ÖPNV der Zukunft: So plant der VDV den bundesweiten Einsatz autonomer Busse
Branchentreffen mit Fokus auf Transformation – Die VDV-Jahrestagung fand vom 17. bis 19. Juni 2024 in Hamburg statt, Gastgeberin war die Hamburger Hochbahn AG. Mit über 800 Teilnehmenden aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Verkehrsbetrieben zählt die Veranstaltung zu den größten deutschen Mobilitätskongressen. Im kommenden Jahr soll sie erstmals parallel zum UITP-Summit, dem Weltkongress des internationalen ÖPNV-Verbands, stattfinden.
Unter dem Leitthema „Transformation braucht Verlässlichkeit – Der Mobilität in Deutschland eine Richtung geben“ standen aktuelle Herausforderungen und Zukunftsperspektiven des öffentlichen Nahverkehrs im Fokus. Zentrale Themen waren Digitalisierung, Effizienzsteigerung und der Einsatz innovativer Technologien – insbesondere autonomes Fahren.
VDV fordert drei Milliarden Euro für Markthochlauf
Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) sieht autonomes Fahren im ÖPNV als Schlüsseltechnologie für die Verkehrswende. Um Deutschland zum Leitmarkt zu entwickeln, fordert der Verband eine koordinierte, langfristig finanzierte Strategie und legt erstmals ein konkretes Finanzierungskonzept vor.
Insgesamt beziffert der VDV den Anschubbedarf auf drei Milliarden Euro:
- Eine Milliarde Euro für die Projektphase, etwa für Leasingkosten, Projektpersonal, Ladeinfrastruktur sowie Forschung und Entwicklung.
- Zwei Milliarden Euro für die Integration in den Linienbetrieb, einschließlich gemischter Fahrzeugflotten, Betriebshöfen und Leitstellen.
Zudem spricht sich der Verband für fünf bis sieben bundesweite Modellregionen aus, in denen autonome Systeme unter realen Bedingungen erprobt und skaliert werden sollen. Voraussetzung sei die Zulassung von Level-4-Fahrzeugen ohne Sicherheitspersonal sowie eine Roadmap von Bund, Ländern, Industrie und Verkehrsbranche.
Hochbahn konkretisiert Umsetzung in Hamburg
Die Hamburger Hochbahn AG stellte auf der Tagung ein eigenes Zukunftsbild für den Einsatz autonomer Fahrzeuge im Linienverkehr vor. Dieses wurde in einem Whitepaper veröffentlicht. Darüber hinaus plant das Unternehmen die Erprobung von RoboShuttles und RoboMidibussen im regulären Linienbetrieb. Ein weiteres laufendes Projekt ist Alike, das gemeinsam mit Volkswagen, Moia, Holon und weiteren Partnern betrieben wird. Ziel ist es, erste praktische Erfahrungen mit autonomen Anwendungen im ÖPNV zu sammeln.
Bundesweite Pilotprojekte mit ersten Praxiserfahrungen
Neben Hamburg laufen auch in anderen Regionen Pilotvorhaben. Beispielhaft ist das Projekt KIRA im Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV), bei dem erstmals Level-4-Fahrzeuge im öffentlichen Nahverkehr getestet werden. Trotz vorhandener Aktivitäten fehlt bisher eine übergeordnete nationale Koordination mit verbindlicher Finanzierung und langfristiger Perspektive.
On-Demand-Verkehre als Übergangstechnologie
Der VDV sieht On-Demand-Verkehre als wichtigen Zwischenschritt hin zum autonomen Fahren. Seit der Novellierung des Personenbeförderungsgesetzes (PBefG) im Jahr 2021 wurden mehr als 120 Projekte mit über 1.000 Fahrzeugen umgesetzt – vorwiegend in ländlichen Regionen, wo rund 80 Prozent der Angebote angesiedelt sind.
Etwa 95 Prozent der Systeme sind appbasiert, 58 Prozent dienen als Ersatz für Linienverkehre, knapp die Hälfte ist bereits tariflich integriert. Dennoch stehen viele Projekte mangels Finanzierung vor dem Aus.
Der VDV fordert deshalb ein bundesweites „Deutschland-Angebot“ mit verbindlichen Standards, Bundesförderung und Anreizmodellen der Länder. Ziel sei es, bis zu 15 Millionen Menschen mit täglich 6.000 zusätzlichen Fahrplanstunden zu versorgen.
Die Branche sieht in On-Demand-Angeboten eine realistische Ausgangsbasis für den Hochlauf autonomer Systeme im öffentlichen Verkehr.