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Vier Buchstaben statt vier Ringe: So plant Audi seine China-Zukunft

Audi startet in China mit der Zweitmarke „AUDI“, die in Buchstaben ausgeschrieben wird. Und ändert dabei nicht nur das Logo, sondern Arbeitsabläufe und -umfänge. Alles unter dem Motto: In China für China.

Mit Schriftzug statt Ringen: In China startet Audi im August 2025 mit dem E5 seine Submarke "AUDI". | Foto: Audi
Mit Schriftzug statt Ringen: In China startet Audi im August 2025 mit dem E5 seine Submarke "AUDI". | Foto: Audi

Unser Kollege Sebastian Henßler von der Plattform „Elektroauto-News.net“ nahm einen Podcast mit Pirmin Reimeir, dem Lead Product Manager bei Audi auf. Wobei wir hier eigentlich „AUDI“ schreiben müssten, denn Reimeir arbeitet im Kooperationsprojekt mit SAIC Motors an der neuen Marke „Audi“ – mit vier Großbuchstaben statt vier Ringen.

Das Ziel: Den Markenkern „Vorsprung durch Technik“ bewahren, aber neu interpretieren. Die klassische Vier-Ringe-Marke bleibt in China weiterhin Synonym für Prestige und Status – vor allem bei Verbrennern. Die neue Schwestermarke richtet sich dagegen an eine jüngere, technikaffine Zielgruppe mit Lust auf digitale Features, intuitive Bedienung und frisches Design.

Der Ansatz: nicht länger deutsche Technologie in den Osten exportieren, sondern „In China, für China“. Entwicklung vor Ort, mit Fokus auf Geschwindigkeit, Nutzerzentrierung und passgenaue Lösungen. China ist schließlich unangefochtener Leitmarkt für E-Mobilität – rund zwei Drittel der weltweiten Verkäufe von New Energy Vehicles (NEV) finden hier statt.

In China dürfen die Entwickler jetzt „viel mehr ausprobieren“

Ein Beispiel für diese andere Denkweise ist der Audi Assistant – ein digitaler Avatar auf einem gebogenen OLED-Display. In Europa vielleicht ein nettes Extra, in China jedoch ein Muss. „Wir dürfen und sollen hier mehr ausprobieren, weil wir andere Kundenerwartungen bedienen müssen“, sagt Reimeir. Gleichzeitig bleibt die Fahrexpertise unantastbar:

„Unsere Experten für Quattro und Fahrwerksabstimmung sind direkt involviert – das Fahrerlebnis muss Premium bleiben, egal ob Buchstaben oder Ringe auf dem Auto stehen.“

Das „Beste aus beiden Welten“: Software aus China, Hardware aus Deutschland

Das Erfolgsrezept fasst er so zusammen: „The best of both worlds.“ Software, Services und Features aus China, Feinabstimmung in Europa. Die Zusammenarbeit funktioniert, weil in China Wissen offen geteilt und gemeinsam weiterentwickelt wird.

„Man arbeitet hier kooperativer. Das Ziel ist immer, gemeinsam größer zu werden – nicht, sich abzuschotten.“

Flachere Hierarchien, Abstimmungen per WeChat

Auch organisatorisch geht es anders zu: kürzere Entscheidungswege, flachere Strukturen, direkte Kommunikation – oft per WeChat. Was in China unkompliziert wirkt, wäre in Deutschland aus regulatorischen Gründen schwer vorstellbar. Dennoch fließen die Erfahrungen zurück nach Ingolstadt.

Die beiden Marken werden sich künftig klar unterscheiden – in Bildsprache, Social-Media-Auftritten und Produktnarrativen – ohne ihre gemeinsame Herkunft zu verleugnen. Reimeir erklärt:

„Beide Marken teilen sich Designkompetenz, Lichttechnologie und natürlich DNA wie Quattro – das ist wichtig für Glaubwürdigkeit.“

Auf dem Markt erscheinen bereits die ersten Modelle: etwa der vollelektrische E5 Sportback oder die B-Segment-Limousine A5L mit Verbrenner. Zwei Modelle, ein Segment – aber unterschiedlicher Fokus. Gemeinsam ist beiden, dass das komplette Design in Ingolstadt entstanden ist und sich dezent am wichtigen Sport-Quattro oder dem im nahen Beilngries einst entworfenen „E Legend“ orientiert. Reimeir merkt an:

„Der Ursprung bleibt sichtbar, auch wenn die Umsetzung chinesisch geprägt ist.“

Für Reimeir ist die Arbeit in China nicht nur ein Job, sondern ein Abenteuer:

„Es ist spannend, Teil eines Systems zu sein, in dem sich täglich so viel bewegt. Wo neue Konzepte schneller umgesetzt, Entscheidungen direkter getroffen werden und die Gesellschaft so digital funktioniert, dass ich eigentlich nur mein Smartphone brauche, um zu leben.“

Sein Fazit: Wer in China erfolgreich sein will, muss bereit sein, alte Muster loszulassen – ohne die eigenen Stärken zu vergessen:

 „In einem hyperkompetitiven Markt musst du dich auf das konzentrieren, was du richtig gut kannst – und gleichzeitig bereit sein, ganz neue Wege zu gehen.“

Und wie sieht dieser neue Weg jetzt konkret aus? Rosa! Gut, die Farbe heißt „Morning Haze“, aber NIE würde sich Audi einen solchen Lack in Europa trauen! „Morning Haze“ ist nämlich die Präsentationsfarbe des E5 – des ersten „AUDI“, der am 18.8.2025 in China an den Start geht und preislich unter den Audis mit Ringen positioniert werden soll. Er steht auf einer von Audi und SAIC gemeinsam entwickelten „Advanced Digitized Platform“. Sie ermöglicht die Elektronikarchitektur des AUDI E5 Sportback die nächste Generation von digitalen Fahrzeugfunktionen und Over-the-Air-Updates für sämtliche Fahrzeugsysteme. Die ADP ist in Chinas führende NEV-Lieferkette (New Energy Vehicle) integriert und bildet die Grundlage für eine neue Generation von modernen, ausschließlich in China hergestellten Fahrzeugen mit Elektroantrieb im Mittel- und Oberklassesegment.

Leistung? Von 200 bis 579 kW!

Der Audi E5 Sportback ist ein vollelektrisches Fahrzeug, das in vier Varianten mit Hinterrad- oder Allradantrieb (quattro) angeboten wird. Die verfügbaren Leistungsstufen betragen 220, 300, 425 und 579 kW. Die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h erfolgt in bis zu 3,4 Sekunden. Eine progressive Allradlenkung in Kombination mit adaptiver Luftfederung und kontinuierlicher Dämpferregelung soll sowohl Fahrstabilität als auch Komfort unterstützen.

Die maximale Batteriekapazität liegt bei 100 kWh und ermöglicht eine Reichweite von bis zu 770 Kilometer nach chinesischem Zyklus, real dürften davon im worst case 400 plusminus x bleiben. Das 800-Volt-Ladesystem erlaubt es, innerhalb von zehn Minuten Strom für eine Strecke von rund 370 Kilometern zu laden.

Für die Sicherheit ist ein LiDAR an Bord

Das LiDAR-basierte System „Audi 360 Assisted Driving“ nutzt 29 Hardware-Komponenten: ein 100-Zeilen-LiDAR mit großer Reichweite, drei Langstrecken-Millimeterwellenradare, zwölf Ultraschallsensoren, elf Kameras sowie mehrere multimodale Sensoreinheiten. Diese Sensorik unterstützt Funktionen wie den adaptiven Geschwindigkeitsassistenten, der auf Autobahnen und in städtischen Verkehrssituationen eingesetzt werden kann, unter anderem bei Spurwechseln, beim Erkennen von Ampeln oder beim Umfahren von Hindernissen. Für den chinesischen Markt wurden die Systeme so erweitert, dass sie auch in Szenarien mit hohem Anteil an Zwei- und Dreirädern, spielenden Kindern und Nachtfahrten eingesetzt werden können.

Und ein Parkassistent unterstützt beim Einparken in parallel, schräg oder quer angelegte Parkflächen. Die Memory-Parkfunktion ermöglicht es, das Fahrzeug automatisch in zuvor gespeicherte Parkpositionen zu navigieren, beispielsweise in Tiefgaragen oder Parkhäusern. Für die Jahre 2026 und 2027 sind zwei weitere vollelektrische „AUDI“-Modelle für den chinesischen Markt angekündigt.

Was bedeutet das?

Auch Audi gilt in China als „ausländische altmodische“ Marke. Was tun? Während sich manche Hersteller mit ganz neuen Marken versuchen oder Buick das traditionelle Label „Electra“ als neue Marke mit klassischem Bezug etablieren möchte, bleibt „Audi“ einfach „AUDI“ – ausgeschrieben mit vier Buchstaben statt vier Ringen. Man darf gespannt sein, ob das goutiert wird.

Quellen: Audi, Elektroauto.News.net