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Lkw-Konzept: DHL testet E-Lkw mit Reichweitenverlängerer

DHL hat in einem Praxistest den neu entwickelten E-Lkw Scania-Hybrid mit Reichweitenverlängerer getestet. Das Ergebnis waren über 90 Prozent CO₂-Einsparung, 22.000 elektrische Testkilometer und stabile Betriebsabläufe.

Der neuer Scania-Hybrid spart 16 Tonnen CO2 in 100 Tagen. Tobias Meyer, CEO der DHL Group erklärt Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder den batterieelektrischen Scania-Lkw mit Range Extender. | Bild: DHL
Der neuer Scania-Hybrid spart 16 Tonnen CO2 in 100 Tagen. Tobias Meyer, CEO der DHL Group erklärt Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder den batterieelektrischen Scania-Lkw mit Range Extender. | Bild: DHL

Die DHL Group hat auf dem International Transport Forum der OECD in Leipzig ein neues Lkw-Konzept präsentiert, das in Zusammenarbeit mit dem Nutzfahrzeughersteller Scania entwickelt wurde. Der sogenannte „Extended Range Electric Vehicle“ (EREV) kombiniert einen batterieelektrischen Antrieb mit einem kraftstoffbetriebenen Stromgenerator, der ausschließlich als Backup zur Stromversorgung der Batterie dient.

Der EREV ist ein 10,5 Meter langer Lkw (ohne Anhänger) mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 40 Tonnen, angetrieben von einem 230-kW-Elektromotor (295 kW Peak). Die Energie kommt derzeit beim Prototyp aus einer 416-kWh-Batterie und einem kraftstoffbetriebenen 120-kW-Generator. Die nächste Version wird voraussichtlich eine größere Batterie mit 520-kWh erhalten. EREVs können mit einer Software ausgestattet werden, die die Nutzung des kraftstoffbetriebenen Generators einschränkt, um eine garantierte Reduzierung der Treibhausgasemissionen sicherzustellen und diese auf ein bestimmtes Niveau zu begrenzen. Die Höchstgeschwindigkeit des Lkw ist auf 89 km/h begrenzt, das Fassungsvermögen liegt bei rund 1.000 Paketen (Volumen einer Wechselbrücke). Außerdem kann der Lkw einen Anhänger mit einer weiteren Wechselbrücke ziehen.

Nach den ersten 100 Tagen im regulären Logistikbetrieb zieht DHL eine positive Zwischenbilanz: Der EREV ermöglicht nicht nur stabile Abläufe, sondern reduziert die CO₂e-Emissionen gegenüber einem konventionellen Diesel-Lkw um mehr als 90 Prozent.

Praxisgerechter Testbetrieb zwischen Berlin und Hamburg

Seit Februar ist der EREV im Unternehmensbereich Post & Paket Deutschland im Einsatz. Auf der rund 250 Kilometer langen Strecke zwischen den Paketzentren in Ludwigsfelde bei Berlin und Hamburg legte das Fahrzeug bereits etwa 22.000 Kilometer zurück. Dabei wurde der Reichweitenverlängerer nur in Ausnahmefällen – bei kalten Temperaturen oder nicht verfügbaren Ladestationen – eingesetzt. In 91,9 Prozent der Zeit fuhr der Lkw rein elektrisch. Insgesamt konnten rund 16 Tonnen CO₂e-Emissionen eingespart werden.

Technologiekonzept mit operativem Vorteil

Das EREV-Konzept unterscheidet sich von konventionellen Hybridfahrzeugen: Der Generator treibt nicht direkt die Antriebsachse an, sondern speist lediglich die Batterie nach. Dadurch bleibt das Fahrzeug ein reiner Elektro-Lkw mit zusätzlicher Energiereserve. Für den Logistikbetrieb bietet dies entscheidende Vorteile, insbesondere hinsichtlich Flexibilität und Planungssicherheit – Faktoren, die für stabile Transportketten unerlässlich sind.

Zukunftsperspektive und politische Rahmenbedingungen

Die nächste Generation des EREV solle mit einer größeren Batterie (520 kWh statt derzeit 416 kWh) ausgestattet werden, so eine Erkenntnis. Auch die Softwaresteuerung des Generators sollte weiterentwickelt werden, um die Emissionen zusätzlich zu begrenzen.

DHL sieht in der Technologie großes Potenzial für den emissionsarmen Straßengüterverkehr. Voraussetzung für eine breitere Markteinführung ist jedoch eine politische und regulatorische Anerkennung. So fordert DHL eine Anpassung der Straßenmautgesetzgebung und die Einführung einer emissionsbasierten Fahrzeugklasse, die die realen CO₂-Einsparungen von EREVs berücksichtigt. Auch der Einsatz erneuerbarer Kraftstoffe für den Generator könne perspektivisch die Umweltbilanz weiter verbessern.

„Wir alle - Unternehmen, Politik und Gesellschaft - wollen weniger Emissionen durch erhöhte E-Mobilität im Güterverkehr. Gleichzeitig wissen alle Experten, dass der Übergang zu vollelektrischen Lkw viele Jahre dauern wird, hauptsächlich weil das Stromnetz und die Ladeinfrastruktur unzureichend sind. Aber wir sollten nicht gezwungen sein zu warten. Wir brauchen pragmatische Lösungen wie den EREV und zügige politische Entscheidungen, um solche Brückentechnologien zu ermöglichen. Wir wollen den Verkehrssektor jetzt dekarbonisieren. Die Regulierung sollte uns dabei unterstützen, nicht behindern“, so Tobias Meyer, Vorstandsvorsitzender der DHL Group.

Technologie ist einsatzbereit – jetzt sind die politischen Weichen gefragt

Die Ergebnisse des 100-Tage-Tests zeigen, dass EREVs eine praxistaugliche Brückentechnologie auf dem Weg zur vollständigen Elektrifizierung des Schwerlastverkehrs darstellen. DHL betont, dass man bereit sei, weitere Fahrzeuge einzusetzen – sofern die rechtlichen Rahmenbedingungen dies entsprechend honorieren.