PKW

Eurobike 2025: Honda, Vowag, Vok im VM-Fahrbericht - neue Bikes liefern besser

Mit Honda tritt erstmals direkt ein Autohersteller als Anbieter eines schweren Lastenrads auf den Plan. Etablierte Player wie Vowag halten dagegen. Und Vok probt die Tesla-Taktik bei Bikes. Impressionen mit ein paar vielversprechenden Neuheiten von der Messe.

Honda goes Heavy: Mit der Submarke Fastport wagt sich der Autohersteller ins Bikebusiness. Das merkt man dem Rad an. | Foto: J. Reichel
Honda goes Heavy: Mit der Submarke Fastport wagt sich der Autohersteller ins Bikebusiness. Das merkt man dem Rad an. | Foto: J. Reichel

Mit Honda ist auf der Eurobike 2025 in Frankfurt erstmals ein Autohersteller direkt ins Lastenradgeschäft eingestiegen. Wobei der Launch unter der 2023 gegründeten Spin-Off-Marke Fastport vonstatten geht: Im Honda New Business Innovation Lab in Torrance, Kalifornien hatte man ein Team aus Forschern, Designern und Ingenieuren aus seinen US-Betrieben zusammengestellt, um mit großen globalen Logistikunternehmen zu kooperieren. So viel zur "Power", die ein Automobilhersteller entfalten kann, wenn er ein Lastenrad bauen will. Und die Japaner bleiben insofern ein wenig "bei ihren Leisten", als der Erstling namens eQuad fast so groß ist wie in kleines Auto: 2,8 Kubikmeter Volumen und sogar 3,3 Kubik in der längeren und noch breiteren Variante der beiden mit einem robusten, per RFID schließbaren Kofferbox stehen zur Verfügung. Damit lässt sich aus dem Stand ein Kleintransporter ersetzen.

Zudem setzen die Japaner auf viele Teile aus der Motorsportabteilung, auf ihr Engineering-Know-How und sie nutzen die Synergien zur Motorradsparte sowie selbstverständlich zur eigenen Energiesparte. Die kubischen Lithium-Ionen-Akkus (Honda Mobile Power Pack) etwa mit je 1,3 kWh Kapazität lassen sich dank schlankem Gewicht und praktischem Henkel leicht wechseln und tragen und sind hinter einer Klappe unter dem Aufbau platziert. Sie sollen für etwas magere 40 Kilometer Tretunterstützung genügend, was der Hersteller für ausreichend hält. Für die Tretunterstützung sorgt ein Antrieb vom Münchner Anbieter Movaria, der mittlerweile in immer mehr Bikes zum Einsatz kommt und auf dem Weg zum neuen Standard scheint. 

Liegt wie ein kleines Auto: Fastport eQuad

Bei einer ersten Proberunde fuhr sich das fast selbstverständlich für einen Autohersteller vierrädrige Honda-Bike mit seinem eher an ein Motor-Quad entlehnten Fahrwerk sehr robust, verwindungssteif, klapperfrei und stabil. Es erinnert von seinen Fahreigenschaften an das "go-kart-artige" Mubea Cargo, in dem ja auch viel automotive Kompetenz des Zulieferers steckt. Die Straßenlage im Fastport ist ebenfalls eher straff, aber dafür auch sehr sicher. Verzögert wird rundum mit Scheibenbremsen in den von Motorrollerreifen umfassten Stahlfelgen oder wahlweise verschleißfrei durch simples Rückwärtskurbeln, womit der E-Motor zum Generator wird und auch Rollenergie zurück in die Akkus speist. Das ganze Handling des Bikes ist unkompliziert und gibt keine Rätsel auf. 

Der E-Motor ist stets mit einem robusten surrenden Arbeitsgeräusch hörbar, was aber auch nicht groß stört. Gut gefällt die breite, griffige Riffelblechplattform zusammen mit dem tiefen Einstieg, den Handläufe am Aufbau weiter erleichtern. Zudem ist der Zentralrahmen flach genug, um ihn leicht zu übersteigen. Ob ein Fahrradsattel bei einem Fahrzeug dieses Formats noch angemessen ist oder besser ein Sitz, ist eine weitere Frage für die Entwicklung bis zur Serie. Die große Plexiglasscheibe jedenfalls dient als frontaler Wetterschutz, dürfte aber ruhig auch bis zum Boden reichen, denn erfahrungsgemäß kommt die Nässe am Rad von unten.

Ganz schöner Brummer

Es gibt sogar ordentliche Spiegel, die bei dieser Kategorie auch nötig sind: Ein Meter Breite bei der kleinen Version dürften in Europa das höchste der Gefühle sein, um irgendwie noch als "Fahrrad" zu gelten und nicht den meist engen städtischen Rahmen zu sprengen. Angenehm ist die automatische elektrische Parkbremse, sodass man die beiden Motorrad-Hebel gar nicht einrasten müsste. Apropos Parken: Vorne gibt's eine Art Stoßstange, die Rempler auffangen soll. Ein aufrechtes Lichtband mit LED-Leuchte oben sorgt für Sichtbarkeit und stylishen Look. 

Das "Commercial Cargo Bike", wie der RLVD neuerdings die schweren Lastenräder sinnvoll kategorisiert, entstand vom weißen Blatt Papier in einem ziemlich flotten "interativen Prozess" wie ein Projektverantwortlicher erzählt. Dabei liegt der Fokus klar auf dem B2B-Bereich, der grundlegend andere Erfordernisse hat, als der Privatsektor. Und im gewerblichen Bereich wiederum adressiert man zuvorderst auf KEP-Dienste und Lebensmittelhandel. Die Fertigung soll ab 2026 in Ohio USA im Performance Manufacturing Center (PMC) starteb, einer Spezialanlage für die Fertigung kleiner Stückzahlen. Man will schnell skalieren, um ein vertretbares Preisniveau zu erreichen. Geliefert werden soll das Modell in Nordamerika und Europa, nicht aber im Heimatmarkt Japan, wo Lastenräder bisher nicht angesagt sind, eher bonsai-artige K-Cars. 

Telematik gehört zum guten Ton

Zum Paket soll sich auch das obligate Telematiksystem und Eigenschaften des im Automobilbereich gerade trendigen "Software Defined Vehicle" gesellen, mit dessen Hilfe die Räder ins Flottenmanagement integrierbar werden. Pilotprojekte in New York City und in München seien schon mal vielversprechend verlaufen, berichtet der Fastport-Manager. Hier habe sich der größte Vorteil der schweren Lastenräder gegenüber Transportern erwiesen: Die höhere Betriebseffizienz, weil man mit den nach wie vor radweg-tauglichen Bikes trotz ihrer beachtlichen Größe von 3,40 und 3,65 Meter Länge, bei 1 und 1,2 Meter Breite und stattlichen 2,1 Meter Höhe eben nicht im Stau steht und fast überall parken kann. Drehen nicht unbedingt: Denn wie bei allen Quads ist der Einschlagwinkel begrenzt, sodass der Wendekreis eher üppig ist. 

Die Honda-Tochter versteht sich zudem als "Service Provider", was heißt, dass man die Bikes selbstredend im Leasing anbieten will und die passende Wartung mit dazu "servieren", so das denn der Fall ist. Denn man peilt ein ziemlich wartungsarmes System an - und plant den Aufbau eines speziellen Netzes an Werkstattpartnern. "Fleet as a Service" nennen die Hondianer das.

Vowag legt kräftig nach

Ob sich die Plauener Schwerlastspezialisten von Vowag so leicht das Revier streitig machen lassen, darf man getrost bezweifeln. Wie als Antwort auf den überraschenden Vorstoß von Honda parkte ein paar Stände weiter das sogar im Vergleich zu den flotten Japanern noch zügiger neu entwickelte New Cargo M, das der Hersteller sinnfällig als "Quarter-Bike" betitelt. Schließlich gilt das Vowag als "Heavy Metal" erster Güte und genießt einen ziemlich robusten Ruf in der kleinen, aber wachsenden Branche. Man habe alle Kritikpunkte am Vorgänger, immerhin auch schon mal "International Cargobike of the Year" beseitigt und das Cargo M gründlich ausgeräumt, erklären die Verantwortlichen. 

Das geht los beim deutlich niedrigeren Einstieg, wo man früher eher dachte, einen Kutschbock zu erklimmen. Bei Vowag setzt man auch gleich auf einen Sitz statt Sattel, der recht bequem ist. Das Cockpit des 2,65 Meter langen und einen Meter breiten Cargo M präsentiert sich aufgeräumt, auch die am Prototypen noch sichtbaren Kabel sollen noch in der Lenksäule verschwinden. Ebenso "clean": Die "straighte" Optik des Konzepts, das sich um einen zentralen Profilrahmen rankt und modulare Aufbauten erlaubt, von der klassischen Box über Pritschen bis hin zum von uns gefahrenen "Himmelfahrtskommando" eines mit hübschen Holzbänken versehenen Personentransporters.

Gut gefedert, nicht geschüttelt: Vowag fährt prima

Gleich mal eine gute Probe auf's Exempel: Denn als "Fracht" hinten drauf fühlen wir uns gar nicht übel gefedert. Die noch als Gestänge, in der Serienfassung dann als Blattfedern ausgeführte Mehrlenkerkonstruktion dämpft den grobsten Unbill gut weg und vermeidet "unsportliche Härte". Wie gehabt, liegt das Vowag dennoch stabil und straff auf der Straße, lässt sich mit etwas kräfigerem Einsatz am Lenker recht leicht und in jedem Fall präzise dirigieren. Der Lenkeinschlag ist auch größer als beim Fastport, sodass der Wendekreis mit für ein Quad respektablen sechs Metern kleiner ausfällt. 

Auch Vowag setzt auf den kettenlosen und wartungsarmen Antrieb von Movaria, wobei sich die präferierte Trittfrequenz einstellen lässt und der auch hier stets präsente, aber nie nervige Motor mit seinen 420 Nm dann die Zugarbeit übernimmt, sobald man antritt. Sobald man rückwärts kurbelt, wird auch hier rekuperiert respekive verzögert, was die üppig dimensionierten Motorradbremsscheiben in den großen Gussrädern schont. Angenehm beim Langsamfahren ist die Untersetzung, die feinfühliges Rangieren ermöglicht. 

In Summe teuer wie ein Auto - aber stark wie ein Van

Die Energie für bis zu 100 Kilometer Tretunterstützung liefern gleich vier AES 48-Volt-Akkus, die unten am Rahmen eingeschoben werden. Sie kommen allerdings zu den im ersten Moment verlockenden 10.900 Euro Basispreis dazu, à 1.200 Euro ... Naja, die Box kostet dann auch noch 4.450 Euro, Features wie das sinnvolle "keyless go", Solarmodul auf der Box, Rückfahrkamera, Wetterschutz, Scheibenwischer, Ersatzrad oder Staufach nochmal extra. Womit das Vowag spielend zum 20.000-Euro-Objekt avanciert. Aber das ab 150 Kilo schwere, bis 650 Kilo zugelassene "Quarter-Bike" ersetzt ja auch einen Transporter - und spart dann mächtig im Betrieb.  

VOK: Auf dem Sprung zur Skalierung

Das soll auch für das VOK XL gelten, das eine Etage tiefer und kompakter ansetzt als das Vowag oder gar das Honda: Das ursprünglich 2019 gegründete, einst studentische Start-up aus Estland findet sich schon häufiger "in the streets of London" und ist auf dem Sprung in die Skalierung, wie es am Stand heißt. Die Hoffnung: Damit könnten auch die Preise weiter sinken, mittelfristig sollte ein schweres Lastenrad unter 10.000 Euro kosten, geben die Verantwortlichen als Zielmarke vor. In Zeiten noch kleiner Stückzahlen des in Estland gefertigten Bikes kommt das VOK komplett ausgestattet mit einer robust gemachten 2-Kubikmeter-Box mit zwei seitlichen Flügeltüren zu 14.490 Euro, bietet ausreichende 200 Kilo Nutzlast bei 241 Kilo Leergewicht und macht sich mit 3,23 Meter Länge bei 920 Millimeter Breite und 1,84 Meter Höhe ziemlich kompakt gegenüber den XXL-Bikes.

Dabei setzt der Anbieter nach dem "Model Tesla" auf möglichst hohen Anteil von Eigenentwicklungen: Die gleich vier Radnabenmotoren, die sehr leise laufen und sehr kräftig (je 130 Nm!) und natürlich in jeder Situation traktionsstark antreiben, hat man ebenso selbst entwickelt wie den praktischen und leicht entnehmbaren 2,3 kWh-Kofferakku unter dem recht bequemen Sitz - und selbstredend den robusten Stahlrahmen, der ebenfalls in Estland produziert wird. Der Einstieg gelingt hier noch deutlich direkter als bei Vowag oder Fastport, die Lenkstange "hängt" etwas hoch und dürfte teleskopierbar sein - oder der Sitz höhenverstellbar. Der Wetterschutz inklusive Wischer macht einen robusten Eindruck, ebenso die Vollgussräder und die stabilen Reifen.

Gleich vier Motoren liefern Allrad

Klar, dass die "Techies" aus dem Baltikum eine IoT-Anbindung per GPS und Telematik mit integriert haben. Sicherheit ist auch groß geschrieben: Es gibt in den 16-Zöllern ein e-ABS, eine Traktionskontrolle und der Stahlvorbau vermittelt eine gewisse Crashsicherheit. Auch hier braucht man die Bremsen aber häufig gar nicht: Per reversem Pedalieren aktiviert man die Rekuperation, bei weitem stramm genug, um die meisten Situationen ohne die beiden Bremshebel zu meistern. Auch hier ist das Pedalgefühl adaptierbar. Aber klar, so natürlich wie ein Kettenantrieb sind die "digitalen Antriebe" nie. Wenn sie dafür wartungsarm sind, sei's drum. Die Federung am VOK macht mit vorn und hinten Einzelradaufhängung einen geschmeidigen Job, die Straßenlage ist dank tiefem Schwerpunkt tadellos, das Handling agil und natürlich. Fazit: Das VOK ist ein äußerst unkomplizierter Begleiter im Lieferalltag, der eben auch noch die üblichen Pollermaße unterbietet und sowieso tiefgaragentauglich bleibt. Vielleicht "the perfect match" unter den neuen Bikes.

Mit seinen Wettbewerbern in jedem Fall ein heißer Kandidat für unseren nächsten "International Cargobike of the Year"-Award zur IAA Transportation 2026. Wir sind sehr gespannt und freuen uns dann im nächsten Juni auf zahlreiche Bewerbungen! Lasten jedenfalls können immer mehr auf die Räder.