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Test Nissan Qashqai 1.5 VC-T e-Power: Very british!

Das Facelift hat den Charakter des Quashqai geschärft: Als VC-T e-Power Tekna + orientiert sich der im britischen Sunderland gebaute Testwagen ein bisschen an Bentley und Co.

Nissan will dezent nach oben: In edlem "Deep Ocean" wirkt der Qashqai sehr hochwertig. | Foto: G. Soller
Nissan will dezent nach oben: In edlem "Deep Ocean" wirkt der Qashqai sehr hochwertig. | Foto: G. Soller

Das Nissan den Quashqai in UK entwickelt hat und baut, sieht man unserem Testwagen in der Topausstattung Tekna + an: Das dunkle Metallic-grün heißt hier zwar nicht „british racing green“, sondern Deep Ocean. Aber innen sorgt abgestepptes Leder mit reichlich Microfaser, die optisch nah an Alcantara herankommt, für ein sehr feines Ambiente, das durchaus ein bisschen an Bentley erinnert. Dazu passt das glatte, knochige Lederlenkrad und das geräuschlose aber nachdrückliche Anfahren, sofern die Akkus genug Strom haben, auf den 1,5-Liter-Verbrenner zu verzichten. Man merkt, dass sich auch Nissan wie auch Mazda oder Peugeot aus der breiten Mittelklasse dezent nach oben strebt.

Hightec-Triple: Der Dreizylinder kann die Vedichtung von 8:1 bis auf 14:1 variieren

Was man beim Kaltstart bei zwei Grad leider nicht merkt, bei dem der Quashqai sich dann erstmal 26 l/100 km durch die Einspritzdüsen zieht und auch hier Bentley-Niveau bietet. Auf unserer Testrunde, die in der Stadt startet, dauert es etwas, bis der Spritdurst endlich einstellig wird, am Ende schaffen wir es aber dann wie erwartet und die magische Sieben-Liter-Grenze. Wie bei Stromern gilt auch bei Benzinern: Kaltstarts im Winter kosten erstmal viel Energie…und das obwohl der Qashqai sich sogar den Luxus verstellbarer Verdichtungsverhältnisse gönnt, die er zwischen 8:1 und 14:1 variieren kann. Läuft der Dreizylinder unter Volllast, regelt die Elektronik die Verdichtung aufs Mindestmaß zurück; im Schiebebetrieb oder beim konstanten Dahinrollen, wird die Kompression erhöht. Der Effizienz scheint es kaum zu helfen – aber weitere Vorteile sollen ja der leise und vibrationsarme Lauf sein, was für einen Dreizylinder gut gelang.

Über Land hat er sich dann warmgelaufen und surrt teils über längere Strecken leise vor sich hin – und das irgendwie stimmiger als es einst der X-Trail tat, der seinen Verbrenner zu seltsamsten Gelegenheiten anwarf: Etwa bergab oder OBWOHL man extra vom Gas ging, um Schwung mitzunehmen und entspannt ins nächste Dorf rollen wollte. Der Qashqai reagiert unserem Eindruck nach direkter auf Gespedallupfen – in der Regel schweigt der Motor dann und man kann sich am leisen Strömen freuen. Das klappt phasenweise sogar auf der Autobahn, sodass man ihn, trotz rein elektrischem Antrieb auf die Vorderräder - der Verbrenner dient hier nur zum akkuladen – relativ intuitiv fahren kann.

Die Federung findet dabei eine gelungene Mitte zwischen Komfort und Knackigkeit, während die Lenkung zwar leichtgängig, aber etwas arg synthetisch rückmeldet. Im Grenzbereich lässt ihn das ESP relativ lang stur geradeausschieben, bis es sich um ein dezentes Einbremsen bemüht. Das sind andere beim Gaslupfen deutlich eindrehfreudiger unterwegs – doch für den Normalbürger stimmt die Abstimmung.

Der Qashqai ist (sprach-)verständiger als sein Name

Zumal auch die Bedienung weitgehend gelungen ist mit einem guten Mix aus Sprachverständnis (Google sei Dank), letzten Tastern und etwas getouche. Er respektive „sie“ versteht auch teilabstrakte Ansagen, wie ich habe Hunger – worauf die weibliche Stimme feixend antwortet: „Wie wäre es mit xy gleich hier in der Nähe“ Auf unser „Nein“ schlägt sich korrekt kommunizierend vor „oder vielleicht yz oder nennen sie eine Zeilennummer.“ Anders reagiert Google bei „Mir ist kalt“: Dann kommt die Ansage: „Das Wetter ist wechselhaft, aber um sich nicht zu erkälten, empfehle ich Zwiebellook“. Wir antworten mit: „Erhöhe die Temperatur um zwei Grad“, was Quashqai sofort umsetzt.

Klassischer Radioknopf in der Mitte

Das Radio lockt mit blind bedienbarem klassischem Laut-Leise-Regler und Vor-Zurück-Tasten, alternativ habe wir unsere Playlists und Apps. Deren Inhalte das Premium Bose Sound System mit 10 Lautsprechern, zwei Hochtönern, sechs Hoch- und Mitteltonlautsprecher in den Türen und zwei Lautsprechern im Subwoofer klangvoll zur Geltung bringt – nur umhüllen kann es nicht so gut. Das Handy liegt quer in der Ladeschale, wird aber schnell warm. Alternativ gibt es leider in der Mittelkonsole zwei USB-C-Stecker.

Der Verbrauch enttäuscht am Ende: Viel Aufwand

Aber es ist laut genug, den immer wieder dezent beispringenden Benziner zu übertönen, der hier nicht haltlos heult, sondern gleichförmig turbinenartig hochdreht – und auch bei den Beschleunigungsmessungen mit Kick-Down im Sport-Modus sein turbinenhaftes Wesen behält. Und am Ende dann trotzdem überall großen Respektabstand zu den echten britischen mit Rautenstepp hält, die man mittlerweile als Plug-ins bei ganz zartem Gasfuß auch unter zehn l/100 km bewegen kann. Wir landeten am Ende unserer Testrunde bei eher enttäuschenden 7,4l/100 km, was wir mit einem Qashqai dci locker auch geschafft hätten – und müssen damit in Sachen reiner Energieeffizienz bezogen auf den Verbrauch für die reine Fahrt dem Rolls Royce Spectre klar den Vortritt lassen, der sich umgerechnet mit vier Litern plusminus x bescheiden kann.

Und mit ein paar Extras überschreitet mittlerweile auch der Top-Qashqai die einstige 100.000-D-Mark-Schwelle, die einst Bentley und Rolls Royce vorbehalten war. Weshalb wir hier eher zur mildhybridisierten Basis raten. Denn grundsätzlich ist der Qashqai ein echt geselliger Kumpel, mit dem man gern noch ein Bier länger im Pub bleibt – wo zu viel Etikette dann doch nur stören würde!

Was bedeutet das?

Der Nissan Qashqai hat mit dem Facelift erheblich an Charme gewonnen und strebt als Tekna+ nach Höherem. Auch antriebstechnisch treibt Nissan beim elektrifizierten Topmodell einen Riesenaufwand – vieles erinnert dezent tatsächlich an britische Luxusliner. Schade nur, dass auch der Verbrauch in deren Richtung tendiert.

Nissan Qashqai 1.5 VC-T e-Power Daten und Messwerte:

Abmessungen:

LxBxH: 4.425 x 1.835 (o. Spiegel) x 1.625 mm

Radstand: 2.665 mm

Wendekreis: 11,1 m

Kofferraumvolumen: 435 - 1.379 l

Anhängelast gebr./ungebr.: 750 kg / 750 kg

55-l-Tank

Antrieb: 

Dreizylinder-Benzinmotor, 1.497 ccm, variable Verdichtung 8:1 - 14:1

Fahrwerk: McPherson-Vorderachse, Mehrlenker-Hinterachse, Reifen: 235/45 R20

Max. Systemleistung kW (PS): 140 (190)

Max. Drehmoment: 330 Nm/ab 2.400 min.

Höchstgeschwindigkeit: 170 km/h

Messwerte:

Leergewicht Testwagen (inkl. 80-kg-Fahrer): 1.808 kg

Zuladung Testwagen: 372 kg

Elastizität 50-80/80-120 km/h (Kickdown Sport-Modus): 3,5/5,3 s.

0-60/80/100 km/h: 4,4/6,2/8,2 s.

Geräusch 30/50/60/80/100/120 km/h:

50,4/52,4/53,2/56,3/58,4/60,5 dB(A)

Verbrauch:

Stadt                   6,84 l/100 km (159 g CO2)

Land                    6,24 l/100 km (145 g CO2)

BAB:                    8,10 l/100 km (189 g CO2)

Gesamt:             7,43 l/100 km (173 g CO2)

Kosten/km:        0,48 Euro

Preis Nissan Qashqai 1.5 VC-T e-Power (Stand 1.2.2025)

Acenta ab 39.780 Euro brutto, 33.428,57 Euro

Tekna+: ab 49.470 Euro brutto, 41.571,43 Euro netto

Schön, dass: er mit wertigem Ambiente, Federungskomfort, schicker Optik, und guter Bedienung punktet

Schade, dass: der Riesenaufwand beim Motor sich gar nicht im Verbrauch wiederfindet, er nur 750 kg anhängen darf, der Motor an sich keinen Fahrspaß macht und der Preis fürs Topmodell schon gesalzen ist