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Rückschritt beim Klimaschutz: ADAC und VDIK kritisieren vertagte Stromsteuersenkung

Der Autoclub kritisiert die Vertagung der Stromsteuersenkung für private Haushalte. Dadurch würden Mehrkosten für Verbraucher und Rückschritte beim Klimaschutz drohen. Auch der VDIK beklagt eine vertane Chance und den so weiter lahmenden Hochlauf der E-Mobilität. 

Klimaschutz ade? Aktivisten einer NGO für ein klimaneutrales Deutschland protestieren mit Masken, die die Gesichter des Bundeskanzlers und Bundesfinanzministers zeigen, vor dem Bundeskanzleramt vor dem Koalitionsausschuss. Die Stromsteuer soll nun doch nicht sinken. | Foto: Christoph Soeder/dpa
Klimaschutz ade? Aktivisten einer NGO für ein klimaneutrales Deutschland protestieren mit Masken, die die Gesichter des Bundeskanzlers und Bundesfinanzministers zeigen, vor dem Bundeskanzleramt vor dem Koalitionsausschuss. Die Stromsteuer soll nun doch nicht sinken. | Foto: Christoph Soeder/dpa

Der ADAC sieht die Vertagung der Stromsteuersenkung für private Haushalte auf unbestimmte Zeit kritisch. Die Koalition bleibt weiterhin Antworten schuldig, wie ein Entlastungskonzept für Verbraucher angesichts perspektivisch steigender CO2-Preise für Wärme und Verkehr aussehen soll.

„Die Stromsteuersenkung wäre dabei ein wichtiger Baustein, um einer absehbar steigenden Gesamtbelastung in beiden Bereichen entgegenzuwirken.“, sagt ADAC Verkehrspräsident Gerhard Hillebrand.

Zugleich würde ein geringerer Strompreis kurzfristig einen Impuls für Klimaschutz setzen und die Nutzung von E-Pkw attraktiver machen. Durch die geplante Netzentgeltreduzierung soll nur ein Teil der im Koalitionsvertrag zugesagten Strompreisminderung von der Koalition umgesetzt werden. Was hiervon über die Wertschöpfungskette letztendlich beim Verbraucher ankommen wird, muss sich noch zeigen. Der ADAC fordert, dass die Energiewirtschaft hier Entlastungen über die Senkung von Strompreisen vollständig weitergeben wird, damit die vom Koalitionsausschuss in Aussicht gestellte Entlastung der Stromverbraucherinnen und -verbraucher um 6,5 Milliarden Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds (KTF) tatsächlich auch genau dort ankommt.

Strafzahlungen: Weniger Klimaschutz birgt Haushaltsrisiken

Im Hinblick auf die Haushaltslage und die von der Koalition gesetzten Prioritäten weist der ADAC darauf hin, dass ausbleibende Erfolge beim Klimaschutz zu Haushaltsrisiken für den Bund in den kommenden Jahren führen werden. Gemäß EU-Lastenteilung muss der Bund bei zu geringen Minderungsfortschritten in den Sektoren Verkehr, Wärme und Landwirtschaft CO2-Emissionsrechte von anderen Mitgliedstaaten kaufen. Hier können Milliardenbelastungen auf den Bundeshaushalt zukommen. Deshalb ist es vorteilhafter, Finanzmittel zu nutzen, um Fortschritte bei der CO2-Minderung im Verkehr zu erzielen. Der Bund sollte deshalb kurzfristig in den Klimaschutz investieren und Verbraucher auf dem Weg in klimaneutrale Mobilität unterstützen.

VDIK: Regierung hat Chancen vertan

Auch der Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) äußerte sein Bedauern, dass die neue Bundesregierung nun innerhalb weniger Tage zwei Chancen zur Förderung der Elektromobilität verspielt hat. Zunächst die Ausweitung des Innovationsboosters auf gewerblich genutzte und geleaste Fahrzeuge und nun die Entscheidung, die geplante Senkung der Stromsteuer für Verbraucher nicht wie angekündigt umzusetzen, moniert der Verband.

„Wir sind enttäuscht, dass die Regierungskoalition die versprochene Senkung der Stromsteuer nun wieder zurückgenommen hat. Wir bräuchten dringend die angekündigten Maßnahmen zur Förderung der E-Mobilität, um einen Anteil von deutlich über 20 Prozent BEVs an den Neuzulassungen und damit die CO2-Flottengrenzwerte zu erreichen. Positive Impulse für private E-Auto-Käufer setzt die Bundesregierung damit jedenfalls nicht“, erklärte VDIK-Präsidentin Imelda Labbé.

BEV-Wachstum weiterhin viel zu gering

Das Wachstum der BEV-Zulassungen ist aus Sicht des Verbands weiterhin zu gering und nach wie vor beschönigt durch den Einbruch der Neuzulassungen im Jahr 2024. Im Segment der rein batterieelektrischen Pkw (BEV) beliefen sich die Neuzulassungen im Zeitraum Januar bis Juni 2025 auf 248.726 Fahrzeuge, was einem Wachstum von 35,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht. Der Marktanteil von BEVs lag im ersten Halbjahr 2025 bei 17,7 Prozent und damit weiterhin unter dem für die CO₂-Zielerreichung notwendigen Niveau. Internationale Marken standen für voraussichtlich rund 39,5 Prozent aller BEV-Neuzulassungen, ihr Anteil stieg damit um 2,8 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Im Juni 2025 wurden 47.163 BEVs neu zugelassen, was einem Plus von 8,6 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat entspricht. Der BEV-Marktanteil lag bei 18,4 Prozent, rund 3,8 Prozentpunkte höher als im Vorjahresmonat. Die Neuzulassungen internationaler Marken stiegen im Juni überdurchschnittlich, um voraussichtlich 16,9 Prozent auf 20.095 Fahrzeuge. Insgesamt wurden im ersten Halbjahr 2025 in Deutschland insgesamt 1.402.789 Pkw neu zugelassen, das entspricht einem Rückgang von 4,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.