Radkutsche-Jubiläum: 20 Jahre im Sattel für nachhaltige Mobilität
Ein Pionier der Lastenradbranche feiert Firmenjubiläum: Seit 20 Jahren treibt das Tübinger Unternehmen Radkutsche die Mobilitäts- und Transportwende voran, mit cleveren und lokal gefertigten Cargobikes fast jeder Couleur. Beinahe ikonisch ist etwa das Lastentrike der Schwaben mit dem sinnfälligen Namen "Musketier", das überhaupt ein Vorreiter in der Klasse der "Heavy Cargobikes" war und auch bei der ersten Ausgabe des "International Cargobike of the Year"-Award im Jahr 2019 überzeugte. Ganz vorn auf's Treppchen fuhr allerdings in der leichten Klasse das Radkutsche Rapid, fast schon ein "Klassiker", könnte man sagen. O-Ton von damals:
"Bei den leichten Cargobikes, die für schlanke Durchfahrtbreite einspurig konzipiert sind, setzte sich der deutsche Anbieter Radkutsche mit seinem Modell Rapid durch, das auf Basis eines Stahlrahmenkonzepts mit großvolumiger Box hohe Agilität und Wendigkeit mit gutem Komfort und genereller Robustheit vereint. Auch der Eezee-Frontantrieb kombiniert mit einer NuVinci-Enviolo-Nabenschaltung überzeugte, dann stufenloser Verstellung und präziser Tretunterstützung".
Für die Firma war der von LOGISTRA initiierte Wettbewerb überhaupt eine Initialzündung und bestärkte das Bewusstsein, dass man wert- und wirkungsvolle Transportmittel für die Verkehrswende bereithält, wie uns Gründer und Geschäftsführer Stefan Rickmeyer bei einem "En-Passent-Plausch" auf der Eurobike mal erzählte. Sein Credo:
"Ich setze mich für ökologische Mobilität ein, die Spaß macht und glaube, dass viele kleine Schritte die Welt verbessern können".
Ziel ist dabei explizit nicht der größte Profit, sondern geradezu schwäbische Tugenden wie "Qualität, Fleiß und Verlässlichkeit". Rickmeyer will Fahrräder bauen, die den "Kunden verlässliche und lebenslange Gefährte bleiben". Man glaubt "out of Mössingen": Der gegenwärtige Trend zum Individualverkehr wird sich auch in Zukunft fortsetzen. Um die Klimaziele erreichen können, müsse man die Mobilität nicht zwangsläufig einschränken, sondern vielmehr die Wahl des Transportmittels überdenken.
"Mit unseren Cargobikes geht Umweltschutz in Form von nachhaltiger Mobilität einher! Sie erfüllen den Wunsch nach möglichst individuellen Formen der Fortbewegung", skizziert der Hersteller.
Ein Long Tail darf nicht fehlen
Mittlerweile hat man das schlanke, aber durchdachte und mit zahlreichen Optionen gespickte Programm erweitert um ein trendiges "Long Tail", das auf den ebenso sinnfälligen Namen "Solid" hört und eine wendige Alternative auch im hügeligen Tübinger Umland ist: Vorne Mountain-Bike, hinten Cargobike, mit Platz für drei Kinder. Und natürlich mit einem Stahlrohrrahmen. Der kommt selbstredend nicht aus Taiwan oder China, sondern wird in Tschechien und Deutschland gefertigt. Ein Beispiel, dass man Nachhaltigkeit bei Radkutsche zu Ende denkt: 2019 wurde die erste Produktionshalle auf einer energiesparenden Bodenplatte mit Dämmung errichtet. Die Halle ist aus sogenannten Brettstapeln in Massivholzbauweise, wurde von der Firma Schaffitzel in Schwäbisch Hall produziert und von einer lokalen Zimmerei aufgestellt.
Produktion mit Eigenstrom
Und klar, dass man Ökostrom bezieht, wobei der komplette Stromverbrauch über Photovoltaik selbst erzeugt wird. Eine Smartflower dreht sich zusätzlich mit der Sonne, nachts rotiert ein Windrad, die Energie sammelt ein Akku als Zwischenspeicher. Pro Jahr speist man 2000 kWh Strom zusätzlich ins Netz ein. Und um die Halle kümmert man sich um die Artenvielfalt, pflanzt heimische Gewächse und insektenfreundliche Blumenmischungen und baut selbst Lebensmittel. Womit man wieder beim Thema Logistik wäre: Denn so lassen sich Transportwege sparen und Verpackungen vermeiden. Und, unnötig zu betonen: Die Radkutsche-Mitarbeiter kommen überwiegend mit dem (Lasten)Fahrrad zur Arbeit! Wäre ja noch schöner.