LKW

Hamburg: Neue Partnerschaft beschleunigt Ausbau von Lkw-Ladepunkten

Helio und Nanuq starten ein Beteiligungsmodell für Ladeinfrastruktur. Erste Standorte in Nord- und Westdeutschland sollen noch 2025 entstehen.

Neue Hochleistungsladepunkte im Schwerlastverkehr: Aufbau und Betrieb solcher Anlagen erfordern erhebliche Investitionen und klare Zuständigkeiten. (Foto: Hypr.Partners)
Neue Hochleistungsladepunkte im Schwerlastverkehr: Aufbau und Betrieb solcher Anlagen erfordern erhebliche Investitionen und klare Zuständigkeiten. (Foto: Hypr.Partners)

Die Europäische Union hat sich ehrgeizige Ziele für den Straßengüterverkehr gesetzt. Bis zum Jahr 2030 soll nach EU-Vorgaben mehr als jeder dritte Lastwagen elektrisch fahren. Für die Transport- und Logistikbranche bedeutet dies einen tiefgreifenden Wandel, der nicht allein von der Fahrzeugtechnik abhängt. Entscheidend ist vor allem der Aufbau einer funktionierenden Ladeinfrastruktur.

Politische Ziele und aktuelle Ausgangslage

Wie Zahlen des Hamburger Unternehmens Helio und des Ladeinfrastruktur-Spezialisten Nanuq nahelegen, existieren jedoch derzeit in Deutschland weniger als 300 öffentliche Ladepunkte für schwere Nutzfahrzeuge. Um die europäischen Vorgaben zu erreichen, müssten Tausende zusätzliche Standorte im öffentlichen Raum entstehen. Darüber hinaus seien bis zu 100.000 Ladepunkte auf Betriebshöfen erforderlich, heiße es dazu in einer gemeinsamen Verlautbarung beider Unternehmen.

Investitionsbedarf und Hemmnisse

Für den europaweiten Ausbau der Ladeinfrastruktur wird der Kapitalbedarf auf rund 22 Milliarden Euro geschätzt. Speditionen und Flottenbetreiber sehen sich demnach gleich mit mehreren Hürden konfrontiert. Einerseits seien die notwendigen Investitionen hoch, andererseits würden langwierige Genehmigungsverfahren die Umsetzung bremsen. Zudem mangele es vielen Unternehmen am Zugang zu Kapital.

„Der Umstieg auf elektrische Lkw scheitert heute weniger am Willen der Unternehmen als an der Realität: fehlende Ladepunkte, hohe Investitionskosten und komplexe Genehmigungsprozesse“, erklärt Fabrice Kathmann, Geschäftsführer von Nanuq.

Marktorientierte Lösungsansätze

Vor diesem Hintergrund setzen Helio und Nanuq auf ein marktbasiertes Modell. Helio bringt dabei privates Kapital von Bürgerinnen, Bürgern und mittelständischen Investoren in die Projekte ein. Nanuq übernimmt Planung, Bau und Betrieb der Ladepunkte.

Die Partner sprechen von einer arbeitsteiligen Lösung: Investoren finanzieren die Infrastruktur, Nanuq realisiert sie, und Logistikunternehmen zahlen ausschließlich für die geladene Energiemenge. Die sonst notwendige Kapitalbindung entfällt damit für die Flottenbetreiber.

„Mit Solarparks und Batteriespeichern haben wir gezeigt, dass Bürgerinnen und Bürger sowie der Mittelstand die Energiewende tragen können und davon profitieren. Ladeinfrastruktur ist der nächste logische Schritt“, betont Fabio Griemens, Gründer von Helio.

Bedeutung für die Branche

Für Speditionen eröffnet dieses Modell die Möglichkeit, ihre Flotten schrittweise auf elektrische Antriebe umzustellen, ohne die hohen Vorlaufkosten selbst schultern zu müssen. Den Angaben von Helio und Nanuq zufolge sollen die ersten Ladepunkte aus der Kooperation bereits 2025 an strategisch wichtigen Logistikstandorten in Nord- und Westdeutschland entstehen. Innerhalb von fünf Jahren wollen die Partner ein flächendeckendes Netz in Deutschland aufbauen.

Nach Einschätzung der beiden Unternehmen reicht die Wirkung über den unmittelbaren Infrastrukturausbau hinaus. Die Einbindung privaten Kapitals stärke die gesellschaftliche Akzeptanz der Energiewende. Vergleichbar mit dem dezentralen Ausbau von Solarparks erhöhe die direkte Beteiligung die Identifikation mit den Projekten und schaffe regionale Wertschöpfung.

Ausblick

Die Elektrifizierung des Schwerlastverkehrs gilt als Schlüssel, um die Klimaziele im Transportsektor zu erreichen. Gleichzeitig zeigt der aktuelle Stand der Ladeinfrastruktur, dass der Weg dorthin noch weit ist. Mit ihren marktorientierten Ansätzen wollen Helio und Nanuq Kapital mobilisieren, Investitionsrisiken verringern und so die Elektrifizierung beschleunigen.

Für Manager in Güterverkehrsunternehmen stellt sich damit die Frage, wie sie solche Modelle in ihre eigene Transformationsstrategie integrieren können. Klar ist: Ohne erheblichen Ausbau der Ladeinfrastruktur wird das Ziel der Europäischen Union kaum zu erreichen sein.