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Klimaschutz im Straßengüterverkehr: Verbände fordern höhere THG-Quote

Damit der Verkehr klimafreundlicher wird, setzen 19 Verbände auf eine höhere THG-Quote. Sie fordern eine Erhöhung auf mindestens 40 Prozent bis 2030 – und eine technologieoffene Umsetzung. Damit stehen sie im Widerspruch zu den Elektromobilitätsverbände, die eine Priorisierung der Ladeinfrastruktur fordern.

Erneuerbare Kraftstoffe im Fokus: Ein Verbändebündnis fordert eine höhere THG-Quote, um den Einsatz alternativer Energieträger im Verkehr voranzutreiben. (Foto: Pixabay)
Erneuerbare Kraftstoffe im Fokus: Ein Verbändebündnis fordert eine höhere THG-Quote, um den Einsatz alternativer Energieträger im Verkehr voranzutreiben. (Foto: Pixabay)

Ein breites Branchenbündnis fordert die künftige Bundesregierung auf, die CO2-Emissionen im Verkehr mit einer ambitionierten Treibhausgasminderungsquote (THG-Quote) zu senken. Die 19 Verbände aus den Bereichen Automobilindustrie, Logistik, erneuerbare Kraftstoffe und Kfz-Gewerbe plädieren für eine Anhebung der THG-Quote auf mindestens 40 Prozent bis 2030.

Was ist die THG-Quote?

Die THG-Quote verpflichtet Mineralölunternehmen, den CO2-Ausstoß ihrer Kraftstoffe zu reduzieren. Dies kann durch Beimischung erneuerbarer Kraftstoffe, den Einsatz von grünem Wasserstoff oder den Handel mit THG-Quoten erfolgen. Zugleich können Unternehmen, die besonders emissionsarme Energieträger wie Biokraftstoffe oder eFuels anbieten, ihre eingesparten Emissionen als Quote verkaufen.

THG-Quote als zentrales Steuerungselement

Laut dem Verbändebündnis, das unter anderem vom ADAC, dem Bundesverband Spedition und Logistik (DSLV), dem Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) sowie der eFuel Alliance getragen wird, ist die THG-Quote ein Schlüsselinstrument zur CO2-Reduktion im Verkehrssektor.

„Die THG-Quote ist ein wichtiges Instrument, um CO2-Emissionen im Verkehrssektor zu reduzieren. Ein ambitioniertes Quotenniveau von 40 Prozent bis 2030 fördert die Nutzung aller einsetzbaren Technologien. Gleichzeitig sorgt es dafür, dass den Verbrauchern zukunftsfähige und nachhaltige Energien zur Verfügung stehen“, so Karsten Schulze, Technikpräsident des ADAC.

Kritik an der bisherigen Quote

Dem bereits Ende 2024 gegründeten Verbändebündnis hat sich kürzlich auch der Verband der Automobilindustrie (VDA) angeschlossen. Dessen Präsidentin Hildegard Müller kritisiert die aktuelle Regelung:

„Die aktuelle THG-Quote reicht nicht aus, um das nationale CO2-Reduktionsziel von 100 Prozent im Jahr 2045 zu erreichen. Im Gegenteil: Sie wirkt wie ein Deckel und bremst den Hochlauf nicht nur dringend benötigter Energieträger wie erneuerbaren Kraftstoffen, sondern auch von Ladestrom.“

Investitionsanreize notwendig

Neben der Erhöhung der Quote fordern die Verbände eine langfristige Investitionssicherheit.

„Damit sich erneuerbare Energien im Verkehr durchsetzen, brauchen Anbieter Perspektive und langfristige Investitionssicherheit. Das gilt für den Ladesäulenbetreiber ebenso wie für den Produzenten von Wasserstoff, Biokraftstoffen oder eFuels“, betont Elmar Baumann, Geschäftsführer des Verbands der Deutschen Biokraftstoffindustrie.

Ein zusätzlicher Mechanismus zur automatischen Quotenanpassung sei laut Wilko Eggers, Vorstand des Bundesverbands THG-Quote, essenziell:

„Wenn mehr erneuerbare Energien im Verkehr angeboten werden als vorhergesehen, sollte die THG-Quote automatisch in den Folgejahren erhöht werden, damit alle Beiträge zum Klimaschutz genutzt werden können.“

Technologieneutrale Lösungen gefordert

Ein zentraler Punkt des Forderungskatalogs ist die technologieoffene Gestaltung des Verkehrssystems.

„Das Verkehrssystem der Zukunft ist technologisch flexibel und passt seine Energieträger an den jeweiligen Bedarf und die Gegebenheiten an“, erklärt Ralf Diemer, Hauptgeschäftsführer der eFuel Alliance.

Ein konkreter Vorschlag aus dem Verbändebündnis ist die Einführung einer Unterquote für eFuels.

„Das schafft Sicherheit für Investitionsentscheidungen in dieser frühen Marktphase und macht den Standort Europa attraktiv für Unternehmen“, so Diemer weiter.

Politischer Handlungsbedarf

Die 19 Verbände drängen darauf, dass die neue Bundesregierung rasch eine ambitionierte nationale Umsetzung der Erneuerbare-Energien-Richtlinie (RED III) vorantreibt. Angesichts der steigenden Klimaschutzziele sehen sie eine Verschärfung der THG-Quote als entscheidenden Hebel zur Dekarbonisierung des Verkehrssektors.

Unumstritten ist die Forderung nach einer 40-Prozent-THG-Quote für den Straßenverkehr allerdings nicht. Während nämlich die eFuel Alliance und die Biokraftstoffindustrie auf synthetische und biogene Kraftstoffe setzen, betonen Elektromobilitätsverbände die Notwendigkeit, den Ausbau der Ladeinfrastruktur zu priorisieren. Zugleich werden Wasserstoff und biogene Kraftstoffe für Flugverkehr und Schifffahrt ebenso dringend benötigt, wie für die produzierende Industrie.