LKW

Kühllogistik auf Kurs: Binnenschiff statt Lkw

Damit Emissionen sinken: Auf dem Cool Corridor sollen temperaturgeführte Container statt per Lkw auf das Binnenschiff fahren. Damit setzen DeltaPort und Partner auf ein neues Logistikkonzept.

Diskutierten über Liefersicherheit, Resilienz und eine nachhaltige und klimafreundliche Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln (v.l.n.r.): Gunnar Platz (Planco Consulting GmbH) der die lebhafte Runde moderierte, Andreas Stolte (Geschäftsführer DeltaPort Niederrheinhäfen GmbH), Henk Heuvelman (Geschäftsführer HTS-Group als Betreiber des wasserstoffbetriebenen Binnenschiffs Letitia), Britta Bartels (geschäftsführende Gesellschafterin Nordfrost) und Hanna Stelzel (Direktorin Containersektor Port of Rotte
Diskutierten über Liefersicherheit, Resilienz und eine nachhaltige und klimafreundliche Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln (v.l.n.r.): Gunnar Platz (Planco Consulting GmbH) der die lebhafte Runde moderierte, Andreas Stolte (Geschäftsführer DeltaPort Niederrheinhäfen GmbH), Henk Heuvelman (Geschäftsführer HTS-Group als Betreiber des wasserstoffbetriebenen Binnenschiffs Letitia), Britta Bartels (geschäftsführende Gesellschafterin Nordfrost) und Hanna Stelzel (Direktorin Containersektor Port of Rotte

DeltaPort Niederrheinhäfen hat auf der Transport Logistic in München ein Pilotprojekt vorgestellt, das temperaturgeführte Transporte klimafreundlicher gestalten soll. Unter dem Titel Cool Corridor wollen die Projektpartner Reefer-Container künftig verstärkt per Binnenschiff statt mit dem Lkw ins Hinterland bringen. Erklärtes Ziel ist es, Emissionen zu senken und die Lieferketten effizienter und nachhaltiger zu gestalten.

Dem Vernehmen nach stammt die Idee zum Cool Corridor von Andreas Stolte, Geschäftsführer des Hafenverbunds Deltaport, zu dem die Häfen in Wesel, Voerde-Emmelsum, Emmerich und Rheinberg-Orsoy gehören. Das Projekt sieht vor, temperaturgeführte Container direkt vom Rotterdamer Hafen über den Rhein zum Rhein-Lippe-Hafen Wesel zu bringen – mit einem Binnenschiff, das mit Wasserstoff betrieben wird.

Stolte erklärte während einer Podiumsdiskussion in München, dass die Logistikbranche ihren Beitrag zur Verkehrswende leisten müsse.

„Wir müssen Güterströme von der Straße auf die klimafreundlicheren Verkehrswege Wasser und Schiene verlagern“, sagte er.

Der bisherige Transportweg über die Straße sei nicht nur teuer, sondern auch klimaschädlich. Kühlcontainer würden bislang in Rotterdam entladen und per Lkw zu den Zielorten gebracht. Der Cool Corridor soll diese Kette unterbrechen und die Container auf dem Wasser ins Hinterland bringen.

„Ich bin fest überzeugt, dass wir mit dem ,Cool Corridor‘ einen großen Anteil zur Verkehrswende und zur Emissionsreduzierung leisten können“, betonte Stolte.

Die Umsetzung des Projekts erfolgt in Zusammenarbeit mit dem Hafen Rotterdam, der HTS-Group und dem Tiefkühllogistiker Nordfrost. Hanna Stelzel vom Port of Rotterdam verwies auf die Bedeutung des Hafens für die europäische Versorgungssicherheit. Über 75 Prozent der umgeschlagenen Waren seien keine Konsumgüter, sondern Lebensmittel und Produktionsgüter. In diesem Kontext sei es entscheidend, die Transportwege klimafreundlich zu gestalten.

„Innovative Konzepte, die einen so großen Mehrwert für das Klima und die Gesellschaft haben, können wir nur gemeinsam umsetzen“, sagte sie.

Die enge Zusammenarbeit öffentlicher und privater Akteure sowie die grenzüberschreitende Kooperation seien dafür unerlässlich.

Ein Schlüsselelement des Projekts ist das Binnenschiff Letitia, das mit Wasserstoff betrieben wird. Es wird von der HTS-Group betrieben und mit sogenannten H2TankTainern betankt. Henk Heuvelman von der HTS-Group stellte die technischen Details vor. Die Entwicklung des Schiffs sei in Zusammenarbeit mit mehr als 40 Partnern aus sechs Ländern erfolgt.

„Die wasserstoffbetriebene Binnenschifffahrt hat eine große Zukunft in Europa. Projekte wie der Cool Corridor zeigen, wie wir Logistikketten CO2-sparend umgestalten können“, sagte Heuvelman.

Am Zielort Wesel betreibt Nordfrost ein neues Multitemperatur-Kühlhaus mit 26.500 Quadratmetern Fläche. Dort werden die Container entladen, gelagert und weiterverteilt. Nordfrost übernahm auch den Betrieb des Terminals.

Geschäftsführerin Britta Bartels erklärte: „Durch die Nutzung des Cool Corridors optimieren wir Warenströme, reduzieren Straßenverkehre auf die letzte Meile und entlasten die Umwelt in puncto CO2.“

Das Terminal ermögliche zudem eine durchgängige Abwicklung ohne Leerfahrten.

Während der Veranstaltung wurde deutlich, dass das Projekt nicht nur auf technischer, sondern auch auf organisatorischer Ebene neue Wege geht. Effizientere Inspektionsprozesse und verkürzte Standzeiten in Rotterdam sollen den Modal Split verbessern.

Stelzel betonte: „Als Port of Rotterdam arbeiten wir eng mit der Wirtschaft und den Inspektionsbehörden zusammen, um diese Effizienzsteigerungen zu realisieren.“

Die abschließende Diskussion, moderiert von Gunnar Platz von Planco Consulting, stellte den Bezug zur aktuellen weltpolitischen Lage her. Lieferketten müssten widerstandsfähiger, sicherer und nachhaltiger werden. Platz formulierte es so:

„Nur durch eine grenzüberschreitende und vertrauensvolle Zusammenarbeit und den Mut aller Beteiligten, neue Wege zu gehen, können wir die großen Herausforderungen für die Gesellschaft und die Umwelt meistern.“

Der Cool Corridor befindet sich noch im Aufbau. Die Beteiligten sehen im Projekt jedoch ein zukunftsfähiges Modell für eine klimafreundliche Logistik im temperaturgeführten Segment – und setzen auf eine Ausweitung des Konzepts entlang anderer Transportachsen.