Künstliche Intelligenz in der Logistik: Große Erwartungen, wenig Umsetzung
Künstliche Intelligenz gilt vielen Logistikunternehmen als Schlüsseltechnologie der Zukunft. Doch der Einsatz im Alltag bleibt bislang begrenzt. Das zeigt der „Logistics Trend Compass 2025“ der Digitalspedition Forto. Für Transportunternehmen ergeben sich daraus klare Handlungsfelder – aber auch Hinweise auf verbreitete Hürden.
Der Studie zufolge wird der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) und maschinellem Lernen (ML) die Logistikbranche in den kommenden Jahren tiefgreifend verändern. Während jedoch Fach- und Führungskräfte in KI-gestützten Anwendungen den wichtigsten Zukunftstrend ihrer Branche sehen, bleibt die Umsetzung deutlich hinter den Erwartungen zurück.
Wie Forto berichtet, nannten 40 Prozent der Befragten KI- und ML-Technologien als wichtigsten Trend. Mehr als die Hälfte (53 Prozent) erwartet einen hohen oder sehr hohen Einfluss auf die eigene Branche innerhalb der nächsten fünf Jahre. Besonders hoch ist diese Einschätzung im Supply-Chain-Management. Doch die Realität sieht anders aus: Nur 12 Prozent der Unternehmen setzen KI bereits umfassend ein. Gerade einmal drei Prozent stufen die Technologien heute als geschäftskritisch ein. Der Großteil testet noch oder beschränkt sich auf einzelne Anwendungen.
Für Manager in Transport- und Logistikunternehmen, insbesondere im straßengebundenen Güterverkehr, liefern diese Zahlen eine klare Botschaft: Wer sich früh mit konkreten Einsatzszenarien befasst, kann sich im Wettbewerb besser positionieren. Die Studienergebnisse zeigen jedoch auch, dass viele Unternehmen mit strukturellen Hürden ringen. Die größten Barrieren seien, so Forto hohe Investitionskosten, fehlendes technisches Know-how und Bedenken beim Datenschutz. 41 Prozent der Befragten nennen die Kosten als Hauptgrund für die zögerliche Einführung von KI, gefolgt von Sicherheitsbedenken (36 Prozent) und fehlenden Ressourcen (35 Prozent).
„Das Potenzial von KI-Technologien ist inzwischen in weiten Kreisen unserer Branche anerkannt“, sagt Guillaume Petit-Perrin, Geschäftsführer von forto. „Unsere Studie offenbart aber gleichzeitig eine erhebliche Diskrepanz zwischen Erwartung und Realität.“
Kamil B. Rodoper, bei Forto für Produktentwicklung und Technologie verantwortlich, betont die Bedeutung klarer Prioritäten: „Wer die Potenziale von KI – und insbesondere generativer KI – erkennt und branchenspezifische Herausforderungen strategisch priorisiert, wird die Logistik von morgen prägen.“ Rodoper verweist auf Erfahrungen mit dem KI-Agenten „Flash by forto“, der operative Teams entlang des gesamten Sendungsverlaufs mit Handlungsempfehlungen unterstützt. Ziel sei es, Routinetätigkeiten zu reduzieren und das Fachpersonal stärker auf Kundenbedürfnisse auszurichten.
Neben KI nennt die Studie Nachhaltigkeit als weiteren wichtigen Trend. Allerdings spielt sie bei der Wahl von Spediteuren nur eine untergeordnete Rolle. Unter der Voraussetzung gleicher Kosten geben lediglich neun Prozent der Befragten Nachhaltigkeit als entscheidendes Kriterium an. Wesentlich wichtiger seien Dienstleistungsqualität (41 Prozent) sowie der Einsatz digitaler Technologien (22 Prozent).
Bleibt also als zentrale Erkenntnis für Transportunternehmen im Straßengüterverkehr: Wer heute in strategische Digitalisierungsinitiativen investiert und Mitarbeitende befähigt, KI-Technologien sinnvoll zu nutzen, schafft sich echte Wettbewerbsvorteile – und bleibt nicht auf der Strecke.