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Felbermayr: Schwertransport für länderübergreifendes Kraftwerksprojekt

Mehr als 34.000 Frachttonnen Material transportierte Felbermayr innerhalb eines Jahres für ein Gas- und Dampfkraftwerk in Rumänien, darunter riesige Generatoren, Transformatoren sowie Turbinen – auf der Straße, dem Wasser sowie per Schiene.

Im Vorfeld mussten viele statische Berechnungen und Streckenprüfungen erfolgen - herausfordernd waren unter anderem alte Brücken und enge Ortsdurchfahrten. (Foto: Felbermayr).
Im Vorfeld mussten viele statische Berechnungen und Streckenprüfungen erfolgen - herausfordernd waren unter anderem alte Brücken und enge Ortsdurchfahrten. (Foto: Felbermayr).

Die Felbermayr Holding GmbH hat ihren Firmensitz im österreichischen Wels und ist eigenen Angaben zufolge mit 81 Standorten in 17 Ländern Europas vertreten. Aktuell beschäftigt die Unternehmensgruppe circa 3.300 Fachkräfte. Das Unternehmen ist auf Spezial- und Schwertransporte, Mobilkran- und Arbeitsbühnenvermietung, Heavylifthandling sowie Hoch-, Tief- und Wasserbau und Spezialtiefbau spezialisiert und deckt auch Bereiche im Baunebengewerbe ab.

Nun stand eines der bisher größten Transport-Projekte für Felbermayr an, das im Spätsommer 2025 seinen Abschluss finden soll. Dabei geht es um die Lieferung sämtlicher technischen Komponenten für das Gas- und Dampfkraftwerk Mintia in Rumänien. Denn bis zum Jahr 2026 soll das Kohlekraftwerk Mintia in ein Gas- und Dampfkraftwerk umgebaut werden. Mit einer installierten Leistung von 1.700 Megawatt handle es sich bei seiner Inbetriebnahme um das größte seiner Art in der Europäischen Union.

Innerhalb eines Jahres seien für das Projekt mehr als 34.000 Frachttonnen Material -  rund 1.600 Packstücke – geliefert worden.

„Das Projekt war technisch und logistisch eine große Herausforderung, denn das Kraftwerk liegt mehr als 250 Kilometer von allen schiffbaren Wasserstraßen entfernt“, erklärt Peter Niedermair-Auer, Projektleiter Felbermayr-Projektabteilung Wels, und ergänzt: „Es waren alle Kernkompetenzen der Felbermayr-Group gefordert: Binnenschifffahrt, Hafenumschlag, RoRo Schiffsraum sowie Straßentransporte.“

Lieferung der ersten Komponenten

Die Projekt-Planung habe ein knappes Jahr gedauert, im Mai und Juni 2024 wurden dann die ersten größeren Komponenten zum Kraftwerk transportiert. Zwei Gasturbinen kamen zerlegt mit dem Binnenschiff aus Berlin an, wurden im Hafen in Linz auf ein weiteres Binnenschiff umgeschlagen und anschließend nach Budapest transportiert.

Im Hafen Csepel auf Tieflader geladen, ging es dann zum Kraftwerk Mintia. Laut Felbermayr kamen die Gasturbinen in jeweils zwölf Packstücken. Das schwerste Teil habe 150 Tonnen gewogen - bei einer Länge von 13,7 Metern und einer Breite von 3,6 Metern. Für jede Turbine seien acht Transporte notwendig gewesen.

Im April 2025 wurde die Dampfturbine von Mühlheim mit dem Binnenschiff abgeholt. Diese wurde Linz in ein anderes Binnenschiff umgeschlagen und ins ungarische Szeged transportiert. Sieben Schwertransporte sowie einige Zubehörladungen seien nötig gewesen, um sie demontiert nach Mintia, Rumänien, zu liefern.  Das schwerste Teil habe 150 Tonnen gewogen bei sechs Metern Breite, 9,90 Metern Länge und 3,90 Metern Höhe.

Niedermair-Auer berichtet von Herausforderungen wie alten Brücken und engen Ortsdurchfahrten in Rumänien und Ungarn: „Es mussten im Vorfeld viele statische Berechnungen und Streckenprüfungen erfolgen.“

380-Tonnen-Generatoren

Anfang 2025 sei dann der Transport der schwersten Bauteile erfolgt - alle drei Generatoren kamen jeweils auf ein Gewicht von rund 380 Tonnen Gewicht und wurden per Hochseeschiff aus Charleston (USA) angeliefert – zwei davon im Februar, einer im Mai. Im Terminal von PSA Breakbulk in Antwerpen, Belgien, wurden sie auf ein Binnenschiff umgeschlagen und zum Hafen Linz transportiert. Die Abwicklung erfolgte durch Haeger & Schmidt Logistics.

In Linz ging es für die Generatoren auf den RoRo30 genannten Schubleichter. Einer der beiden wurde bereits zuvor auf einen zwölfachsigen 3-file SPMT verladen. Über Donau und Theiß führte der Weg nach Tape in Ungarn. Der SPMT mit dem ersten Gemerator rollte über eine RoRo-Rampe aus dem Schiff und fuhr weiter durch die Stadt Mako. Per Tower-Lift und Litzenheber-System wurde der Generator auf einem Umladeplatz vom SPMT auf ein weiteres Transportfahrzeug gehoben.

Straßentransport in Ungarn

Im Anschluss daran stand eine circa 270 Kilometer lange Strecke auf der Straße über die Grenze zum Kraftwerk in Mintia in Rumänien an. Den Angaben zufolge betrug die gesamte Transportlänge 100 Meter, die Breite sechs Meter und die Höhe 5,4 Meter. Stolze 770 Tonne brachte der gesamte Transport auf die Waage.

Laut Felbermayr handle es sich um den größten Straßentransport in der Geschichte Ungarns, die Organisation sei besonders herausfordernd für das Team von Bau-Trans Ungarn gewesen. Nötig waren mehrmalige Streckenprüfungen gemeinsam mit der Straßenbehörde. Es mussten Schilder demontiert, Bäume geschnitten und Brücken unterstützt werden.

313 Tonnen schwere Transformatoren

Im Februar wurden drei Großtransformatoren mit Stückgewichten von bis zu 313 Tonnen mit dem Hochseeschiff von China nach Konstanza, Rumänien, und von dort über die Donau und die Theiß nach Tape, Ungarn transportiert. Sie nahmen denselben Weg wie die Generatoren mit SPMT über die RoRo-Rampe nach Mako.

Am Umschlagplatz wurde einer davon auf eine Seitenträgerbrücke geladen. Für die beiden anderen Transformatoren ging es mit neuen 24-Achs Goldhofer THP/FT nach Mintia. Der gesamte Transport war 60 Meter lang, 5 Meter breit und 5,5 Meter hoch und kam auf einGesamtgewicht von 466 Tonnen, so die Angaben.

Fundamentstellung beim Kraftwerk

Der Felbermayr-Bereich Engineered Solutions war dafür zuständig, fünf der sechs Schwerkomponenten – Generatoren und Transformatoren – direkt nach der Anlieferung auf die Fundamente zu bringen. Für die beiden Generatoren für die Gasturbinen kam ein 500-Tonnen-Hubgerüst zum Einsatz, das sie auf einen 10-achsigen 4-file SPMT umladen sollte, um zum Fundament zu gelangen. Mittels Hubgerüst und einer Fahrbahn aus 36 Laufmetern Schiene sei daraufhin die Fundamentstellung erfolgt.

Der Generator für die Dampfturbine habe allerdings bei der Ankunft noch nicht auf das Fundament gestellt werden können - dieses war noch nicht fertiggestellt. Er musste einen Zwischenstopp auf einer Lagerfläche einlegen, bis die Fundamentstellung erfolgen konnte.

Wie gelangten die beiden Transformatoren für die Gasturbine zur Baustelle? Per 24-achsigem Tieflader. Anschließend musste der Schwertransport unter dem Hubgerüst positioniert werden. Die Trafos wurden mittels 400-Tonnen-Verschubsystem zum Fundament geschoben und mit Kletterpressen auf dem Fundament abgesetzt.

„Als zusätzliche Herausforderung mussten die Mitarbeiter von Engineered Solutions eine drei Meter breite Grube zwischen Entladestelle und Fundament mit Stützen und Trägern überbauen“, so Niedermair-Auer.

Um den Transformator für die Dampfturbine auf den Verschubträgern absetzen zu können, kam die Hydraulik der Seitenträgerbrücke ins Spiel. Damit der Trafo seine Endposition einnehmen konnte, musste ein Träger der Seitenträgerbrücke ausgebaut werden. Dann sei er mit der Verschubbahn auf das Fundament geschoben und mit Stufenhebern abgesetzt worden.

Multimodaler Transport 

„Dank unserer multimodalen Kompetenz – auf Straße, Wasser und Schiene – sowie unserem europaweiten Netzwerk, konnten wir dieses komplexe Projekt erfolgreich abschließen“, sagt Peter Stöttinger, Geschäftsführer der Felbermayr Transport- und Hebetechnik.