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Fahrbericht Deepal S07: Goldene Mitte?

Der Changan-Konzern startet mit der „Goldenen Mitte“ in sein Europa-Abenteuer: Der Deepal S07 rangiert preislich zwischen den günstigeren Changan- und den teureren Avatr-Modellen. Sorgt er so für den goldenen Einstieg in den deutschen Markt?

In der goldenen Morgensonne erkennt man gut die kantigen Konturen des Deepal S07. | Foto: Changan
In der goldenen Morgensonne erkennt man gut die kantigen Konturen des Deepal S07. | Foto: Changan

Nicht der goldene Drache, sondern der Hai stand Pate für die scharf geschnittene Front des Deepal S07. Tatsächlich orientiert sich das in Mailand entstandene Design – Changan ist dort seit 2001 (!) vertreten – ganz dezent am Lamborghini Urus. Ein bisschen Understatement, ein bisschen Sharknose, gar nicht so übel.

Komfort trifft auf Detailverliebtheit

Wir steigen ein – und freuen uns über rahmenlose, doppelt verglaste Scheiben, die blitzschnell rauf- und runterflitzen und Außengeräusche zuverlässig wegbügeln. Generell wurde viel Wert auf Komfort gelegt: Das Design ist stimmig, die Materialien hochwertig – selbst der Dachhimmel ist nicht einfach abgeschnitten, sondern sauber umgeschlagen. Auch die Türverkleidungen in Reihe zwei stehen denen vorne in nichts nach. Man fühlt sich wohl, sogar im Fond. Heimelig, fast schon kuschelig.

Auch fahrdynamisch peilt der S07 die goldene Mitte an – zwischen Premium-Ambitionen und dem, was sich noch bezahlen lässt. Die etwas wippende Federung passt da nicht ganz ins Bild, auch wenn dieser Eindruck vorne weniger auffällt. Klar: An den VW-Konzern reicht das Fahrwerk nicht heran, aber der Deepal liefert solide ab. Und: Die überraschend straffe Lenkung macht tatsächlich Spaß!

Maße, Masse, Mittelmaß

Mit seinen 4,75 Metern Länge, 1,93 Metern Breite und knapp 1,63 Metern Höhe ist der S07 ein klassischer Midsize-SUV. Der 79,97-kWh-Akku soll laut WLTP bis zu 475 km schaffen, fünf Sterne im Euro-NCAP gibt’s obendrauf. Das Leergewicht: 2.073 kg – was inzwischen fast schon als leicht gilt. Auch nett: Bis zu 1,5 Tonnen Anhängelast. Alles solide – aber nicht scharf.

Mehr als Mittelmaß: Radstand und Stauraum

Mit 2,90 Metern Radstand bietet der S07 großzügig Platz – auch für vier 1,95-Meter-Mitreisende. Der Kofferraum ist laut chinesischer Norm mit 445 bis 1.385 Litern angegeben, gefühlt sind es eher 500 Liter. Passt! Ein Unterbodenfach gibt’s nicht – dort wohnen Antrieb, Warndreieck und Abschleppöse. Dafür überrascht ein zusätzlicher 125-Liter-Frunk unter der Haube. Nice!

Die Leistungsdaten: 160 kW (217 PS) und 320 Nm Drehmoment. 0 auf 100 km/h in 7,5 Sekunden, Schluss ist bei 180 km/h – das ist okay, aber kein Adrenalinschub. Die Fahrmodi (Eco, Komfort, Sport) unterscheiden sich kaum. Die Rekuperation lässt sich zwar stufenlos per Slider einstellen – grundsätzlich gut, im Alltag aber so nervig wie alles, was man ausschließlich über den Screen regeln muss. Lüftungsdüsen, Wischer-Intervall – alles Touch. Weniger cool.

Infotainment: Hier gibt es noch viel Potenzial

Immerhin: Es gibt eine Favoritenleiste, die man sich vom linken Rand des dreifach verstellbaren 15,6-Zoll-Screens „hereinziehen“ kann – ob für Fahrer, Beifahrer oder mittig. Damit lässt sich auch der nervige Tempowarner abschalten – ebenso wie der holprige Spurhalteassistent, der dringend Feinschliff braucht. Gleiches gilt für die Sprachsteuerung, die oft wenig versteht und das mit dunkler Damenstimme auch noch pampig kundtut.

Lightshow, Kaminfeuer, aber…

Ja, der Deepal erfüllt leider einige der typischen China-Klischees: Tolle Optik, gute Haptik – aber beim Infotainment hapert’s. Klar, alles nachjustierbar. Aber warum nicht gleich gut? Immerhin: Die Ambiente-Spielereien machen was her – Lightshows, virtuelle Kaminfeuer, 64 Farben im Innenraum. Wer’s braucht.

Garantie? Grandios!

Punkten kann der S07 bei den Garantien: Sieben Jahre oder 160.000 km auf das Fahrzeug, acht Jahre bzw. 200.000 km auf den Akku – das ist definitiv über dem Mittelmaß. Auch für Flotten interessant.

Und der Stromverbrauch? Über Land ganz okay: Wir kamen locker auf 18,9 kWh/100 km – inklusive Ladeverlusten etwa 21 kWh. Auf der Autobahn allerdings schnell über 21 kWh, teils bis 23,5 kWh. Passt ins Bild: ordentlich, aber nicht rekordverdächtig.

Ladeleistung? Leider lausig am HPC-Lader

Wirklich ärgerlich: Die Ladeleistung. Im Peak nur 93 kW – das bedeutet von 10 auf 80 Prozent dauert’s am HPC rund 43 Minuten. Sorry, aber das geht 2025 echt gar nicht mehr!

Dabei hat sich Deepal sichtbar Mühe gegeben: Das Designteam in Mailand zählt 500 Köpfe aus über 30 Nationen, in China arbeiten weitere 900 an der Marke. Der Look stimmt, die Proportionen auch – vor allem in Kombination mit den individuell gestalteten Innenräumen in Schwarz, Weiß oder Beige-Orange. Sieben Monate dauerte die Entwicklung, auch weil man bei Scheinwerfern und Tagfahrlicht einfach auf die Limousine zurückgriff – sonst hätte allein deren Feintuning weitere sechs Monate verschlungen, so Designer Bertrand Bach. Aber wenn den Designern dann erstmal nur zehn deutsche Händler gegenüberstehen....

Ab 45.000 Euro soll der S07 starten – eher selbstbewusst kalkuliert. Vielleicht legt Deepal noch mit einem Leasing ab 299 Euro nach, um potenzielle Kundinnen und Kunden den Einstieg doch noch zu vergolden?

Was bedeutet das?

Schade, dass der Deepal S07 seine scharfe Designsprache nicht durchgängig ins Fahrerlebnis übersetzen kann. So bleibt am Ende nur solides Mittelmaß in der Mittelklasse – nicht nur im Vergleich zur Konkurrenz, sondern auch innerhalb der Changan-Familie. Unterm Strich: Goldene Mitte – aber leider ohne Glanz