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Test Renault Scenic E-Tech 220: Luxuslimo statt Minivan!

Der Scenic tritt als E-Tech ganz anders auf wie als Verbrenner: Als schwarze Chauffeurslimo statt praktischer Minivan.

Schwarze Chauffeurslimousine: Der Scenic E-Tech bietet vor allem im Fond viel Platz. | Foto: G. Soller
Schwarze Chauffeurslimousine: Der Scenic E-Tech bietet vor allem im Fond viel Platz. | Foto: G. Soller

Tschüss Minivan, willkommen CUV oder sollen wir besser sagen: Chauffeurslimousine? Der neue Scenic darf als großer elektrischer Bruder des Megane gelten, der vor allem mit deutlich mehr Platz im Fond punktet. Auf 4,47 Metern Länge bietet vier fahrenden Größen um die 1,9 Meter genug Platz, dazu kommt ein ordentlicher Kofferraum, der sich von 545 auf 1.670 l erweitern lässt. Tatsächlich passt auch ein 2,3-Meter-Christbaum oder ein 2,3-Meter Ikea-Schrank in den Scenic. Womit sich immer tolle „Szenen“ abspielen: Renaultfahrer mit Kompaktwagen wollen groß laden: Legen vorn um, öffnen die Heckklappe und schieben rein! Passt! Oder öffnen Fondpassagieren die Tür, die sich dort lümmeln können wie in einer Luxuslimo! Nur, dass es halt ein nicht mal 4,5 Meter kurzer Kompakter ist.

Grundsätzlich sieht der Franzose gut aus und gönnt sich beim Tagfahrlicht und den Sounds durchaus einige Extravaganzen – zu denen auch DREI Lenkstockhebel rechts gehören: Neben dem Fahrwählschalter findet man dort den Scheibenwischerhebel und den typischen Audiobediensatelliten – an all das gewöhnt man sich schnell. Aber im Vergleich zu R5 und R4 könnte er grundsätzlich auch asiatischer Herkunft sein.

Bei Navi und Infotainment tat sich viel

So freut man sich über eine auch sonst eingängige Bedienung und ein verständiges und schnell rechnendes und routenplanendes Navi samt abermals verbessertem Sprachverständnis. Hier machte Renault einen großen Schritt. Angenehm auch, dass man das Bimmeln des Tempolimits einfach per zweifachem Tastendruck Wegbestätigen kann und Renault auch bei der Haptik nicht gespart hat – alles wirkt gekonnt gestaltet mit einer Prise Individualität – so soll es sein! Umso mehr wundert es uns, wie selten die Renault-Stromer bisher blieben, warum nur? 2024 konnte Renault vom elektrischen Scenic 1.665 Einheiten zulassen, womit er weit entfernt ist von der Verbreitung seiner Vorgänger oder der elektrischen Zoe. Er liegt hier eher gleichauf mit dem ebenfalls seltenen Topmodell Raffale.

Die Fahrerbewertung? Sehr streng!!!

Es liegt sicher nicht am freudigen Antritt und Fahrprogrammen, die sich wirklich unterscheiden – und die Power im Eco-Mode ordentlich zurückschneiden. Aber selbst wenn man sich damit extrem zurückhält, macht einem der gestrenge Fahrbewertungsassistent gern bei jedem Beschleunigen an der Ampel eine „Szene“. Auf der Autobahn sollte man sich seiner Meinung nach mit maximal 90 km/h in den Windschatten eines Lkw klemmen, um volle Punktzahl zu erhalten.

Auch hier wieder: Sehr hohe Ladeverluste

Was wir angesichts der Ladeverluste ohnehin machen würden, denn auch hier gleicht er dem einst getesteten elektrischen Mégane. Der auf der Testrunde einen nur durchschnittlichen, aber keinen exorbitanten Verbrauch meldete, dann aber mit Ladeverlusten wirklich viel Strom zog. So viel, dass wir an eine falsche Anzeige unserer Ladesäule glaubten! Die auch dieses Mal wieder einen viel höheren Stromkonsum meldete, als der Scenic anzeigte! Klar, wir testeten ihn im Winter, in dem die Verbräuche ohnehin immer höher sind, aber mit 26,11 kWh/100 km lag er auf dem Niveau deutlich größerer und stärkerer Stromer – hier muss Renault unbedingt nachbessern! Zumal er als getestete Topversion mit 52.100 Euro auch nicht günstig ist. Was ihm auch unsere Kostenrechnung dezent verhagelte.

Die Garantie fällt mit zwei Jahren durchschnittlich aus, das Serviceintervall mit einem Jahr kurz – oder 30.000 km, was in Ordnung ginge. Auf den Akku gibt Renault die üblichen acht Jahre oder 160.000 Kilometer.

Innen haben vor allem die Fondpassagiere viel Freude

In Sachen Innenraumvariabilität bietet er nicht das komplette mannigfach verschieb- geteilt klapp- und neigbare Programm bis zur Babywanne dem Doppelbett, aber: Da man die Rücksitzlehnen dreifach geteilt umklappen kann (es bleibt dann je nach Bodenhöhe im Kofferraum eine Stufe), kriegt man so auch die eingangs erwähnten 2,3-Meter-Schränke oder Christbäume vergleichsweise einfach mit. Dazu gibt es Adapter für die ausklappbare Mittelarmlehne, dass man dort bequem fernsehen kann, kleine Handy-oder Kartentaschen an den Rücksitzlehnen der Vordersitze und eine – das wird mittlerweile gern weggespart – hochwertige Türverkleidung. Wobei der Fokus sich wie gesagt gewandelt hat: Denn der Scenic E-Tech ist jetzt eher flexible Chauffeurslimo denn multifunktionaler Van.

 

 

Und nachdem sich der Scenic auch im Design bei weitem nicht so viel traut wie R4, R5 und Co., bleibt er in der Summe seiner Eigenschaften am Ende etwas blass – zumal er sich ja nicht mal committen möchte, was er eigentlich sein will: Raumnutzer ja, aber bloß kein Minivan, eher Limo. Optisch interessant und dezent hoch bauend, aber bloß kein SUV, sondern – was?

Klar, aktuell kann man mit gewagten „Szenen“ in Sachen Design ganz schön auf die Nase fallen. Aber beim Scenic fällt uns eher die typische Theaterszene ein, wo sich die Person auf der Bühne genau zwischen alle Stühle setzt – und dann am Boden landet. Was auch für Verbrauch respektive die Ladeverluste gilt. Hier würden wir Renault gern bitten, diese „Szene“ nochmal neu zu schreiben. Denn als geheime Luxuslimo spielt er ganz groß auf!

Was bedeutet das?

Der Scenic E-Tech sitzt ein bisschen zwischen allen Stühlen. Raumnutzend betrachtet, gehört er – sofern man zu viert oder notfalls auch zu fünft reisen will – zum besten Stromstoff, den man unter 4,5 Metern kaufen kann, aber der Verbrauch respektive die Ladeverluste fallen zu hoch aus – leider fährt er auch hier auf Luxuslimoniveau…

 

Renault Scenic E-Tech Electric 220 Daten und Messwerte:

Abmessungen:

LxBxH: 4.470 x 1.864 (o. Spiegel) x 1.571 mm

Radstand: 2.785 mm

Wendekreis: 10,9 m

Kofferraumvolumen: 545 - 1.670 l

Anhängelast gebr./ungebr.: 1.100 kg / 750 kg

Ladezeiten 87-kWh-Akku

2,3 kW: ca. 44 h 30 min.

11 kW: ca. 9 h 30 min.

150 kW DC 10-80%: ca. 30 min.

Fremderregter Synchron-Elektromotor

Fahrwerk: McPherson-Vorderachse, Mehrlenker-Hinterachse, Reifen: 235/45 R20

Max. Systemleistung kW (PS): 160 (218)/5.743-11.688/min.

Max. Drehmoment: 300 Nm/1.000 – 5.090/min.

Höchstgeschwindigkeit: 170 km/h

Messwerte:

Leergewicht Testwagen (inkl. 80-kg-Fahrer): 1.987 kg

Zuladung Testwagen: 454 kg

Elastizität 50-80/80-120 km/h (Kickdown Sport-Modus): 3,4/5,2 s.

0-60/80/100 km/h: 3,7/6,8/8,4 s

Geräusch 30/50/60/80/100/120 km/h:

48,4/50,4/51,3/55,7/56,8/58,9 dB(A)

Verbrauch:

Stadt                   25,31 kWh/100 km (13,3 g CO2)

Land                    22,48 kWh/100 km (11,8 g CO2)

BAB:                    27,94 kWh/100 km (14,7 g CO2)

Gesamt:             26,11 kWh/100 km (13,8 g CO2)

Kosten/km:        0,50 Euro

Preis Renault Scenic E-Tech Electric 220 iconic (Stand 1.2.2025)

Evolution 170 ab 41.400,- Euro brutto (34.789,92 Euro netto), Iconic 220 ab 52.100,- Euro brutto (43.781,51 Euro netto)