaften" Mobilitätsalternative im Modal Split, speziell bei multimodalen Wegeketten. 

"E-Scooter-Sharing ist längst kein reines Freizeitangebot mehr. Über 50 Prozent unserer Nutzer:innen in Deutschland sind 35 Jahre oder älter, und die meisten nutzen E-Scooter als festen Bestandteil ihres Mobilitätsmixes. 37 Prozent der Nutzer:innen fahren mindestens mehrmals pro Woche", weiß Schäfer. 

Die Art der Nutzung habe sich in den letzten Jahren deutlich verändert: 2021 gaben noch über 40 Prozent der Nutzer:innen an, E-Scooter vor allem für Spaßfahrten zu nutzen, heute liege dieser Anteil unter 20 Prozent. Die Rolle als Pendlertransportmittel nimmt zu: 70 Prozent der Fahrten liegen in der Werkzeit zwischen 7 und 19 Uhr. Zudem steigt die Anzahl der Fahrenden über 45 Jahre, was zum Bild passt.

"Das zeigt, dass Mikromobilität zunehmend eine funktionale Rolle im Alltag übernimmt. Sie ist keine Eintagsfliege, sondern wird fester Teil der Mobilitätsroutine", ist Schäfer sicher.

Knapp die Hälfte der Nutzenden ersetzt mit einer E-Scooter- eine Autofahrt, will man in eigenen Umfragen ermittelt haben. In diesem Sinne wirbt der Anbieter vollmundig für "Multimodalität, die über dem Auto steht". Nach dem Dafürhalten der Schweden verbessert die Mikromobilität zugleich die Nutzung des ÖPNV. Je besser die leichten E-Mobile vor Ort eingebunden seien, desto nachhaltiger sei letztlich der Mobilitätsmix insgesamt.

In über 100 Städten aktiv

Die Schweden sind mit diesem Konzept mittlerweile über 100 Städten in zwölf Ländern aktiv, darunter 37 Städte in Deutschland, mit einer fünfstelligen Fahrzeugflotte. Seit dem Start in München im Jahr 2019 wurden über 10 Millionen Fahrten zurückgelegt, 2024 verzeichneten man über 20 Prozent mehr Fahrten als im Vorjahr. 

"Ein klares Zeichen, dass geteilte Mikromobilität in der Stadt immer stärker angenommen wird", meint Sprecher Tim Schäfer. 

Neben dem reinen Produkt setzt man für mehr "Ernsthaftigkeit" in der Nutzung auch auf "erzieherische" Maßnahmen. So gibt es in der App ein Sicherheitsquiz, eine Online "Ride Safety Academy" und regelmäßige Sicherheitsveranstaltungen. Ein Parkfoto dokumentiert in der App die korrekte Abstellung, eine "In-App-Navigation" leitet innerhalb der Voi-Applikation ans Ziel und ein Voi-eigener Algorithmus sorgt für Umverteilungen der Flotte, sodass sich Ballungen auflösen. Apropos: Die Nachhaltigkeit der Logistik rund um die Scooter will man mit Elektro-Transportern steigern. Nötigenfalls wird regelwidriges Verhalten auch sanktioniert von Verwarnung über Busßgelder bis hin zur Sperrung, wie es für vernünftigen Fahrstil und Parkverhalten ein Bonussystem gibt. Vandalismus bringt man konsequent zur Anzeige.

Lebenszyklus deutlich über zehn Jahre

Mit der Einführung des Voiager 8 in München ersetzt man nun die bestehende V4-Flotte. Die rund 4.000 Fahrzeuge werden innerhalb der nächsten zwei Wochen vollständig ausgetauscht. Aber natürlich bleiben die bisherigen V4-Modelle im Einsatz und werden in andere deutsche Städte umverteilt. Der Voiager 8 soll neue Maßstäbe in Effizienz und Haltbarkeit setzen, was letztlich auch auf die 2024 erstmals realisierte EBIT-Profitabilität des Unternehmens einzahlen soll. 

"Wir rechnen mit einer Lebensdauer von deutlich über 10 Jahren – mehr als doppelt so lang wie das aktuelle Modell in München (V4), das 2021 eingeführt wurde", wirbt Schäfer für die Entwicklung.

Womit man bei einem anfangs eher heiklen Punkt angelangt wäre: Die ersten E-Scooter-Modelle galten fast als Wegwerfprodukte, so kurz war ihr Lebenszyklus. Jetzt baut das Konzept neben deutlich höherer Robustheit auf Modularität der Teile, die separat getauscht und repariert werden können. Klar ist das Modell mit 36,5 Kilogramm deutlich schwerer und auch größer. Aber im Verhältnis zu vollelektrischen "City-SUV", wie sie von den Herstellern aktuell heftig beworben werden, ist jeder E-Scooter ein Floh. Der einen unter Umständen schneller ans Ziel bringt. Wie gesagt: "Multimodalität ÜBER dem Auto".