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Geotab Connect 2025: Was Telematik mit Apple und Disney gemein hat

Geotab-Gründer Cawse steckt auh nach einem viertel Jahrhundert immer noch voller Ideen. Dir in der Praxis viel bewirken können. Allerdings macht Geotab das nicht allein – dazu lassen sich immer neue Partner einbinden. Zuletzt auch verstärkt OEMs.

Frau aus der Praxis: Robin Kinsey steht als Vice Presidäntin des Market Places mit beiden Beinen fest im Markt. | Foto: G. Soller
Frau aus der Praxis: Robin Kinsey steht als Vice Presidäntin des Market Places mit beiden Beinen fest im Markt. | Foto: G. Soller

Disneys Spruch, den er einst über Disneyland sagte, würde auf Geotab übertragen wie folgt lauten:  

„Geotab wird nie ganz fertig sein. Es wird weiter wachsen, solang es noch Phantasie in der Welt gibt.“

Und auch Geotab wächst weiter: Was einst mit einzelnen Telematikpunkten auf einer Karte begann, ist heute ein Ecosystem mit etlichen Funktionen, die sich je auf die entsprechenden Nutzenden zuschneiden lassen können. Der Input davon kommt von den Nutzenden selbst. In einer Session mit drei Kundinnen und Kunden freute sich Shea Davis, Fuhrparkleiterin von General Electric in Oregon und seit 30 Jahren im Geschäft: „Das coole an Getoab ist: Immer wenn man eine neue Idee hat und fragt ob das ginge, sagen sie: Ja, wir checken das! Oder haben dafür bereits was im Angebot.“

„Apple der Telematik“

Die Vision von Gründer und CEO Neil Cawse ist interessant: Er sieht sich sein Unternehmen „Apple der Telematik“. Allerdings nicht im Sinne von edler Brand-Awareness, sondern auf die Art, dass sich Geotab immer neu erfindet.

Geotabs Vorteil ist der Einfallreichtum respektive der Sonderwunsch der Kunden. Den man jederzeit „programmieren“ kann. Mittlerweile hat man 445 Partner an Bord und ist 4,7 Millionen Fahrzeugen vertreten und konnte gegenüber 2023 um 12,3% zulegen. Wie man sich das mit den Partneranwendungen vorstellen kann, erläutert Robin Kinsey, Associate Vicepresident Marketplace Geotab. Der „Marketplace“ wurde 2015 gegründet.

Erstes Beispiel sind wieder die Kameraprofis von Lytx. Peter Richards, Fuhrparkmanger von Jetco kam auf sie zu und fragte, ob man etwas gegen den Trailerdiebstahl tun könne und er hatte das Problem, dass oft nicht sauber aufgesattelt wurde: Die Aufsattelschäden, weil der Kingpin nicht sauber getroffen oder die Verriegelung nicht sauber eingerastet war, summierten sich binnen eines Jahres auf 50.000 Dollar. Also: Sensor an die Sattelplatte und Kameras an und in die Trailer – Problem gelöst! Zumal man damit auch Türöffnungen und den Innenraum der Kofferfahrzeuge überwachen konnte.

Auch Werkzeugkisten können Telematik gebrauchen!

Bei J. Becher, einem 1987 gegründeten Unternehmen mit jetzt über 100 Mitarbeitern fragte man nach einem „predictive Coach“, der die Fahrenden dezent unterstützt: Mittlerweile erreicht die Becher-Flotte einen , Safety score von 99,9% und das Ganze habe sich binnen 90 Tagen ausgezahlt. Zudem seien die Fahrer selbst überrascht, wie viel sparsamer und teils auch entspannter sie unterwegs seien, freut sich Kinsey.

Aber auch für Equipment hat man mittlerweile Lösungen: Die Dachspezialisten von Baker Roofing legen im Jahr mit ihrer gesamten Flotte 14 Millionen Meilen zurück. Mit an Bord ist immer wertvolles Werkzeug. Das leider gerne „Beine bekommt“. Zusammen mit den Partnern Blue Arrow und Xtract konnte man nicht nur den Fuhrpark optimieren, sondern auch das teure Werkzeug im Blick behalten.

Anfangs skeptisch, dann begeistert: Oft haben die Lenkenden bald eigene Ideen und Wünsche

Bei SRS Distribution laufen 4000 Fahrzeuge – hier gab es eher Tickets wegen nicht angelegter Gurte und immer wieder überzogener Geschwindigkeiten. Zusammen mit Descartes und Lytx wurde das kontrolliert, was die Lenkdenden dann auch selbst honorierten: So hatte man jeden Monat sieben oder acht Unfälle weniger und die Fahrenden konnten sich bei falscher Anklage verteidigen. In den USA können Advokaten und Gerichtsverfahren ganz extrem teuer werden. Auf die Nachfrage, ob man bei solchen „Überwachungssystemen“ nicht an die Loyalität der Lenkenden stoße, antwortet Kinsey ganz offen: „Klar wollten die Fahrenden von SRS das anfangs natürlich auch nicht, bis die ersten dann fälschlich ausgestellte Tickets zurückgeben konnten. Und dann kamen sie bald mit eigenen Ideen: Könnte man dies oder jenes noch einrichten oder checken?“

Und dafür gibt es eben den Marketplace, denn laut Kinsey gilt:

„One size does not fit all!“

Zumal jedes Unternehmen eigene Systeme hat, in die man die Telematik einbindet. Und da Geotab viele Daten sammelt und man all diese anonym abgleichen kann, interessiert das auch OEMs und Zulieferer. Zweiter Auftritt Sabina Martin, Vice President Product Management, die die neueste Kooperation mit Bosch bekanntgibt.

Segen für gebrauchte Stromer: Die Bosch Battery in the cloud solution

Wir wechseln zum elektrischen Pkw. Mit der Bosch Battery in the cloud solution, die ab März 2025 in der EU und den USA ausgerollt wird, kann man Batteriezertifikate erstellen lassen, was für den Wiederverkauf der Fahrzeuge gut ist und künftig Standard bei gebrauchten Stromern werden dürfte. Auch hier liefert Geotab bereits Hintergründe aus dem Datenpool: Grundsätzlich falle der nutzbare Energiegehalt der Akkus in den ersten zwei Jahren ab – dann halte er sich, bis er nach fünf bis sieben Jahren wieder verschlechtert, aber: Im Schnitt gehe man hier nur von rund zwei Prozent Verlust pro Jahr aus, wo man einst vier annahm und: Auch bei den ältesten und am meisten genutzten Autos habe man über die Breite noch nicht den Punkt gefunden, ab der der Akku dann ganz massiv abbaut. Womit Martin dezente Entwarnung gibt:

„Die Akkus von Elektrofahrzeugen sind unserer Meinung nach viel besser als angenommen.“

Aber auch E-Autos brauchen Service: Mit Noregon entwickelte man Servicepläne, Daten zu Wartung und Service. Solche Servicepläne – wann wurde as gemacht und was rät man für den nächsten Service, werden dann den Flottenmanagenden angezeigt. Denn wie wir gehört haben: Proaktive Wartung ist bis zu 40% billiger als reaktive Wartung – im schlechtesten Fall hatte man dann schon einen Unfall…

Aber auch hier gilt laut Martin: Software ist ein „lebendes atmendes Organ, das immer weiterentwickelt wird.“ Auf die nächsten 25 Jahre!

Was bedeutet das?

Telematik und ihre Anwendungen lassen sich mit Praxisbeispielen immer am besten greifen. Am zweiten Tag der Geotab Connect überlies Gründer Cawse die Bühne seinen Mitarbeitenden und mischte sich mit Geotab-Hoodie und Rucksack unauffällig unters Publikum. Wo er vielleicht schon die nächsten Ideen für künftige Entwicklungen ersann.