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Eurobike 2025: Die systemische Kraft des Fahrrads

Die weltweit führende Messe der Fahrradbranche sieht sich im Zentrum der strategischen Transformation, betont die Potenziale des Bikes als Verkehrswendeinstrument und verweist auf die großen Chancen im Bereich der betrieblichen Mobilität. Doch es braucht auch den richtigen politischen Rahmen - und bessere Infrastruktur.

Das Rad neu erfinden - als Verkehrswendemittel: Bei der Debatte zum Auftakt der Eurobike in Frankfurt schienen die Potenziale des Bikes auf, um sie zu heben, müsse aber auch der Rahmen passen. Die Politik ist gefordert, für sichere und komfortable Radinfrastruktur zu sorgen. | Foto: Eurobike
Das Rad neu erfinden - als Verkehrswendemittel: Bei der Debatte zum Auftakt der Eurobike in Frankfurt schienen die Potenziale des Bikes auf, um sie zu heben, müsse aber auch der Rahmen passen. Die Politik ist gefordert, für sichere und komfortable Radinfrastruktur zu sorgen. | Foto: Eurobike

Mit dem traditionellen Media Kick-Off am Vortag der Messe ist die Eurobike 2025 in Frankfurt offiziell gestartet und will sich als Rückgrat einer neuen Mobilitätskultur darstellen. Man sieht sich als weltweit wichtigste Plattform der Fahrrad- und Ecomobility-Branche. Der Auftakt stand im Zeichen der strategischen Transformation, der Messe selbst, aber auch der gesamten Branche, so der Veranstalter. Die Branchenverbände Zukunft Fahrrad, der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV), sowie der US-Branchenverband People For Bikes präsentieren exklusive Marktdaten und das Zukunftspotenzial im Bereich Radtourismus wurde thematisiert.

Eine Messe im Wandel – mit klarer Haltung

Den Auftakt bildete Stefan Reisinger, Geschäftsführer der veranstaltenden fairnamic GmbH. In seiner Keynote betonte er die wachsende Verantwortung der Eurobike als internationale Leitmesse für nachhaltige Mobilität, aber eben auch die tradierte Funktion für die Sports & Performance Community. Die Rolle der Radmesse, die in diesem Jahr mehr als 1.500 ausstellende Unternehmen aus über 60 Nationen in Frankfurt versammelt, gehe längst über klassische Produktschau hinaus. Reisinger sieht die Schau als Brückenbauerin zwischen Fahrrad- und Mobilitätsindustrie, Politik und Zivilgesellschaft. Insbesondere betonte der Messemacher den Schulterschluss zwischen sportlicher Performance-Kultur und urbaner Alltagsmobilität.

„Die Eurobike spiegelt nicht nur den Markt, mit unser neuen Messekonzeption gestalten wir ihn auch in Zukunft weiter – für bestehende und neue Zielgruppen. Sie eröffnet Räume, in denen Marktlogiken mit gesellschaftlicher Verantwortung zusammenfinden.“

Ziel sei es, Akteure aus unterschiedlichen Sphären zusammenzubringen und maßgeschneiderte Impulse für eine resiliente und zukunftsfähige Mobilitätskultur zu geben.

Gemeinsam weiter – das Branchengespräch

Im anschließenden Panel diskutierten Vertreterinnen und Vertreter führender Dachverbände – Burkhard Stork (ZIV – Die Fahrradindustrie), Wasilis von Rauch (Zukunft Fahrrad) und Jenn Dice vom US-Verband People For Bikes die strukturellen Herausforderungen und Chancen der Fahrradwirtschaft. Der ZIV rechnet auch für das laufende Jahr noch mit einer angespannten Lage für Hersteller- und Handelsunternehmen von Fahrrädern und E-Bikes, Fahrradteilen und Fahrradzubehör.

„Wir bleiben auf Kurs hin zu einer Normalisierung im Fahrradmarkt. Ab 2026 sehen wir Licht am Ende des Tunnels und damit deutliche Anzeichen für ein Ende der schwierigen Phase”, sagt ZIV-Geschäftsführer Burkhard Stork.

Reshoring: Wie die Produktion wieder heimisch wird

Die Themen seien dabei breit und hochrelevant. Reshoring und die Rückverlagerung von Produktionsstätten als strategische Option. Dienstradleasing als Wachstumsfeld. Die betriebliche Mobilität als strategischer Hebel für Unternehmen. Und die Frage, wie der Sprung von der Nische in den Mainstream gelingen könne.

„Trotz Preisdruck und Umsatzrückgang 2024 zeigt die Fahrradwirtschaft ihre Widerstandskraft: Die Beschäftigung bleibt nahezu stabil, Leasing-Anbieter steigerten ihre Mitarbeiterzahlen sogar. Besonders das Dienstradleasing und der Gebrauchtmarkt sind zukunftsfähige Wachstumsfelder. Das Preisniveau von Diensträdern liegt weiterhin deutlich über dem des Gesamtmarkts – das macht das Leasing zu einem zentralen Stabilitätsfaktor für die ganze Branche. Für weiteres Wachstum brauchen wir moderne Infrastruktur und eine konsequente Umsetzung des Nationalen Radverkehrsplans“, appelliert Wasilis von Rauch, Geschäftsführer Zukunft Fahrrad.

Die Diskussion zeigte auch: Die Branche steht bereit – doch der politische und gesellschaftliche Rahmen muss mitziehen. Es braucht stabile Förderstrukturen, mutige Stadt- und Regionalentwicklung und einen Mentalitätswandel, der das Fahrrad als ernstzunehmenden Teil einer modernen Mobilität versteht – nicht als Option für wenige, sondern als Lösung für viele.

„Jetzt ist es an der Zeit, über Grenzen hinweg zusammenzuarbeiten, um das Fahrradfahren weltweit zu fördern. Auf der Eurobike bringen wir die neuesten Daten aus dem US-Markt und rufen internationale Partner auf, bei den großen Themen zusammenzuarbeiten", fordert Jenn Dice, Präsidentin und CEO von People For Bikes. „Von Handel und Produktion bis hin zu Partizipation und öffentlicher Politik - die Zukunft des Fahrradsports hängt von mutigen Maßnahmen, gemeinsamem Wissen und einer vereinten globalen Anstrengung ab.“

Daten, die bewegen – Radtourismus als Wirtschaftsfaktor

Ein zentrales Thema des Media Kick-Off war auch die Vorstellung erster Ergebnisse aus der Grundlagenstudie Radtourismus durch Tilman Sobek. Die Untersuchung liefert eindrucksvolle Zahlen zur volkswirtschaftlichen Relevanz des Radreisemarkts – und sie zeigt: Der Tourismus mit dem Rad ist weit mehr als ein Nischensegment.

„Der Fahrradtourismus boomt – ob für Tagestrips oder mehrtägige Entdeckungsreisen. Immer mehr Regionen entwickeln nachhaltige Angebote, die Natur- und Kulturerlebnisse verbinden und sowohl Freizeitradler als auch sportlich Ambitionierte ansprechen“, sagt Tilman Sobek, der die Grundlagenuntersuchung Radtourismus gemeinsam mit dwif und DTV verantwortet.

Die vorgestellten Daten belegten, wie eng Fahrradwirtschaft, Tourismus, Infrastruktur und regionale Entwicklung verzahnt sind. Der Impuls war nicht nur ein analytischer, sondern auch ein programmatischer: Mit gezielten Investitionen in radfreundliche Infrastruktur, Angebotsentwicklung und Mobilitätsverknüpfung lassen sich Effekte für Arbeitsmarkt, Klima und Standortattraktivität erzielen – gerade im ländlichen Raum.

Standardisierung: Bikes über USB-C aufladen

Zum Abschluss des Eurobike Media Kick-Off präsentierten junge und etablierte Marken innovative Produktneuheiten. Besonders im Fokus: ein Rad des estnischen Herstellers Ampler, das über einen USB-C-Anschluss geladen werden kann – ein kleines Detail, das Großes verspricht: Standardisierung, Vereinfachung und Nutzerfreundlichkeit. Es sind genau solche Lösungen, die die Radbranche weiterbringen – weil sie auf Bedürfnisse reagieren und neue Maßstäbe setzen.