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Österreich: VNL rechnet mit Preisdruck und Infrastrukturengpässen im Güterverkehr

Der Verein Netzwerk Logistik warnt vor deutlichen Auswirkungen geopolitischer Konflikte und Bauarbeiten auf den Straßengüterverkehr im Herbst 2025.

Lkw auf der Autobahn: Steigende Energiepreise und Streckensperrungen könnten im Herbst 2025 zu Verzögerungen und höheren Transportkosten führen, warnt der VNL in seinem aktuellen Lagebericht. (Foto: Pixabay)
Lkw auf der Autobahn: Steigende Energiepreise und Streckensperrungen könnten im Herbst 2025 zu Verzögerungen und höheren Transportkosten führen, warnt der VNL in seinem aktuellen Lagebericht. (Foto: Pixabay)

Der Verein Netzwerk Logistik (VNL) hat seinen aktuellen Lagebericht für das dritte Quartal 2025 veröffentlicht. Der Bericht beleuchtet zentrale Entwicklungen im Güterverkehr und zeigt auf, mit welchen Herausforderungen Unternehmen in den kommenden Monaten rechnen müssen. Die Einschätzungen basieren auf Expertenbefragungen und stellen laut VNL eine praxisnahe Orientierung für Entscheider in der Logistikbranche dar.

Im Mittelpunkt der aktuellen Analyse stehen die gestiegenen geopolitischen Risiken, geplante Sanierungen im deutschen Schienennetz und ein drohender Engpass im Luftfrachtverkehr. Nach Einschätzung des VNL wird Planbarkeit im internationalen Güterverkehr zunehmend schwieriger.

„Verlässlichkeit ist das Rückgrat stabiler Lieferketten – gerade in einer Zeit voller Unsicherheiten“, erklärte VNL-Obmann Franz Staberhofer. Die Organisation veröffentlicht seit Jahresbeginn quartalsweise ihre Einschätzungen zur Lage des Güterverkehrs.

Energiepreise als Preistreiber

Als zentrales Risiko für Transportkosten identifiziert der VNL die politische Lage im Nahen Osten. Insbesondere eine mögliche Blockade der Straße von Hormus durch den Iran bereitet dem Netzwerk Sorgen. Rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Erdöls werde über diese Route transportiert. Ein Eingriff in diese Verbindung hätte demnach unmittelbare Auswirkungen auf den Ölpreis – und damit auf die Kosten aller Verkehrsträger. Auch weitere Energiepreise wie Strom und Erdgas könnten im Fall einer Eskalation deutlich steigen.

Die Folge wäre ein breiter Anstieg der Frachtkosten. Der VNL ruft daher die Unternehmen auf, ihre Kostenstrukturen und Verträge frühzeitig auf mögliche Preissprünge vorzubereiten. Staberhofer appellierte:

„Resilienz entsteht nicht durch Reaktion, sondern durch Vorausplanung.“

Schienensanierungen mit Auswirkungen auf Straßentransporte

Auch die Infrastruktur in Europa rückt in den Fokus. Nach Einschätzung des VNL wird die für August 2025 geplante Sperrung der Strecke Hamburg–Berlin spürbare Folgen für den Güterverkehr haben. Besonders Transporte vom und zum Hamburger Hafen müssten sich auf längere Laufzeiten und mögliche Engpässe einstellen. In den kommenden Jahren folgen weitere Baumaßnahmen, darunter ab 2026 die Generalsanierung der Strecke Nürnberg–Passau.

Der Verein sieht darin einen klaren Handlungsauftrag für Unternehmen. Umleitungen, Kapazitätsengpässe und verlängerte Lieferzeiten seien nicht nur eine Frage des Schienengüterverkehrs, sondern wirkten sich auch auf die Auslastung im Straßengüterverkehr aus. Wer hier keine Alternativen vorbereite, riskiere Verzögerungen in der gesamten Lieferkette.

Luftfracht: Weniger Frachtraum ab Herbst

Auch die Luftfracht dürfte ab Herbst unter Druck geraten. Mit dem Wechsel auf den Winterflugplan werde das Angebot an „Belly Cargo“ – also Frachtraum im Unterdeck von Passagiermaschinen – voraussichtlich zurückgehen. Gleichzeitig steige die saisonale Nachfrage im Weihnachtsgeschäft. Der VNL geht daher von deutlich steigenden Frachtraten in diesem Segment aus.

Diese Entwicklung sei ein weiterer Faktor, der eine vorausschauende Planung unerlässlich mache, heißt es in der Mitteilung. Unternehmen sollten auch in diesem Bereich ihre Kapazitäten und Alternativen prüfen.

Appell an die Logistikbranche

Insgesamt zeichnen die vom VNL befragten Branchenexperten ein angespanntes Bild der kommenden Monate. Die Kombination aus geopolitischen Risiken, infrastrukturellen Einschränkungen und saisonalen Engpässen erfordere strategische Vorbereitung. Der Verein ruft die Akteure der Logistik dazu auf, Entwicklungen aktiv zu beobachten und notwendige Maßnahmen frühzeitig zu ergreifen.

Der Lagebericht des VNL wird vom österreichischen Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI) gefördert und im Rahmen des Programms Logistikförderung von der Schieneninfrastruktur-Dienstleistungsgesellschaft mbH (SCHIG mbH) umgesetzt.