LKW

Flottengrenzwerte: DSLV fordert Neuausrichtung

Alternative Kraftstoffe sollten aus Sicht des DSLV eine stärkere Rolle bei der CO2-Regulierung spielen. Die bisherige Ausrichtung auf Elektromobilität kritisiert der Verband.

Der DSLV wünscht sich von der Politik eine stärkere Anerkennung von alternativen Kraftstoffen, wie dem HVO100.(Foto:Adobestock)
Der DSLV wünscht sich von der Politik eine stärkere Anerkennung von alternativen Kraftstoffen, wie dem HVO100.(Foto:Adobestock)

Die Diskussion um die CO2-Regulierung im Straßengüterverkehr nimmt weiter Fahrt auf. Jetzt fordert der DSLV Bundesverband Spedition und Logistik eine umfassendere Berücksichtigung alternativer Kraftstoffe und kritisiert den bestehenden „Tank-to-Wheel“-Ansatz der EU. Die Organisation setzt sich dafür ein, dass CO2-neutrale Kraftstoffe in die Berechnungen der Grenzwerte einfließen und Investitionsanreize geschaffen werden.

 

Kritik an der aktuellen Regulierung

Der DSLV unterstütze die technologische Vielfalt bei der Antriebswende im Straßengüterverkehr, so die Verlautbarung, sehe jedoch Defizite in der aktuellen EU-Gesetzgebung. Der derzeitige „Tank-to-Wheel“-Ansatz behindere eine schnellere Reduktion von CO2-Emissionen. Bereits 2023 hatte sich der DSLV gemeinsam mit mehr als 80 Verbänden und Unternehmen für einen sogenannten Carbon Correction Factor (CCF) ausgesprochen. Dieser soll es ermöglichen, die CO2-Reduktionspotenziale erneuerbarer Kraftstoffe wie HVO100 oder Bio-LNG anzurechnen.

Dr. Micha Lege, Vizepräsident des DSLV, betont:

„Nicht der Verbrennungsmotor ist das Problem, sondern die Emissionen aus fossilen Kraftstoffen. Deshalb ist entscheidend, dass die eingesetzte Energie zur CO2-Reduktion beiträgt. Das trifft bei alternativen Kraftstoffen ebenso zu, wie bei grün produziertem Strom für den Batteriebetrieb.“

Anreize statt Verbote

Aus Sicht des DSLV ist es kontraproduktiv, die Marktchancen erneuerbarer Kraftstoffe zu ignorieren. Die bestehende Verbrennungstechnologie für Lkw und die vorhandene Infrastruktur könnten kurzfristig zur CO2-Reduktion beitragen. Laut Lege würde die Speditions- und Logistikbranche dadurch schneller zur Erreichung der Klimaziele beitragen können. Er fordert daher: Debatte spielen.

„Eine noch in diesem Jahr vorgezogene Überprüfung der CO2-Flottenregulierungen muss die Weichen stellen.“

Ein weiteres Hindernis sieht der Verband im unzureichenden Ausbau der Ladeinfrastruktur für elektrisch betriebene Lkw. In vielen EU-Mitgliedstaaten sei die Netzkapazität nicht ausreichend, um eine flächendeckende Elektrifizierung wirtschaftlich umsetzbar zu machen.

„Angesichts des prognostizierten Güterverkehrswachstums auf Europas Straßen sind die Klimaziele ohne erneuerbare, alternative Kraftstoffe nicht fristgerecht zu erreichen“, warnt Lege.

Forderungen an die neue Bundesregierung

Der DSLV fordert von der neuen Bundesregierung ein klares Bekenntnis zur Technologieoffenheit. Eine einseitige Festlegung auf Elektroantriebe greife zu kurz.

„Wer den Lkw-Verbrenner schon jetzt mit einem Enddatum versieht, schadet dem Klimaschutz mehr, als dass er ihm nützt“, meint Lege.

 

Insbesondere in einem wirtschaftlich angespannten Marktumfeld seien Speditionen nicht in der Lage, hohe Investitionen ohne Unterstützung zu stemmen.

Der Verband plädiert daher für finanzielle Anreize zur CO2-Reduktion, etwa durch Energiesteuersenkungen und eine Berücksichtigung alternativer Kraftstoffe bei der Lkw-Maut.

„Was der Logistiksektor jetzt braucht, sind Impulse und keine Verbote. Deshalb kommt das Umdenken der Nutzfahrzeugindustrie zur richtigen Zeit. Hieran muss sich jetzt auch die neue Bundesregierung orientieren“, so Lege abschließend.

Der DSLV – Ziele und Interessen

Als Spitzenverband der deutschen Speditions- und Logistikbranche vertritt der DSLV die Interessen von rund 3.000 Unternehmen mit insgesamt 600.000 Beschäftigten. Er engagiert sich für verkehrsträgerübergreifende Lösungen und ist politisches Sprachrohr gegenüber Bundesregierung, Bundestag und Bundesrat. Die Forderungen des Verbandes zur CO2-Regulierung dürften daher auch in den kommenden Monaten eine zentrale Rolle in der politischen