Flughafen Wien: Wachstum mit digitaler Strategie
Der Flughafen Wien will seine Rolle im europäischen Luftfrachtmarkt weiter ausbauen. Beim Aircargo Club Deutschland (acd) stellte Michael Zach, Senior Vice President Ground Handling & Cargo Operations der Flughafen Wien AG, die Entwicklung des Standorts und die Pläne für die kommenden Jahre vor. Der Flughafen zieht dabei eine positive Bilanz für das Jahr 2024 und betont seine strategische Ausrichtung auf Effizienz, digitale Prozesse und Nachhaltigkeit.
Im vergangenen Jahr hat der Flughafen Wien eigenen Angaben zufolge knapp 298.000 Tonnen Fracht abgewickelt – ein Zuwachs von 22 Prozent im Vergleich zu 2023. Michael Zach sprach von einem gezielten Wachstum, das auf klaren Investitionsentscheidungen und engen Partnerschaften beruhe. Als zentrale Erfolgsfaktoren nannte er die gute Vernetzung nach Asien, zusätzliche Frachtverbindungen sowie die wachsende Bedeutung des E-Commerce.
Wien profitiert von seiner geografischen Lage: Vom Flughafen aus lassen sich laut Betreiber 23 Länder in Zentraleuropa innerhalb von anderthalb Tagen per Lkw erreichen. Für Logistikunternehmen bietet das einen logistischen Vorteil bei der Planung schneller, grenzüberschreitender Transporte.
Im operativen Betrieb setzt der Flughafen auf stabile und digital unterstützte Prozesse. VIE Cargo Services ermöglicht den Angaben zufolge kurze Cut-off-Zeiten im Export, schnelle Importabwicklungen und durchgehend digitalisierte Abläufe. Die wichtigsten Behörden – von der Sicherheitskontrolle bis zu Zoll und Gesundheitsbehörden – arbeiten rund um die Uhr. Damit sei Wien im Vergleich zu anderen europäischen Drehkreuzen deutlich robuster aufgestellt, erklärte Zach. Wartezeiten oder Systemstaus seien die Ausnahme.
Ein besonderer Wachstumstreiber war 2024 das Vienna Pharma Handling Center. Das auf temperaturgeführte Transporte spezialisierte Zentrum hat im vergangenen Jahr ein zweistelliges Wachstum verzeichnet. Kurze Wege und eine durchgehende Kühlkette ermöglichten laut Flughafen eine hohe Prozessqualität – ein wichtiger Faktor für die anspruchsvolle Pharmabranche.
Für die kommenden Jahre kündigt der Flughafen Investitionen in moderne Abfertigungs- und Logistikprozesse an. Auch E-Mobilität und automatisierte Systeme sollen die Leistungsfähigkeit des Standorts weiter stärken.
„Wir arbeiten an allen entscheidenden Themen – und sehen es als unsere Aufgabe, Services gezielt weiterzuentwickeln“, sagte Zach beim acd-Treffen in Frankfurt.
Die Entwicklung Wiens stieß auf Zustimmung innerhalb der Branche. acd-Präsident Prof. Dr. Christopher W. Stoller lobte das klare strategische Vorgehen:
„Der Flughafen Wien zeigt eindrucksvoll, wie sich ein Luftfrachtstandort durch kluge Investitionen und eine klare Strategie weiterentwickeln kann.“
Gleichzeitig forderte Stoller eine europaweit abgestimmte Luftfrachtpolitik. Nationale Alleingänge – etwa bei der Auslegung von Zollregelungen – wirkten sich negativ auf den Wettbewerb aus.
„Nur gemeinsame Anstrengungen bei der Einhaltung von Zollvorschriften verhindern Verzerrungen und schaffen Verlässlichkeit – für Unternehmen und Standorte gleichermaßen“, so Stoller.