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Renault und Nissan: Allianz, jetzt anders aufgesetzt

Renault und Nissan gliedern ihre Allianz neu. Am wichtigsten: Nissan wird auch den Twingo in abgewandelter übernehmen, scheidet aus Ampere aus und verkauft sein Indien-Geschäft an Renault.

Nissan übernimmt schon den R5 von Renault als Micra - darunter wird man ein Twingo-Derivat für Europa bringen. | Foto: Nissan
Nissan übernimmt schon den R5 von Renault als Micra - darunter wird man ein Twingo-Derivat für Europa bringen. | Foto: Nissan

Renault und Nissan ordnen ihre Allianz neu: Die Renault Group übernimmt die 51-prozentige Beteiligung von Nissan an der Renault Nissan Automotive India Private Ltd (RNAIPL) und wird damit alleinige Eigentümerin des Unternehmens. Dieser Schritt bietet Renault eine bedeutende Chance, seine internationale Präsenz zu stärken. Nissan bleibt weiterhin in Indien aktiv, mit dem Fokus auf einer breiteren Marktabdeckung. RNAIPL wird auch künftig Fahrzeuge für Nissan produzieren – darunter das neue Modell Nissan Magnite – und bleibt ein zentraler Baustein für Nissans Wachstumsstrategie.

Kooperation beim neuen Twingo-Modell

Nissan hat die Renault Group beauftragt, ein neues Fahrzeug auf Basis des kommenden Renault Twingo zu entwickeln und zu produzieren. Das Modell stammt aus Nissans Design, wird aber von Renault gefertigt – ein weiteres Beispiel für die enge Zusammenarbeit innerhalb der Allianz.

Mehr Flexibilität in der Allianz: Änderungen am Partnerschaftsvertrag

Renault und Nissan haben zudem eine Änderung ihrer Allianzvereinbarung beschlossen. Die sogenannte Lock-up-Verpflichtung, also die Mindestsperrfrist für Beteiligungen, wird von 15 auf 10 Prozent gesenkt. Damit erhalten beide Partner mehr Spielraum im Umgang mit ihren gegenseitigen Beteiligungen.

Außerdem wird Nissan von seiner Verpflichtung befreit, in Ampere – die Elektroauto-Sparte von Renault – zu investieren. Bereits vereinbarte gemeinsame Produktentwicklungen werden jedoch wie geplant weitergeführt. Luca de Meo, CEO der Renault Group, betont:

„Als langjähriger Allianzpartner und Hauptanteilseigner von Nissan liegt es im Interesse der Renault Group, dass Nissan schnell wieder auf Erfolgskurs kommt. Mit einem pragmatischen, geschäftsorientierten Ansatz haben wir nach den effektivsten Wegen gesucht, Nissans Sanierungsplan zu unterstützen und gleichzeitig neue Geschäftschancen für Renault zu schaffen. Diese Vereinbarung beweist, wie agil und effizient die neue Allianz agiert. Sie bestätigt zudem die Attraktivität unserer Produkte – etwa des Twingo – und unseren Willen, international zu wachsen. Indien ist ein Schlüsselmarkt, in dem wir ein starkes industrielles Fundament aufbauen werden.“

Ivan Espinosa, Präsident und CEO von Nissan, ergänzt:

„Wir wollen den Wert und die Vorteile der Allianz bewahren und gleichzeitig effizienter werden. Unser Ziel ist ein agileres Geschäftsmodell, das uns erlaubt, flexibel auf Marktveränderungen zu reagieren und Kapital für zukünftige Investitionen zu sichern. Indien bleibt für uns ein wichtiger Markt – nicht nur als Absatzmarkt, sondern auch als Standort für Forschung, Digitalisierung und Wissensdienste. Unsere Pläne für neue SUV-Modelle und den Export im Rahmen der Strategie ‚One Car, One World‘ bleiben bestehen.“

Details der Vereinbarung

Die heute unterzeichnete Rahmenvereinbarung umfasst folgende Punkte:

- Übernahme von RNAIPL durch Renault: Renault erwirbt die restlichen 51 Prozent Anteile von Nissan und wird damit alleiniger Eigentümer.

- Fortführung gemeinsamer Aktivitäten: Ein neuer Betriebsvertrag regelt die künftige Zusammenarbeit in Indien. Nissan wird RNAIPL weiterhin für lokale Produktion und Export nutzen.

- Renault-Nissan Technology & Business Center India (RNTBCI): Der Betrieb wird fortgeführt, wobei Renault 51 Prozent und Nissan 49 Prozent halten.

- Die Transaktion steht unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen und soll bis Ende des ersten Halbjahres 2025 abgeschlossen sein. Nach dem Abschluss wird RNAIPL vollständig in den Konzernabschluss der Renault Group aufgenommen.

Investitionen und Ausblick für 2025

2025 wird ein Jahr hoher Investitionen für RNAIPL – insbesondere im Zusammenhang mit der Einführung neuer Modelle. Dadurch wird ein temporärer Effekt von rund 200 Mio. Euro auf den Free Cashflow erwartet. Trotzdem bestätigt Renault seine Jahresprognose für 2025, inklusive einem Free Cashflow von mindestens 2 Milliarden Euro. Auch die operative Marge bleibt im Plan.

Twingo-Projekt für Europa: Nissan wird ihn für sich umgestalten und unter den Micra schieben

Renault wird über Ampere ab 2026 ein neues Twingo-Derivat für Nissan entwickeln und fertigen. Das Fahrzeug wird von Nissan entworfen. Das Projekt zeigt erneut das technologische Know-how und die Effizienz von Renault bei der Entwicklung von Elektrofahrzeugen.

Weitere Änderungen der Allianzvereinbarung

Im neuen Allianzvertrag ist geregelt, dass beide Parteien ihre Beteiligung auf mindestens 10 Prozent senken können – bisher galt eine Grenze von 15 Prozent. Diese Änderung betrifft nicht die 18,66 Prozent Nissan-Aktien, die von der Renault Group treuhänderisch gehalten werden.

Zukünftige Aktienverkäufe müssen in einem abgestimmten Verfahren erfolgen. Dabei hat die jeweils andere Partei oder ein benannter Dritter ein Vorkaufsrecht.

Die Investitionsvereinbarung von Juli 2023 zur Beteiligung Nissans an Ampere wird beendet. Die Änderung des Allianzvertrags und die Beendigung der Ampere-Vereinbarung sollen – vorbehaltlich bestimmter Bedingungen – bis Ende Mai 2025 wirksam werden.

Alle übrigen wesentlichen Bestimmungen des Allianzvertrags, insbesondere die Stillhalteklausel und das Stimmrechtslimit von maximal 15 Prozent, bleiben bestehen.

Was bedeutet das?

Nissan und Renault ändern ihre Allianzvereinbarungen, wobei sich die Kräfteverhältnisse geändert haben: Renault wird zum „Senior“, Nissan zum „Junior“, indem Renault Nissans Indien-Geschäft übernimmt und den Twingo als Basis liefert. Und Nissan aus der Ampere-Kooperation „entlässt“.