LKW

Güterverkehr unter Druck: Unsicherheiten und Kosten belasten die Branche

Der Verein Netzwerk Logistik (VNL) beleuchtet beim „Powerday Transportmanagement“ die Herausforderungen und Chancen des Transportsektors. Im Fokus: steigende Kosten, Fahrermangel und die Auswirkungen von Digitalisierung und Automatisierung auf den Straßengüterverkehr.

v.l.n.r.: Bernhard Schmaldienst (Transporeon), Georg Reisinger (LogServ), Ralf Schweighöfer (DHL Express), Andreas Breinbauer (FH des BFI Wien) und Alexander Till (Hafen Hamburg). (Foto VNL)
v.l.n.r.: Bernhard Schmaldienst (Transporeon), Georg Reisinger (LogServ), Ralf Schweighöfer (DHL Express), Andreas Breinbauer (FH des BFI Wien) und Alexander Till (Hafen Hamburg). (Foto VNL)

Unter dem Titel „Transportmanagement 2025: Worauf müssen wir uns einstellen?“ diskutierten beim „Powerday Transportmanagement“ in Linz Expertinnen und Experten die Entwicklungen in den Bereichen Straße, Schiene, See- und Luftfracht. Dabei beleuchteten sie die aktuellen Herausforderungen und Chancen im Transportsektor. Nach Linz eingeladen hatte der österreichische Verein Netzwerk Logistik (VNL).

Wegfall von Überkapazitäten und steigende Modernisierungsanforderungen

Kurt Leidinger, stellvertretender Obmann des VNL, hob hervor, dass das Kapazitätsmanagement für Verkehrsträger wie Lkw-Flottenbetreiber, Containerreedereien und Airlines immer wichtiger werde.

„Die Zeiten von Frachtsonderangeboten aufgrund von Überkapazitäten sind vorbei – eine Entwicklung, die essenziell ist, um Investitionen in nachhaltige Frachtkapazitäten zu sicher“, erklärte Leidinger.

Dennoch stehen insbesondere Bahn und Binnenschifffahrt vor großen Herausforderungen. Während die Bahn durch umfangreiche Sanierungsarbeiten im deutschen Streckennetz beeinträchtigt wird, kämpft die Binnenschifffahrt mit einer veralteten Flotte.

„Viele Schiffe sind bis zu 50 Jahre alt und erfordern dringend Modernisierung“, betonte Leidinger.

Straßengüterverkehr: Fahrermangel bleibt drängend

Bernhard Schmaldienst, Senior Director Transport Management bei Transporeon, wies auf die angespannte Lage im Straßengüterverkehr hin. Geopolitische Unsicherheiten und hohe Betriebskosten würden weiterhin Druck auf die Transportwirtschaft ausüben.

„Kapazitätsengpässe und Fahrermangel werden voraussichtlich noch ausgeprägter, während technologische Fortschritte in der Automatisierung und KI die Effizienz steigern werden“, so Schmaldienst.

Seine Prognose: Trotz verhaltener wirtschaftlicher Rahmenbedingungen werden die Transportkosten leicht steigen.

Seefracht: Überkapazitäten in Sicht

Alexander Till, Repräsentant des Hafens Hamburg, zeichnete ein differenziertes Bild der Marktentwicklung in der Seefracht. Laut Till wird die weltweite Containerflotte in den nächsten vier Jahren um etwa 30 Prozent wachsen. Sollte der globale Handel nicht im gleichen Maß zulegen, drohen chronische Überkapazitäten.

„Allerdings haben wir auch gelernt, dass die Reedereien bei Krisen oder kriegerischen Auseinandersetzungen die Raten sehr schnell sehr hoch werden lassen“, erklärte Till.

Die finanzielle Stärke, die Reedereien während der Corona-Pandemie aufgebaut haben, könne langfristig jedoch auch Chancen für kleinere Nischenanbieter eröffnen.

Digitalisierung und Innovation als Schlüsselfaktoren

Neben den Herausforderungen bieten Digitalisierung und Automatisierung Potenzial zur Effizienzsteigerung. Ad-hoc-Transporte und optimierte Einkaufsprozesse gewinnen im Straßengüterverkehr an Bedeutung. Allerdings bleibt der Fahrermangel ein strukturelles Problem, das in wirtschaftlich stärkeren Zeiten noch deutlicher zutage treten dürfte.

Verein Netzwerk Logistik: Treiber der Branche

Der Verein Netzwerk Logistik ist mit mehr als 5.000 Mitgliedern das größte Wirtschaftsnetzwerk im Bereich Logistik in Österreich. Zu den Mitgliedern zählen Unternehmen aus Industrie, Handel und Transport, Forschungs- und Bildungseinrichtungen sowie Technologietransferstellen. Der Verein verfolgt das Ziel, die Logistikkompetenz seiner Mitglieder zu stärken, den Wissens- und Technologietransfer zu fördern und durch innovative Lösungen die Wettbewerbsfähigkeit der Branche zu steigern.