Tesla: In Europa weiter auf Talfahrt
Teslas Absatzzahlen in Europa fallen bis auf wenige Märkte. Besonders augenfällig ist Schweden. Dort wurden nur noch 163 Neuwagen der Marke Tesla zugelassen – ein Minus von satten 86 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Dänemark, Frankreich und die Niederlande zeigen sich ebenfalls wenig begeistert von Teslas aktuellem Angebot, mit Rückgängen von 52, 27 bzw. 62 Prozent. Damit ist der siebte Monat mit rückläufigen Zahlen in Folge komplett – kein Rekord, auf den man in Fremont stolz sein dürfte.
Einmal Gegenwind, bitte – am besten aus mehreren Richtungen
Dass sich Tesla aktuell nicht vor Bestellungen retten kann, liegt laut Branchenbeobachtern nicht nur an der sich verschärfenden Konkurrenz, etwa durch dynamische Anbieter aus China. Auch Elon Musks öffentliche Einlassungen tragen nicht gerade zur Markenpflege bei. Hinzu kommen europäische Regulierungen, die Teslas teilautonomen Fahrfunktionen – und damit dem Absatz des Model Y – die Flügel stutzen.
Ein kurzer Blick auf die Zahlen im Einzelnen:
Frankreich: -27 %, 1307 Neuzulassungen im Juli
Niederlande: -62 %, nur noch 443 Teslas neu auf der Straße
Dänemark: -52 %
Schweden: -86 %, darunter ein Rückgang von 88 % beim Model Y
Dänemark (Model Y): -49 %
Norwegen? Die ganz große positive Ausnahme!
Doch nicht überall brennen die Sicherungen durch. In Norwegen etwa scheint Teslas neues Finanzierungsmodell mit 0 %-Zinsen zu wirken – und zwar deutlich. Mit einem Plus von 83 % wurden dort im Juli 715 Model Y neu zugelassen – über viermal so viele wie im Vorjahresmonat. Auch in Spanien legten die Neuzulassungen zu, um immerhin 27 %. Der dortige Markt für elektrifizierte Fahrzeuge wuchs insgesamt um 155 % – und Tesla profitierte wenigstens ein wenig von diesem Trend.
Allerdings: Die Konkurrenz schläft nicht. BYD, einer der aufstrebenden chinesischen Anbieter, verkaufte im Juli allein in Spanien rund 2150 Fahrzeuge – fast achtmal so viele wie im Vorjahr. Auch in Österreich hat BYD Tesla mittlerweile deutlich hinter sich gelassen.
Wirklich neue Modelle wären dringend nötig
Ein Kernproblem bleibt die Modellpalette. Während andere Hersteller neue Fahrzeugtypen in Serie bringen, setzt Tesla auf Altbewährtes. Im März kam eine überarbeitete Allradversion des Model Y nach Europa, im Mai zwei neue Heckantrieb-Varianten. Doch günstigere Einsteiger-Modelle lassen weiter auf sich warten. Die angekündigte Produktionsaufnahme wurde aufs nächste Quartal verschoben – später als geplant. Und Model S und X, ebenfalls seit Produktionsstart nur geliftet, flogen wegen Erfolglosigkeit - bisher angeblich nur vorübergehend - aus den EU-Programmen. Aber auch hier sind keine Neuentwicklungen in Sicht.
Musk selbst bleibt zumindest verbal kämpferisch: Im Juli räumte er ein, dass schwierige Monate bevorstehen. Strengere Regeln, auslaufende Steuervergünstigungen in den USA (7500 Dollar pro E-Auto) und zunehmender Preisdruck durch chinesische Hersteller machen dem Unternehmen zu schaffen.
Gesamtmarkt wächst – Tesla nicht unbedingt mit
Insgesamt entwickelten sich die Automärkte in Europa im Juli durchaus positiv:
Dänemark: +20 %
Schweden: +6 %
Norwegen: +48 %
Spanien: +17 %
Niederlande: +9 %
Die einzige Ausnahme ist Frankreich mit einem Minus von 8 %.
Für Tesla ergibt sich daraus eine eher bittere Bilanz: Während der Markt wächst, bleiben die eigenen Zahlen rückläufig. Im ersten Halbjahr 2025 sanken die Tesla-Verkäufe in Europa insgesamt um mehr als ein Drittel.
Und jetzt? Hoffnung, Technik, Finanzierung
Elon Musk hält dennoch an der Aussicht auf Besserung fest – zumindest dann, wenn europäische Kundinnen und Kunden irgendwann in den Genuss jener teilautonomen Fahrerlebnisse kommen, die das Model Y in den USA populär gemacht haben. Doch bis diese autonomen Fahrfunktionen auch hierzulande breit zugelassen werden, bleibt dieses Verkaufsargument vorerst eher theoretischer Natur.
Was bedeutet das?
Ob neue Finanzierungsangebote und die lang erwarteten Modellneuheiten Tesla aus der derzeitigen Schieflage befreien können, bleibt offen. Klar ist: Die kommenden Monate werden für Tesla in Europa ein echter Belastungstest – wirtschaftlich wie strategisch. Und vielleicht auch kommunikativ.
Quelle. Reuters