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Gekühlt per Lastenrad: Dachser startet Pilot in München

Dachser testet, wie Frischelogistik auch ohne Diesel funktioniert: In München läuft ein Pilotprojekt zur emissionsfreien Belieferung per Lastenrad. Dreh- und Angelpunkt ist der neue XXL-Radlogistikhub an der alten Paketposthalle. Mit an Bord: clevere Kühltechnik von GreenZen und MBM – aktiv und passiv gekühlt.

Großer Bahnhof für kleine Laster: Im Beisein von Münchnens Oberbürgermeister Dieter Reiter und Mobilitätsreferent Georg Dunkel launchte Dachser offiziell die Premiere für Kühllogistik per Cargobike in München. | Foto: J. Reichel
Großer Bahnhof für kleine Laster: Im Beisein von Münchnens Oberbürgermeister Dieter Reiter und Mobilitätsreferent Georg Dunkel launchte Dachser offiziell die Premiere für Kühllogistik per Cargobike in München. | Foto: J. Reichel

Der Kemptener Logistiker Dachser hat im Zuge der Eröffnung des neuen XXL-Radlogistikhubs in München ein Pilotprojekt in der Innenstadt gestartet, bei dem Lebensmittel per Lastenrad und speziellen Transportbehältern gekühlt geliefert werden. Der Pilot soll Erkenntnisse liefern, wie die emissionsfreie Innenstadtbelieferung mit Frigofracht effizient und wirtschaftlich funktioniert. Das zweimonatige Pilotprojekt wird von Dachser Food Logistics München mit Sitz in Neufahrn umgesetzt. Gemeinsam mit dem Partner B4B Logistics sowie den Unternehmen DENSO mit deren Marke GreenZen Solutions und MBM testet man bereits seit Ende Juni zwei Technologien in der Münchner Innenstadt, um gekühlte Sendungen flexibel, leise und emissionsfrei per Lastenrad zuzustellen.

Knapp 200 Aufträge wurden bereits ausgeführt, 20 Kilometer pro Tour waren problemlos umsetzbar, weitere Optimierungen im Betrieb bereits im Gange, wie Stefan Behrendt, Managing Director Food Logistics bei Dachser, vor Ort berichtet. Für den Start stehe die Wirtschaftlichkeit dabei noch nicht so sehr im Fokus, sondern die Machbarkeit, betonte er. Die Impulse kämen hier sowohl von den Kunden, die emissionsfreie Lieferlösungen wünschten, wie auch allgemein vom Klimaschutzreglement der EU. Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter begrüßte den Vorstoß als potenzielle Verkehrsentlastung und sieht speziell auch im Lebensmittelbereich, etwa bei Metzgereien eine plausible Anwendung. Er wolle sich dafür auch bei den Innungen und Verbänden einsetzen, versicherte der SPD-Politiker. 

Raffinierte Aufbautechnik mit aktiver und passiver Kühlung

Zum Einsatz kommt dabei ein Lastenrad mit einem isolierten, seitlich und heckseits zugänglichen Container (0,8-1,4 m³) und batteriebetriebenen Kühlaggregat von GreenZen Solutions mit einer Nutzlast von 190 Kilogramm. Diese aktive Kühllösung ist für eine verlässliche Innenstadtbelieferung mit Sensoren und einem Konnektivitätsmodul ausgestattet, sodass eine kontrolliert geschlossene Kühlkette mit Echtzeitdaten realisierbar ist. Das im Mietkonzept vertriebene Modell namens Last Mile Climate Control Cube (LMCC, bisher 2-7°, bald auch 2-25°) verfügt über einen tauschbaren Akku, um mehrere Umläufe darzustellen. Zudem wird ein Anhänger mit einem Aufbau von MBM genutzt, der über eine passive Kühlung mittels Kühlakkus und Ventilatoren verfügt. Der Anhänger fasst dann eine ganze Europalette mit bis zu 400 Kilogramm Gesamtgewicht und erweitert das Spektrum auf gebündelte Kühlfracht respektive Stückgut.

 

Aus dem Hub in den Shop

Für die Zustellung in der Innenstadt per Lastenrad werden die Sendungen zunächst von der Niederlassung in Neufahrn zum neuen Radlogistik-Hub an der Paketposthalle in der Wilhelm-Hale-Straße gebracht. Darunter sind verschiedenste Lebensmittel, wie Molkerei-, Fleisch- und Wurstwaren. Am Radlogistik-Hub steht ein großer, gekühlter Container bereit, um die Sendungen zwischenzulagern. Je nach geplanter Tour wird dann die Ware auf das Lastenrad und Anhänger verladen, um dann einen oder gleich mehrere Empfänger anzufahren. Beliefert werden beispielsweise Hotels, Bars, Restaurants, Kioske, Supermärkte und Feinkostgeschäfte. Am Tag sind während des Pilotprojekts zwei Touren geplant. Entscheidend für die hohen Qualitäts- und Sicherheitsstandards in der Lebensmittellogistik ist, dass während des gesamten Transportprozesses die Kühlkette nie unterbrochen wird, was über Sensoren kontrolliert wird.

Erfahrung mit emissionsfreier City-Logistik

Das Unternehmen verweist auf eine langjährige Erfahrung bei der emissionsfreien Innenstadtbelieferung. Unter dem Label "DACHSER Emission-free Delivery" wendet man das Konzept in mittlerweile 19 europäischen Großstädten zum Einsatz, bis Ende 2025 sollen sechs weitere folgen. Je nach lokalen Gegebenheiten kommen hier E-Lkw, E-Transporter und Lastenräder zum Einsatz. Für das Konzept und die Pilotumsetzung in Stuttgart erhielt das Unternehmen 2018 den Preis für Nachhaltige Urbane Logistik des deutschen Bundesumweltministeriums und des Bundesumweltamtes. Auch in München definierten die Kemptener bereits im Jahr 2022 eine Lieferzone, in der ungekühlte Stückgutsendungen ausschließlich mit E-Lkw und Lastenrad zugestellt werden. Hier arbeitet der Logistiker mit dem Partner B4B Logistics zusammen, der auch bei dem neuen Pilotprojekt für die emissionsfreie Zustellung gekühlter Waren, insbesondere Lebensmittel, in der Münchner Innenstadt mit an Bord ist.

Mit den Zulieferer und Tech-Unternehmen DENSO sowie MBM habe man zudem Technologiepartner gefunden für das ambitionierte Projekt. Unterstützt wird der Pilot zudem durch das Mobilitätsreferat der Landeshauptstadt München mit dem neuen Radlogistik-Hub an der alten Paketposthalle, der einen idealen Ausgangspunkt für die innerstädtische Zustellung bietet.

„Aktuell gibt es kaum technische Lösungen im Kühlbereich für Lastenräder, die im Logistikalltag erprobt sind und den qualitativen und wirtschaftlichen Anforderungen entsprechen,“ erläutert Wolfram Kölzow, Operations Manager beim Dachser Logistikzentrum München Food Logistics in Neufahrn.

Entsprechend wolle man nun in den kommenden Wochen Erkenntnisse generieren, wie ein zuverlässiges Set-up aussieht. Das Radlogistik-Hub ist dabei ein wichtiger Baustein, so Kölzow weiter.

„Lastenräder können eine sehr sinnvolle Ergänzung im städtischen Lieferverkehr sein. Sie sind flexibel einsetzbar, fahren leise und emissionsfrei und leisten damit einen wichtigen Beitrag für eine zukunftsfähige Innenstadtbelieferung“, sagt Stefan Behrendt, Managing Director Food Logistics bei Dachser.

Er sieht gerade auch bei temperaturgeführten Lieferungen auf der letzten Meile großes Potenzial, auch wenn ihr Einsatz aktuell noch an bestimmte Voraussetzungen geknüpft ist: kurze Strecken, eine hohe Lieferdichte und geeignete Infrastruktur wie Mikrodepots, nennt Behrendt zuvorderst. Die Erfahrungen aus dem Pilotprojekt hofft man perspektivisch auf das europäische Food Logistics Netz übertragen zu können. Bereits seit zehn Jahren setzt das Unternehmen emissionsfreie Lieferfahrzeuge ein. Die Fahrzeugflotte mit alternativen Antrieben wird im Nah- und Langstreckenbereich stetig weiter ausgebaut. Mittlerweile sind über 130 Null-Emissions-Fahrzeuge für den Warentransport für den Logistiker in Europa unterwegs.