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Moia: Serienreifer ID. Buzz AD vorgestellt

Moias "Turnkey Solution” bündelt ID. Buzz AD, AD MaaS Ecosystem Platform und Operator Enablement in einem Paket. So will man Mobilitätsanbietern die Integration autonomer On-Demand-Dienste ins eigene Angebot ermöglichen. Serienzulassung für fahrerlosen Einsatz in der EU und den USA geplant. 

VW treibt die Automatisierung des ID. Buzz voran und sieht darin eine Chance auch für den Standort Deutschland. | Foto: dpa/David Hammersen
VW treibt die Automatisierung des ID. Buzz voran und sieht darin eine Chance auch für den Standort Deutschland. | Foto: dpa/David Hammersen

Die VW-Tochter für automatisiertes Fahren MOIA hat eine weitere Hürde auf dem Weg Richtung Einsatz autonomer Fahrzeuge genommen und stellt mit dem ID. Buzz AD das erste vollautonome Serienfahrzeug von Volkswagen vor, das speziell für den Einsatz in Mobilitätsdiensten optimiert wurde. Es soll Baustein einer umfassenden Gesamtlösung sein, die neben dem Fahrzeug aus einem Software-Ökosystem und Services für die Betreiber autonomer Mobilitätsdienste besteht. Man biete damit öffentlichen und privaten Mobilitätsanbietern eine schlüsselfertige Lösung an, um autonome Services schnell, sicher und skalierbar zu etablieren, wirbt das Unternehmen. Man sieht sich also anders als der stets vollmundig operierende Pionier Tesla nicht als Konkurrenz für Taxi und ÖPNV, sondern als Ergänzung und Partner der Kommunen - "the german way", wenn man so will. 

„Mit unserem vollautonomen Komplettpaket schaffen wir eine Mobilitätslösung, die in dieser Form einzigartig ist: Städte, Gemeinden und Flottenbetreiber können einfach und zuverlässig autonome Mobilität für alle bereitstellen. Unsere fahrerlosen ID. Buzz-Shuttles sind Teil eines vollvernetzten 360- Grad-Pakets aus führender Technologie, attraktivem Fahrzeugangebot, intelligentem Flottenmanagement und kundenorientiertem Buchungssystem – alles aus einer Hand, schnell in Flottenstärke auf die Straße skalierbar", schwärmt Oliver Blume, CEO der Volkswagen Group.

Damit sieht Blume den Konzern sogar in der Spitzengruppe eines "milliardenschweren globalen Wachstumsmarkts" positioniert. Hamburg bildet dabei den Startpunkt, wobei hier in der Anfangsphase immer noch ein Sicherheitsfahrer mit an Bord sein muss, weswegen innen anders als bei Teslas Robo-Taxi namens Cybercab noch ein Fahrersitz verbaut ist. Ab 2026 will VW "nachhaltige, autonome Mobilität in großem Maßstab" in Europa und den USA verfügbar machen.

Anti-Tesla: Lieber auf "Nummer sicher"

Und geht dabei auf "Nummer sicher": Denn anders als bei Tesla, wo der risikofreudige Chef Elon Musk auf "Vision only" setzt, sprich Kombi aus Kamera und Software, verbaut VW nicht weniger als 27 Sensoren, davon 13 Kameras, neun Lidar-Laserradare sowie fünf Radare. Damit sollen auch Redundanzen geschaffen werden, wenn mal ein Baustein ausfällt, trotz der aufwändig verbauten Schutz- und Reinigungstechnik. Die Kalifornier haben angekündigt, schon kurz nach Präsentation eines Prototyps mit dem gewerblichen Einsatz loslegen zu wollen. "The germans" legen da mehr Wert auf Gründlichkeit und testen sei zwei Jahren die Mobiley-Technologie, was das Zeug hält. 600.000 Testkilometer mit 100 Prototypen wurden absolviert, auch am Münchner Flughafen, in Hamburg, Wintertests in Oslo oder in Austin, der Tesla-Heimat. Und die Erpropung "läuft und läuft" - geplant bis Ende 2026, eher noch bis 2027. Man wählt bei VW also lieber den schwierigen, aber sicheren Weg.

„Mit dem ID. Buzz AD wird Zukunftstechnologie marktreif. In einer vollautonomen Gesamtlösung aus Fahrzeug und Software bündeln wir unsere technologische Kompetenz und setzen gezielt auf Künstliche Intelligenz. Unser Ziel ist es, intelligente Mobilitätslösungen zu schaffen, die in Europa und weltweit einsatzfähig sind. Damit leisten wir einen konkreten Beitrag zur technologischen Souveränität und zur Stärkung des Automobilstandorts Deutschland in einem hochdynamischen Innovationsfeld“, erklärt Christian Senger, CEO der Volkwagen Autonomous Mobility.

Ambitioniert: Alle Komponenten in einer Lösung

Die Gesamtlösung will alle Komponenten bündeln, um aus einem autonomen Fahrzeug ein einsatzbereites Mobilitätssystem zu schaffen. Sie besteht aus einem nach Automobilstandards homologiertem Fahrzeug inklusive selbstfahrendem System von Mobileye sowie einer eigens entwickelten Autonomous Driving Mobility as a Service (AD MaaS) Ecosystem Platform. Die Software steuert unter Einsatz von Künstlicher Intelligenz Flotten in Echtzeit, unterstützt automatisiert die Fahrgäste, überwacht die Sicherheit und integriert sich nahtlos in bestehende Buchungs-Apps. Zugleich erfüllt sie zentrale regulatorische Anforderungen für Fahrzeuge mit Automatisierungslevel 4 nach SAE-Standard, etwa zur Fernüberwachung und zum sicheren Umgang mit Ausnahmesituationen wie Rettungseinsätze. Ergänzt wird das Angebot durch einen dritten Baustein, dem so genannten Operator Enablement. Betreiber von Flotten autonomer Fahrzeuge erhalten dabei die volle Unterstützung, um ein AD-Ökosystem zu implementieren und zu betreiben – von Simulation und Schulung über Betriebsaufnahme bis zum Live-Monitoring im Alltag. 

„Mobilität ist ein menschliches Grundbedürfnis. Künstliche Intelligenz eröffnet völlig neue Möglichkeiten, um Menschen Zugang zu flexibler, geteilter, komfortabler und bezahlbarer Mobilität zu verschaffen“, sagt Sascha Meyer, CEO von MOIA. Autonome Fahrzeuge können dazu beitragen, Herausforderungen wie den zunehmenden Fahrermangel oder die geringe Nachfrage in ländlichen Regionen zu bewältigen. „Mit dem AD-Ökosystem und dem ID. Buzz AD schaffen wir ein Mobilitätsangebot, mit dem Betreiber autonomer Flotten sowohl Städte, Vororte als auch ländliche Räume gleichermaßen erreichen können“, zeigte sich Sascha Meyer weiter überzeugt.

Hergestellt werden soll es im Werk von VW Nutzfahrzeuge in Hannover, das weitere Auslastung gut gebrauchen kann, nachdem der "normale" ID. Buzz sich schlecht verkauft. Es gehe um große Stückzahlen, meint Senger gegenüber dpa und glaubt, in Europa der führende Anbieter sein zu können. Weit über 10.000 Stück will VW von der nun präsentierten ersten Generation des ID Buzz AD ausliefern. Die ersten 1.000 sollen bereits bis Ende 2027 auf die Straße kommen. Allein der Fahrdienst Uber, mit dem die Wolfsburger im April eine Kooperation in den USA vereinbart hatten, wolle innerhalb von zehn Jahren bis zu 10.000 Fahrzeuge abnehmen, sagte Senger. In Hamburg, wo ursprünglich von einem Start des Regelbetriebs 2026 die Rede war, soll es 2027 losgehen. Mittelfristig könnte die Flotte dort auf 500 selbstfahrende E-Bullis wachsen, ergänzte Sascha Meyer vom VW-eigenen Sammeltaxianbieter Moia, der die Fahrzeuge in Hamburg betreibt. Auch wenn man damit rechnet, dass das Business anfangs ein Zuschussgeschäft ist, sieht Senger trotzdem "die große Chance, auch eine Zukunftsmöglichkeit für den VW-Konzern zu schaffen", das sich langfristig eben doch auszahle. An Privatkunden verkaufen will man das High-Tech-Modell allerdings nicht, der Preis könnte niedrig sechsstellig sein. 

Für die Breite oder doch eher eine Nische?

Für die autonomen Bullis spricht der aktuell weiter verschärfte Fahrermangel, wobei anfänglich ja eher noch zusätzliches Personal benötigt wird, um auf Nummer sicher zu gehen. Auch die erzieherische Wirkung der strikt nach StVO-Vorschrift und ohne "Tempotoleranz" programmierten Robo-Bullis auf das verkehrliche Umfeld könnte ein positiver Aspekt sein. Fraglich ist aus Betreibersicht allenfalls das Anwendungsszenario: Zum einen ist der ID.Buzz nicht barrierefrei, stets ein wichtiger Aspekt. Zum anderen dürfte der Einsatz in ländlichen Kommunen, wo der ÖPNV häufiger dünn ausgebaut ist, nicht lohnen und in Gebieten, wo Linien regelmäßig zumindest halbausgelastet fahren, kaum rentabel sein. Bleibt die Klientel in suburbanen Räumen, der das Angebot des ÖPNV nicht genügt und nicht flexibel genug ist. Die Berliner BVG hat schon mal Interesse bekundet, mit dem Hamburger Verkehrsverbund (hvv) kooperiert man ohnehin schon. Hier könnte die Flotte auf 500 autonome Kleinbusse wachsen. Und der Verband der Verkehrsunternehmen fordert für die teure Robo-Shuttles eine "Anschubfinanzierung von der Regierung" über drei Milliarden Euro, damit es überhaupt losgehen kann, mit dem autonomen Service. Ob das alles genügt, dem Robo-Bulli einen Schub in die Skalierung zu geben, wird sich zeigen.