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Rheinmetall: Ladebordstein bestand Praxistest und geht jetzt in Serie

Auch wenn Rheinmetall mit der Rüstung derzeit viel mehr zu tun hat: Der Ladebordstein hat sich bewährt und geht jetzt in Serie!

Optisch unauffälligst: Der Ladebordstein von Rheinmetall geht jetzt in Serie. | Foto: Rheinmetall
Optisch unauffälligst: Der Ladebordstein von Rheinmetall geht jetzt in Serie. | Foto: Rheinmetall

Auf der Smarter E sah der Rheinmetall-Stand kaum anders aus als im Vorjahr. Aber aus einem Vorserien- wurde jetzt ein Serienprodukt: Der Ladeborstein wurde im Detail nochmal optimiert und kann frei verbaut werden! Christoph Müller, CEO der Rheinmetall-Division Power Systems, brachte die Grundidee auf den Punkt:

„Bei unserem Produkt wird die Ladeelektronik in die Maße eines handelsüblichen Bordsteins integriert, um das Laden von Elektrofahrzeugen direkt am Fahrbahnrand zu ermöglichen – ohne störende Poller, ohne Eingriffe in den Gehwegbereich, und ohne Kompromisse in puncto Sicherheit oder Ästhetik. So tragen wir mit innovativen Lösungen zur Mobilitätswende bei. Mit dem von uns entwickelten Ladebordstein steht ein serienreifes Produkt zur Verfügung, das urbane Ladeinfrastruktur neu denkt: platzsparend, robust, barrierearm – und integriert in bestehende Stadtstrukturen.“

Als ihn Rheinmetall im November 2022 erstmals der Öffentlichkeit vorstellte, löste er noch gemischte Reaktionen aus: Die Idee, eine AC-Ladestation unauffällig in die Bordsteinkante zu integrieren, stieß einerseits auf Interesse: Sie könnte eine Lösung sein, um in engen Stadtvierteln mehr Ladepunkte für E-Autos zu schaffen – ohne Gehwege zu verstellen oder aufwendige Infrastruktur umzubauen.

Andererseits war die Skepsis groß. Kritikerinnen und Kritiker sorgten sich um die Alltagstauglichkeit: Wie würde sich das System bei Regen, Schmutz, Schnee oder auch unter der Belastung von parkenden Autos verhalten? Was passiert, wenn Hunde ihre Markierung setzen? Und nicht zuletzt: Ist eine Ladebuchse am Boden überhaupt praktikabel?

Typisch Deutschland: Man startete mit dezenten Feldversuchen

Um Antworten auf diese Fragen zu finden, startete im Mai 2023 ein Feldversuch in Köln. In Kooperation mit der Stadt, dem Energieversorger RheinEnergie und dessen Tochtergesellschaft TankE wurden vier Ladebordsteine an zwei Standorten im Stadtteil Lindenthal installiert. Seit April 2024 laufen die Systeme dort im Praxiseinsatz – und inzwischen liegt eine erste Bilanz vor.

Die Ergebnisse überraschen selbst manche Skeptiker: Über 2.800 erfolgreiche Ladevorgänge wurden gezählt, was einem Schnitt von mehr als zwei Ladevorgängen pro Tag und pro Ladepunkt entspricht. Bei jedem Wetter blieb das System betriebsbereit – die technische Verfügbarkeit lag laut Rheinmetall bei über 99 Prozent. Insgesamt flossen dabei mehr als 50 Megawattstunden Strom in E-Autos, durchschnittlich 19 Kilowattstunden pro Ladevorgang. Die vier Ladepunkte sollen nach Abschluss der Testphase dauerhaft in Betrieb bleiben – bei Tank E im Regelbetrieb.

 

In der Praxis nahm man nochmal Änderungen an Beleuchtung und Schmutzabweisung vor

Auch in der Praxis zeigte sich: Die modulare Bauweise der Ladebordsteine bewährte sich. Im Laufe der Pilotphase wurden Module ausgetauscht – nicht wegen Defekten, sondern um technische Verbesserungen direkt im Betrieb zu erproben. Dazu zählten etwa eine bessere Schmutzableitung und eine optimierte Beleuchtung an der Ladebuchse. Beides soll die Alltagstauglichkeit erhöhen und den Umgang für die Nutzenden erleichtern.

Praxisvorteil: einfaches Einparken ohne Schutzpoller

Doch Technik allein erzählt nicht die ganze Geschichte. Parallel zum Praxistest wurden rund 100 Nutzerinnen und Nutzer befragt – zwischen August 2024 und März 2025. Die Rückmeldungen sind vielschichtig, aber insgesamt positiv: Im Durchschnitt vergaben die Teilnehmenden 4,38 von 5 möglichen Punkten. Besonders positiv fiel das Urteil bei älteren Menschen aus. Hervorgehoben wurden die einfache Bedienbarkeit, das unkomplizierte Einparken sowie die Möglichkeit, das Kabel mit nur einer Hand zu stecken – und dass keine zusätzlichen Schutzpoller nötig sind.

Der Hauptvor- ist der Hauptnachteil: Die (Un-)Sichtbarkeit

Ein Kritikpunkt blieb allerdings nicht aus: Die Sichtbarkeit der Ladepunkte. Was einerseits als Vorteil – durch die unauffällige Integration ins Stadtbild – gedacht war, wurde mitunter als Nachteil wahrgenommen. Manche Testpersonen fanden die Ladepunkte schlicht zu unauffällig. Rheinmetall schlägt deshalb gezielte Markierungen und eine bessere Einbindung in Navigations- und Lade-Apps vor, um Abhilfe zu schaffen.

Trotz dieser Hinweise fällt das Fazit des Unternehmens positiv aus. Der Ladebordstein habe gezeigt, dass er eine konkrete Antwort auf die Frage bietet, wie sich in dicht bebauten Städten öffentliche Ladeinfrastruktur realisieren lässt – platzsparend, skalierbar und vergleichsweise kosteneffizient. Die Möglichkeit, sogenannte „Hohlbordsteine“ bereits heute vorzubereiten und bei Bedarf nachzurüsten, könnte Kommunen langfristig mehr Flexibilität bei der Elektrifizierung bieten. Auch Betreiber profitieren laut Rheinmetall von reduzierten Wartungs- und Installationskosten.

Was bedeutet das?

Mit dem Ladebordstein erfand Rheinmetall einen „eiserenen Bordstein“, der mehr kann, als nur den Gehweg vom Straßenraum zu trennen: Stattdessen fungiert er als unauffälliger mitdenkender Mitarbeiter der Verkehrswende.