LKW

Straßengüterverkehr unter Druck: Verbände fordern EU zur Kurskorrektur auf

Die Transportbranche kämpft mit Fahrermangel, Bürokratie und einer aus ihrer Sicht nicht praxistauglichen Antriebswende. BGL, FNTR und NLA fordern dringende Maßnahmen, unter anderem bessere Rahmenbedingungen für die Antriebswende im Straßengüterverkehr.

Die Vertreter von BGL, FNTR und NLA fordern Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Antriebswende im Straßengüterverkehr. (Foto: BGL)
Die Vertreter von BGL, FNTR und NLA fordern Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Antriebswende im Straßengüterverkehr. (Foto: BGL)

Die europäischen Straßengüterverbände BGL, FNTR und NLA haben sich in Brüssel mit Abgeordneten des Europäischen Parlaments sowie Vertretern der EU-Kommission getroffen, um die Herausforderungen der Antriebswende im Straßengütertransport zu diskutieren. Im Fokus standen die Forderungen nach technologieoffenen Lösungen, einem schnelleren Ausbau der Ladeinfrastruktur und einer besseren Durchsetzung des Mobilitätspakets.

Praxistaugliche Antriebswende gefordert

Nach Einschätzung der Verbände fehlen wesentliche Voraussetzungen, damit der Großteil der Transportbranche in emissionsfreie Fahrzeuge investieren kann.

„Kurz- bis mittelfristig muss die Technologieneutralität weiterhin vorrangig sein, wobei erneuerbare Kraftstoffe wie Biogas und HVO eine wichtigere Rolle spielen müssen“, so die Vertreter von BGL, FNTR und NLA.

Sie fordern eine frühzeitige Überarbeitung der CO2-Ziele für neue schwere Nutzfahrzeuge, um dem Markt mehr Zeit zur Anpassung zu geben. Zudem seien neben einer flächendeckenden Ladeinfrastruktur auch erhöhte Stromkapazitäten für betriebliche Ladepunkte sowie für Industriegebiete und Umschlaganlagen erforderlich.

Ein EU-Investitionsfonds könnte aus Sicht der Verbände den Bau der Ladeinfrastruktur beschleunigen, während Mechanismen für stabile Strompreise helfen würden, den grünen Wandel in der Branche wirtschaftlich tragfähig zu gestalten.

Bessere Kontrolle des Mobilitätspakets

Aus Sicher der Verbände ist die Einhaltung des Mobilitätspakets für einen wettbewerbsfähigen Straßengütertransport von zentraler Bedeutung. Sie fordern die EU-Kommission daher auf, die Folgen der aufgehobenen Rückkehrpflicht von Lkw alle acht Wochen genau zu untersuchen. Sollte sich zeigen, dass dies die Verbreitung von Briefkastenfirmen begünstigt, müsste ihrer Meinung nach die Regelung wieder eingeführt werden.

Zudem sei eine striktere Kontrolle der Arbeitsbedingungen von Fahrern notwendig. Die EU-Mitgliedstaaten sollten hierfür ausreichend Ressourcen bereitstellen und gezielte Überprüfungen durchführen.

Fahrermangel aktiv bekämpfen

Ein weiteres drängendes Problem ist der anhaltende Fahrermangel. Die Verbände sprechen sich dafür aus, den Zugang zum Beruf des Berufskraftfahrers zu erleichtern, ohne die Einhaltung der EU-Vorschriften zu gefährden. Die laufende Überarbeitung der Führerscheinrichtlinie könne dazu beitragen, jungen Fahrern den Einstieg zu erleichtern. Darüber hinaus sei eine Anpassung der Ausbildungsrichtlinie notwendig, um die Inhalte praxisnaher zu gestalten.

Zudem sollte es pensionierten Fahrern erleichtert werden, in Teilzeit weiterzuarbeiten. Gleichzeitig müsse der administrative Aufwand für Unternehmen und Fahrer reduziert werden.

EU muss mehr investieren

„Der Straßengüterverkehrssektor befindet sich in einem entscheidenden Moment. Die Unternehmen sind durch die wirtschaftliche Situation stark herausgefordert, während Europa gleichzeitig mit einer langfristig wachsenden Nachfrage nach Transporten konfrontiert ist“, betonen die Verbandschefs Florence Berthelot (FNTR), Erik Østergaard (NLA) und Prof. Dr. Dirk Engelhardt (BGL) schließlich die Dringlichkeit ihrer Forderungen.

Die EU habe erste positive Signale gesendet, so die Verbandsvertreter.

„Die jüngsten Vorschläge der Kommission gehen in die richtige Richtung. Aber das ist erst der Anfang. Wir brauchen in dieser Legislaturperiode stetige Fortschritte.“

Ob und in welchem Umfang die EU auf die Forderungen der Transportbranche eingeht, bleibt abzuwarten. Klar ist jedoch, dass der Straßengütertransport nur dann nachhaltig umgestaltet werden kann, wenn wirtschaftliche Realitäten berücksichtigt und praktikable Lösungen gefunden werden.